VonAlois Ostlerschließen
Er mag das einfache Leben. Er schätzt das Handwerk nach Art der Vorfahren – und er ist der Erfinder eines ausgezeichneten Designer-Möbelstücks: Georg Wasensteiner aus der Jachenau.
Jachenau – Die Erfolgsgeschichte von Georg Wasensteiner hat vor gut einem Jahr ihren Anfang in seiner kleinen Werkstatt in der Jachenau genommen. „Ab dem Dreikönigsfest hatte ich eine Woche Zeit“, erzählt der gelernte Zimmerer. Er erinnert sich noch gut an den Jahresanfang 2019, als der Isarwinkel im Schnee versank und die Jachenau von der Außenwelt abgeschnitten war.
Der 48-Jährige hat damals begonnen, ein paar Holzlatten zusammenzubauen. Ihm schwebte die Weiterentwicklung eines einfachen Liegestuhls aus Rinden vor, den Holzfäller vor Jahrzehnten aus Kanada importiert hatten. Er wollte ein bequemes Möbelstück, das man leicht zusammenklappen kann, um es beispielsweise zu einem Ausflug an den Walchensee mitzunehmen, sagt er.
Nach mehreren Versuchen und Nachbesserungen sowie rund 30 Testmodellen wurde Wasensteiner klar, „dass das etwas Großes werden kann“. Es war „Liebe auf den ersten Blick“. In der eingeschneiten Jachenauer Werkstatt wurde damals eine Weltneuheit geboren. „Simplivita“ hat der Schreiner seine Erfindung getauft, für die er die englischen und lateinischen Worte simply (einfach) und vita (Leben) verknüpft hat. Denn das Produkt eines Handwerkers soll in seinen Augen schlicht und auch schön sein oder mit anderen Worten: einfach und edel. So wie seine Bänke und Tische, die er nach alten Vorbildern unter der Marke „Voihoiz“ herstellt (www.voihoiz.de).
Goldmedaille im „German Design Award“
Als Wasensteiner nach einiger Zeit bei seinem Patentanwalt vorsprach, um seine Simplivita EU-weit gesetzlich schützen zu lassen, da sagte ihm der Jurist: „Es passiert oft, dass ich über einer Patentanmeldung sitze und mir denke, warum ist bisher noch niemand auf diese im Grunde genommene einfache Erfindung gekommen.“
Im Laufe des Jahres hat sich der „German Design Award“ mit der Jachenauer Erfindung beschäftigt – und Georg Wasensteiner noch im November die einzige zu vergebende Goldmedaille zugesprochen – unter 5500 Einsendungen. Die Experten beschreiben die Erfindung mit diesen Worten: „Diese neuartige Liege besticht durch ihre formschöne ergonomische Schlichtheit. Eine innovative Gelenktechnik ermöglicht es, die Holzliege innerhalb kurzer Zeit in eine flache transportable Form zu falten. Zudem werden klimatisch bedingte Holzbewegungen kompensiert, sodass Simplivita problemlos sowohl in Außen- als auch in Wohnbereichen verwendet werden kann.“
Preisverleihung im Februar in Frankfurt
Die Begründung der Jury ist so formuliert: „Die Holzliege fällt aufgrund ihrer markanten Formensprache sofort ins Auge. Die ergonomisch gewölbte Liegefläche verjüngt sich symmetrisch zu beiden Seiten auf gleicher Länge, wodurch die Form insgesamt wunderbar ausbalanciert wirkt. Zum anderen fasziniert der mittig liegende Faltmechanismus, durch den sich die Liege gänzlich flach – und damit komfortabel tragbar – zusammenlegen lässt. Vor allem aber bietet das Möbel einen exquisiten Liegekomfort.“ Für die Jury ist es ein „angenehm natürliches Produkt mit einem tollen zeitlos eleganten Design, das Form und Funktion elegant verbindet“.
Am 7. Februar holt sich Wasensteiner die Goldmedaille in Frankfurt ab und wird Simplivita bei einer Ausstellung den 1500 geladenen Gästen vorstellen. Die Liege gibt es in zwei Varianten: in Lärche natur oder in Kernesche geölt. Das einfache Modell kostet 500 Euro. „Ich nehme dafür nur bestes Holz, denn das ist ja schließlich kein Ramschprodukt“, sagt er.
Noch wird Simplivita von Hand in der Jachenau gefertigt. „Aber langfristig brauche ich einen Partner“, sagt er. Am liebsten wäre ihm dafür ein heimisches Unternehmen. Wasensteiner will sich überraschen lassen, „was das neue Jahr alles bringt“.
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