VonAndreas Steppanschließen
Der kluge Mann baut vor. Vermutlich deshalb lehnte es der Jachenauer Gemeinderat ab, dass die Mauthäusl am Walchensee durch Schranken ersetzt werden. So richtig vorgeschlagen hat das allerdings noch keiner.
Jachenau – Die Umsetzung einzelner Maßnahmen aus dem Walchensee-Konzept schreitet voran. Zu den nächsten Themen, die dabei auf der Agenda stehen, gehöre die Versetzung der beiden Mautstellen am Südufer, erklärte der Jachenauer Bürgermeister Georg Riesch in der jüngsten Gemeinderatssitzung. In diesem Zusammenhang erteilte das Gremium per einstimmigem Beschluss Überlegungen eine Absage, die mit Mitarbeitern besetzten Mautstellen in Einsiedl und Niedernach durch automatisierte Schrankenanlagen zu ersetzen. „Dadurch würden ja die Anlieger buchstäblich eingesperrt, das wäre ein Unding“, sagte Gemeinderätin Eugenie Grünwald.
Versetzung der Mautstellen soll Rückstaus verhindern
Wie berichtet, steht hinter der angedachten Versetzung der Mautstellen die Absicht, Rückstaus bis auf die B 11 und in die Jachenau zu vermeiden, falls die Süduferstraße wegen Überlastung gesperrt werden muss. Damit das Ganze Sinn ergebe, müssten an den Mautstellen unbedingt Parkplätze und Wendemöglichkeiten geschaffen werden, betonte Riesch.
Und auf noch etwas wies er hin: „Ich bin strikt dagegen, dass die Mautposten wegfallen und man nur über ein Ticket über eine Schranke einfahren kann, wie bei einem Parkhaus.“ Dies wolle er klarstellen, noch bevor eine solche automatische Schrankenlösung überhaupt in die Planung gehe. Seine Botschaft: „Plant keine Schranke, denn wir werden sie ablehnen!“
Schranken könnten Schwangere auf dem Weg in die Klinik aufhalten
Als Argument für seine Position führte er an, dass die Süduferstraße für die Jachenau auch die Funktion einer Ortsverbindungsstraße erfülle. Nicht nur, dass am Südufer, etwa in Altlach, Anwohner ansässig sind. Auch für alle anderen Jachenauer ist die Mautstraße, abgesehen von der Staatsstraße 2072 Richtung Lenggries, der einzige Weg, der aus dem Sonnental hinausführt.
Diese Route würde zum Beispiel von denjenigen genutzt, die zum Garmischer Krankenhaus fahren. Das habe seit Wegfall der Geburtshilfe in Bad Tölz an Bedeutung für die Jachenauer Familien gewonnen, so der Bürgermeister. Auch für andere Behandlungen und Operationen tendierten die Jachenauer oft Richtung Garmisch-Partenkirchen. Speziell auf dem Weg zur Entbindung dürfe keine Schranke im Weg sein. Dasselbe gelte für andere Notfälle.
Bürgermeister befürchtet Schaden für die Gastronomie
Aber auch viele Jachenauer Handwerker seien im Werdenfelser Land tätig. „Den Kunden mit einer Schranke den Weg abzusperren, wäre wirtschaftlich nicht förderlich.“ Riesch zeigte sich überzeugt, dass eine automatische Schranke statt des „persönlicheren“ Mautpostens die Gastronomie am Südufer ebenfalls schädigen würde.
Die Gemeinderäte stimmten dem Rathauschef zu und führten weitere Aspekte ins Feld. Jost Gudelius jun. nannte die Themen Lieferverkehr zum Kiosk oder Post, Klaus Rauchenberger neben dem Holztransport auch Rettungsdienst und Feuerwehr: „Es wäre fatal, wenn dann aus irgendeinem Grund die Schranke nicht funktioniert.“ Riesch entwarf auch das Szenario, dass ein Gewitter aufzieht und viele Badegäste gleichzeitig das Badegebiet verlassen – auch da wäre eine Schranke äußerst hinderlich.
Lesen Sie auch:
Nach Ekel-Alarm am Walchensee: Badegäste müllen Toiletten zu - und beschweren sich dann. Über 400 Anzeigen gab es diesen Sommer am Walchensee - sorgen jetzt Ranger für mehr Ordnung?
Und noch eine (Ex-)Britin aus der Jachenau sorgt für Aufsehen: Die selbst geschmiedete Axt ist beim Check-in als „Gartengerät“ deklariert. Mit ihr und einem Wikingerboot besegelt Jachenauerin Susanne Williams die Weltmeere - mit großen Zielen.
