Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat sich nach Kiemertshofen bemüht, um den symbolischen Spatenstich für die große Photovoltaik-Anlage durchzuführen.
Durch Aiwangers Knopfdruck setzte sich der große Rammbock in Bewegung und schlug einen der 6000 nötigen Pfosten präzise in den Boden. „Der Herr Minister hätte ihn sicher auch mit dem Hammer eingeschlagen“, gab Moderator und Bauherr Reinhard Schmutz zu verstehen, doch hier sei absolute Genauigkeit gefragt.
Anlage wird rund 10 Hektar groß
Schmutz schmunzelte vor den vielen geladenen Gästen, Freunden, Nachbarn, Landwirten, PV-Betreiber und Vertreter der Kommunen: „Ich hatte schon Angst, dass sie uns sein Double schicken.“ Laut Schmutz schätze man im Dachauer Hinterland sehr, dass Aiwanger ein Mann aus der Praxis sei.
Schmutz freute sich mit seinem Kollegen Hans Schweiger, dass sie das rund zehn Hektar große Projekt am Rande von Kiemertshofen umsetzen können, nachdem sie vor drei Jahren die Idee dazu gehabt hatten.
Das Großprojekt in Zahlen
Eineinhalb Jahre habe die Planung gedauert, ein Puzzlespiel mit 50 Komponenten, das für kleinere, bauwillige Leute fast nicht mehr zu bewältigen sei, weil alles so komplex geworden sei. Die größte Herausforderung dabei sei die Netzanbindung, das Umspannwerk oder die Beschaffung der Module, die aus China kommen. 33 000 Module, die inzwischen auf beiden Seiten die Energie aufnehmen, werden hier in dieser Anlage und der zweiten etwa sieben Hektar großen Anlage in Pfaffenhofen verbaut. Fünf Trafostationen sind nötig, 30 Kilometer Kabel und rund 3700 Pflanzen, die als Ausgleich gepflanzt werden müssen. „Wir sind dankbar, dass wir hier dieses Projekt bauen dürfen, dass man uns zwoa Buam das zutraut und auch dass es hier klare Baustrukturen gibt“.
Größte Anlage in der Freifläche im Landkreis
Die unterstrich auch Bürgermeister Michael Reiter mit dem Maßnahmenkatalog, den der Gemeinderat für die PV-Anlagen schon früh ausgearbeitet hatte und nach dem vorgegangen wird. Die Anlage in Kiemertshofen werde wohl die bisher größte Freiflächenanlage im Landkreis werden, „ein Projekt, das zu Altomünster passt, denn wir waren immer schon Vorreiter in der Beziehung“.
Die Marktgemeinde selbst wäre laut Reiter eigentlich schon autark in der Energieerzeugung mit 26 Megawatt pro Jahr. Doch das größte Handicap sei, dass schon seit zwei Jahren versucht wird, von Bayernwerk einen Netzausbau zu bekommen – bisher ohne Erfolg. Es würden ja nicht nur die angestrebten Wärmepumpen den Strom benötigen, sondern man könnte ihn auch für Fernwärme nutzen oder zur Wasserstoffgewinnung verwenden. Trotzdem freut er sich mit den Betreibern auf eine gute Zusammenarbeit, die bisher stets auf Augenhöhe stattfinden konnte.
Aiwanger über die Energieversorgung
Minister Hubert Aiwanger zeigte sich bei seiner Rede im aufgestellten Festzelt erfreut, dass so ein Thema hier öffentlich miteinander diskutiert wird. „Denn wir müssen mit den Leuten reden, was praktisch sinnvoll ist, und dann entscheiden, was gemacht werden kann und nicht an den Bürgern vorbei!“ Die Entwicklung „nur Wärmepumpe“ bezeichnete er als falsch, denn diese sei bei alten Häusern gar nicht geeignet. Und Gas- und Ölheizungen schlagartig zu verbieten, sei nicht durchführbar, weil die Heiz- und Klimatechniker bei rund 20 Millionen Wohnungen gar nicht nachkämen. Für ihn sei es richtiger, den Strom zu kombinieren, Wind- und Solarstrom gemeinsam ins Netz zu führen oder zu speichern und dann wieder dosiert ins Netz zu schicken. Bayern habe eben mehr Sonneneinstrahlung, der Norden dafür mehr Wind, und das müsse kombiniert werden. Es könne nicht sein, wie bisher, dass überschüssiger Strom auf der Strecke vernichtet werde, auch um den Preis zu halten. Deshalb empfand er diese Freiflächenanlagen als gute Ergänzung.
Zudem fand Aiwanger, dass durch die Beweidung der Freiflächen, durch die Anlage von Blühstreifen oder kleiner Schrebergärten in den Zwischenräumen, die Natur mehr profitieren würde, als wenn für Biogas der Mais auf der Fläche angebaut würde. Angesichts dessen, dass man in Zukunft rund die vierfache Menge an Strom brauchen werde, halte er auch die Flächenanlagen für viel einfacher, als Module nur auf Dächern. Er schlug auch schwimmende Module in Seen vor, die viele Vorteile für die Natur, die Gewässer und die Tiere hätten. „Irgendwo muss ja der Saft herkommen, den wir brauchen“, betonte er.
Die steigenden Kosten sah der Minister als „großes Problem“. Deshalb sei es richtig und wichtig, dass die Herstellung der Solarmodule wieder nach Bayern zurückgeholt werden muss und „wir die Hand drauf haben, denn sie waren unsere Idee!“ Es könne nicht sein, dass sie in China zwar billiger hergestellt würden, sie dann aber teuer gekauft werden müssten.
So freute er sich einmal mehr, dass es in Altomünster zwei Pioniere gibt, die anpacken und hoffentlich viele Leute, die das mittragen. Er fügte schmunzelnd hinzu: „...und auch Bänker haben, die noch den alten Zinssatz verlangen“, was die Besucher mit viel Applaus für Schweiger und Schmutz unterstrichen.
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