Burkina-Faso-Gruppe am Tölzer Gymnasium

In 20 Jahren neun Schulen gebaut

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Rückblick auf 20 Jahre: Musiklehrerin Elisabeth Scheucher, Mutter und ehemalige Vorsitzende Ursula Witting, Lehrer i. R. Arno Zimmermann sowie Bio- und Chemielehrer und 2. Vorstand Markus Zimmermann berichten, was der Verein schon in Burkina Faso bewegt hat.

Bad Tölz - Wenn jeder einen kleinen Beitrag leistet, kann etwas Großes entstehen. Das will der Verein „Gemeinsam für Afrika – eine Schule hilft Burkina Faso“ den Mädchen und Buben des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums vermitteln. Das gelingt seit mittlerweile 20 Jahren.

Mit einem freiwilligen Spendenbeitrag von 50 Cent im Monat und dem jährlichen Weihnachtsbasar konnten die Tölzer schon neun Schulen in Burkina Faso (Westafrika) bauen. Heuer feiert der Verein 20-jähriges Bestehen. Vier Mitglieder trafen sich kürzlich, um zurückzublicken.

„Ich war damals bei Freunden in Gelting, die jedes Jahr einen Basar für Schulen in Burkina Faso veranstalten“, berichtet Arno Zimmermann, ehemaliger Lehrer für Deutsch und Englisch. Es würde dem Gabriel-von-Seidl-Gymnasium gut anstehen, wenn die Schüler auch so etwas organisieren würden, dachte er sich. Im Sommer 1995 lud er zur Gründungsveranstaltung bei sich zuhause ein. „Wir haben beschlossen, ausschließlich den Schulbau in Burkina Faso zu fördern.“

Und dafür setzen sich die inzwischen 90 Mitglieder – 25 davon aktiv – bis heute ein. Angefangen haben sie damit, dass die Schüler jeden Monat eine Mark freiwillig spenden konnten. „Etwa 70 Prozent haben sich beteiligt, und dabei ist es immer geblieben“, so Markus Zimmermann. Der Bio- und Chemielehrer ist Zweiter Vorsitzender. Auch an der Spendenbereitschaft beim Weihnachtsbasar – die Haupteinnahmequelle – habe sich nie etwas geändert. Der Basar findet traditionell am Samstag vor dem ersten Advent in der Aula statt.

300 000 Euro sind so über die Jahre zusammengekommen, und damit konnte „Gemeinsam für Afrika“ vieles bewegen. „Damit wurden acht Grundschulen und eine weiterführende Schule gebaut“, berichtet Zimmermann. Mit den Spenden habe die jeweilige Dorfgemeinschaft ihre Schule in Eigenregie gebaut. Der Staat stellt die Lehrer, die dazu in Häuser direkt an der Schule ziehen. „Dort werden Kinder unterrichtet, die sonst nie zur Schule gehen könnten.“ Die Alphabetisierungsrate sei in den vergangenen Jahren stark gestiegen, unter Frauen aber noch sehr gering, sagt Markus Zimmermann. „Wir legen deshalb Wert darauf, dass Mädchen eingeschult werden.“

Als die Lehrer den Verein gründeten, kostete eine Schule 30 000 Mark – samt Einrichtung. Inzwischen seien es 30 000 bis 40 000 Euro. „Burkina Faso hat kaum eigene Vorräte“, sagt Ursula Witting, Mutter und ehemalige Vorsitzende. Durch den Krieg an der Elfenbeinküste müsse Baumaterial über das Nachbarland Niger transportiert werden, was hohe Kosten verursache. „Es ist faszinierend, dass wir gemeinsam etwas so Großes bauen können“, sagt Zimmermann.

Einige Mitglieder des Vereins haben „ihre“ Schulen schon viermal besucht. „Da gab es ein riesiges Willkommensfest, und der Dorfvorsteher hat uns begrüßt“, erzählt Musiklehrerin Elisabeth Scheucher. Seit dem Jahr 2006 konnte der Verein nicht mehr nach Burkina Faso reisen. „Die Region ist nicht mehr so stabil, wie sie mal war“, sagt Zimmermann. Dafür berichtet Entwicklungshelfer Tasséré Derra jede Woche von den Dörfern. „Es ist wichtig, eine Vertrauensperson vor Ort zu haben.“

Eine große Jubiläumsfeier gibt es nicht. Der Weihnachtsbasar findet am Samstag, 28. November, von 11 bis 15 Uhr wie gewohnt in der Aula des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums statt.

Susanne Weiß

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