Interview

KI-gestützte Hautkrebsvorsorge: „Eine vierfache Win-Situation“

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In der Holzkirchner Praxis: Hautärztin Cecilia Dietrich.
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Eine flächendeckende Hautkrebsvorsorge mithilfe von KI will das noch junge Unternehmen checkupbox GmbH etablieren, das die Dermatologin Cecilia Dietrich (39) gegründet hat. Der Prototyp der checkupbox – ein mit innovativer Medizintechnik ausgestatteter Container– entstand 2024 am Holzkirchner Standort von Dietrichs Praxis „Hautarzt Oberland“.

Eine flächendeckende Hautkrebsvorsorge mithilfe von KI will das noch junge Unternehmen checkupbox GmbH etablieren, das die Dermatologin Cecilia Dietrich (39) gegründet hat. Der Prototyp der checkupbox – ein mit innovativer Medizintechnik ausgestatteter Container– entstand 2024 am Holzkirchner Standort von Dietrichs Praxis „Hautarzt Oberland“.

Frau Dr. Dietrich, mit der checkupbox GmbH sind Sie unter die Unternehmer gegangen. Wie kamen Sie auf diese Idee?
Eigentlich wollten wir damit nur eine Krisensituation meistern. Unsere Praxis in Holzkirchen war erst seit einem Jahr geöffnet, da hatten wir einen massiven Wasserschaden. Zugleich hatten wir eine extreme Nachfrage nach Hautkrebs㈠screenings. Kurzerhand stellten wir einen Baucontainer vor der Praxis auf und statteten ihn behelfsmäßig aus. Wir kauften ein KI-gestütztes Bodymapping-Gerät, das in dem Container dann unter Anleitung einer Medizinischen Fachangestellten die Patienten fotografierte. Anhand der Aufnahmen konnten unsere Dermatologinnen den Befund erstellen. Remote, weil die Praxisräume ja nicht zur Verfügung standen.
Wie nahmen die Patienten das Angebot an?
Wir hatten eine 100-prozentige Akzeptanz. Wir dachten, dass hauptsächlich Digital Natives kommen, die das neue Konzept cool finden. Aber dann hatten wir viele ältere Patienten. Unser ältester Patient war 88 Jahre alt. 80 Prozent waren IGeL-Patienten.
Übernehmen die Krankenkassen das Screening nicht?
Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen die Untersuchung mit der Lupe ohne Speicherung von Patientenbildern oder KI-Unterstützung. Das sogenannte Total Bodymapping, bei dem der gesamte Körper fotografiert wird, übernehmen nur die privaten Kassen und einige gesetzliche. Unser Ziel ist, dass es zu einer Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen wird. Deshalb lassen wir die checkupbox durch die Hautklinik der Technischen Universität München wissenschaftlich begleiten. Wir wollen in einer Studie die Vorteile des Verfahrens wissenschaftlich nachweisen.
Welche sind das?
Es ist eine vierfache Win-Situation. Der Mehrwert für den Patienten besteht darin, dass er sich mit dem Total Bodymapping eine Geschichte aufbauen kann. Die Hautkrebsvorsorge sollte man alle zwei Jahre machen lassen. Wenn ich die Aufnahmen von 2025 über die von 2027 lege, zeigt mir der Computer Veränderungen unmittelbar an. Außerdem bekommt der Patient schneller einen Termin, weil der Checkup arztunabhängig stattfinden kann. Für den Arzt besteht der Vorteil darin, dass er sich auf die Behandlung der Kranken konzentrieren kann, statt auf das Screening der Gesunden. Denn in den meisten Fällen wird es mit einem Termin in der checkupbox getan sein. Nur wenn der Arzt eine Läsion findet, die er sich genauer ansehen will, werden bei einem zweiten Termin in der checkupbox zusätzliche mikroskopische Aufnahmen von den Stellen gemacht. Der gesamtgesellschaftliche Vorteil ist, dass mit dem Konzept auch in dermatologisch unterversorgten Regionen Screenings stattfinden können. Man könnte es auch auf einen Transporter stellen. Zudem hilft checkupbox, den Fachkräftemangel in der Branche zu mildern. 70 Prozent der zukünftigen Dermatologen sind Frauen. Eine Befundung von zuhause aus ermöglicht ein flexibleres Arbeiten.
Ist das KI-gestützte Gerät so zuverlässig?
Neueste Studien zeigen, dass die Kombination aus KI und erfahrenem Facharzt am zuverlässigsten ist. 2019, als ich Oberärztin in Kiel war, gab es eine Studie „Mensch gegen Maschine“. Man sollte in Sekundenschnelle auf Bildern Hautkrebs erkennen. Dabei schnitt die Maschine besser ab. Allerdings nur im Durchschnitt. Handelte es sich um einen erfahrenen Facharzt und hatte dieser Kenntnis von der Anamnese des Patienten, so erzielte er die besten Ergebnisse. Die KI lernt anhand von Dingen, die häufig sind. Bei seltenen Sachverhalten braucht den Blick eines erfahrenen Arztes. Mit unserem Konzept verbinden wir diese beiden Welten.
Gibt es Pläne für zukünftige Standorte?
Wir befinden uns gerade im Ausbau unseres ersten Standorts in München Fasangarten. Im Sommer wird die checkupbox in Ampfing im Kreis Mühldorf am Inn den Betrieb aufnehmen.

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