Der neue Verein Bürger-Energie Isental hat ein Konzept für Buch, Lengdorf, Isen und St. Wolfgang. Ziel ist 100 Prozent erneuerbare Energie in der Region mit ganz viel Bürgerbeteiligung.
Isen – Der neue Verein Bürger-Energie Isental will in den Gemeinden Buch am Buchrain, Lengdorf, Isen und St. Wolfgang den Übergang von fossiler zu erneuerbarer Energie vorantreiben. Der Verein befindet sich rechtlich noch in der Gründungsphase. Das ambitionierte Konzept zur Energiewende wurde Vertretern der vier Kommunen aber bereits vorgestellt.
Als nächster Schritt sollen Gemeinderäte und Bürger informiert werden. „Wir wollen in unserer Region 100 Prozent erneuerbare Energieversorgung mit Bürgerbeteiligung. Wir wollen eine regionale Wertschöpfungskette“, formulierte Bernhard Gangkofer das Ziel des Vereins.
Statt den Profit den großen Konzernen zu überlassen, solle bei der Bürger-Energie „jeder profitieren können und Mensch und Region im Mittelpunkt stehen“. Erreichen will man die Energieautarkie mit dem richten Mix aus Sonne und Wind.
Für die sogenannte Dunkelflaute – wenn wegen Schwachwind oder Flaute und gleichzeitiger Dunkelheit keine Energie erzeugt werden kann – könne, so die vorläufige Überlegung, Energie aus Biogas zum Einsatz kommen. „Wir sind keine Experten für Biogas. Wir würden uns deshalb wünschen, dass auf uns zugegangen wird“, so der Verein.
Wie es zur Zeit in den vier Kommunen mit Strom aus Sonne aussieht, machte Gangkofer mit einer Folie deutlich: Lediglich St. Wolfgang habe „eine sehr gute Ausgangslage bei PV-Anlagen“, insgesamt befinde man sich im bayerischen Durchschnitt.
Dass man bei den erneuerbaren Energieträgern vor allem auf Sonne und Wind setzt, erklärte er mit dem Flächenverbrauch. Dieser sei bei Photovoltaik (PV)- und Windenergie (WE)-Anlagen im Vergleich zu Biogasanlagen verschwindend gering. Um etwa den jährlichen Gesamtstrombedarf des Marktes Isen von 33,5 Millionen Kilowattstunden zu erzeugen, müssten für Biogas pro 20 000 kWh ein Hektar Fläche verbraucht werden. „Das würde theoretisch gehen aber einen großen Flächenverbrauch bedeuten“, betonte der Vereinssprecher.
Auf diesem einen Hektar ließen sich durch PV-Anlagen 400 000 kWh Strom und auf einem halben bis einem Hektar durch Windenergieanlagen zehn Millionen kWh jährlich erzeugen.
Um Energieunabhängigkeit für die vier Kommunen herzustellen, müssten bei einem für das Jahr 2030 prognostizierten Strombedarf von rund 70 GWh zusätzlich 32 GWh durch Windenergie und 9 GWh aus Sonnenenergie erzeugt werden. „Das würde funktionieren und wäre von der Fläche nicht unrealistisch“.
„Wir haben noch nicht alle Ideen fertig, wissen aber, wo wir hinwollen“, betonte Karsten Borgmann. Wichtig sei aktuell beim Wind, zu erreichen, „dass nicht externe Konzerne bauen, sondern wir“. Denn bei der Bürgerenergie befürchtet man, dass im Herbst durch die Bekanntgabe der neuen Vorrangflächen für Windenergie im Regionalplan „ein Ansturm auf die Flächen“ stattfindet.
„Wenn die draußen sind, sind wir vogelfrei“, befürchtete Vorsitzender Heiko Koxholt. Deswegen hat sich der Verein die Arbeit gemacht und selbst potenzielle Standorte eruiert. Dabei habe man zum einen den geforderten Mindestabstand zum Wetterradar bei Schnaupping von inzwischen fünf Kilometern berücksichtigt als auch einen Abstand von 600 Metern zur nächsten Bebauung.
Zwölf Flächen kommen laut Verein durch ihren Windenergieertrag in Frage: vier liegen in Isener, einer in Lengdorfer und sieben in Bucher Gemeindegebiet. Wie Richard Wimmer erklärte, bestehe die Möglichkeit, durch Vorverträge diese Standorte zu sichern. Der nächste Schritt sei deshalb, die Grundeigentümer zu identifizieren, um mit ihnen ins Gespräch kommen zu können.
Ins Gespräch kommen will der Verein auch mit interessierten Bürgern. Denn wie es konkret weitergehen soll, ob etwa eine Genossenschaft als Stromerzeuger, -vertreiber und Netzbereiter auftritt oder ob man mit regionalen Energiedienstleistern kooperieren will, ist noch ungeklärt. An weiterführenden Konzepten und Lösungen, das wünscht sich der Verein, sollen sich alle vier Kommunen und möglichst viele Bürger beteiligen. Nur so könne das Motto „Unsere Sonne, unser Wind, unsere Energie“ umgesetzt werden.