Jakob Rauchenberger aus Wegscheid steuert eine ganz besondere Maschine

Weltneuheit: Mähen mit 3D-Brille im Steilhang: So geht‘s

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Mähen vom Liegestuhl aus: Dank der 3D-Brille fühlt es sich für Jakob Rauchenberger an, als säße er selbst auf dem Motormäher. In den Händen hält er die Fernsteuerung. Das Foto ist vor seinem Hintergraberhof entstanden. Dort kommt die Maschine aber nicht zum Einsatz, sondern an Steilhängen am Brauneck.
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Nach sechs Stunden mähen im Steilhang fühlt sich Jakob Rauchenberger völlig ausgeruht. Der Landwirt aus Wegscheid steuert seine Maschine vom Liegestuhl aus – mit einer 3D-Brille auf der Nase und einem alkoholfreien Weißbier in der Hand.

Wegscheid – „Was machen Sie da?“, will ein Spaziergänger von Jakob Rauchenberger wissen. Der 60-Jährige sitzt in einem Liegestuhl im Schatten eines Baumes am Brauneck. Er trägt eine 3D-Brille auf der Nase, in der Hand hält er eine Fernsteuerung. „Ich mähe angestrengt“, antwortet der Landwirt aus Wegscheid verschmitzt – und das ist nicht gelogen. Dank seiner Erfindung hat Jakob Rauchenberger seine sieben Hektar Steilhangflächen heuer zum ersten Mal ganz gemütlich im Liegen gemäht. Eine Weltneuheit.

Weltneuheit: Jakob Rauchenberger mit seinem umgebauten Motormäher „Köppl Gekko“. Dank einer montierten Kameraanlage und einer darauf abgestimmten 3D-Brille kann der Landwirt seine Wiesen mit bis zu 48 Prozent Hangneigung ganz gemütlich vom Liegestuhl aus mähen. Bislang müssen die Inhaber selbst von funkgesteuerten Motormähern stets mit der Maschine mitlaufen, um zum Beispiel vor größeren Steinen stoppen zu können.

„Immer hinter dem Mäher herzulatschen ist Quatsch“, dachte sich der Landwirt vor zwei Jahren. Damals hatte er sich seinen ersten Motormäher gekauft, der per Funk gesteuert werden kann. In der Nähe bleiben musste er trotzdem. Jakob Rauchenberger wollte es noch einfacher haben. Zumindest vom Jägerstand aus wollte er die Arbeit der Maschine überwachen können. „Mit einem Glas alkoholfreiem Weißbier in der Hand“, scherzt der Herr über den „Hintergraberhof“.

Bei seinen ersten Konstruktionen ließ er sich die Bilder noch auf einen Monitor senden. „Nach 15 Minuten taten einem die Augen weh.“ Die Auflösung war zu schlecht, die Reichweite zu gering, und die Kameraanlage wurde zu schnell heiß. Obwohl seine Erfindung aus Sicht von Rauchenberger noch nicht praxistauglich war, berichtete das „Landwirtschaftliche Wochenblatt“ über seine Idee. Selbst „Der Spiegel“ widmete dem Lenggrieser einen Absatz in einem Artikel über die digitale Landwirtschaft.

Zufrieden ist Jakob Rauchenberger mit seiner Erfindung aber erst, seit er eine FPV-Kameraanlage auf seinem Motormäher befestigt hat. FPV steht für „First Person View“ und bedeutet so viel wie „Sicht aus der Ich-Perspektive“. Das heißt: Das Livebild der Kamera wird auf eine 3D-Brille übertragen, deren Träger das Gefühl hat, „als würde er selbst auf dem Motormäher sitzen“. Diese Kombination ermöglicht es dem Landwirt tatsächlich, vom Liegestuhl aus die Steilhangflächen zu mähen. Länger als sechs Stunden kann Rauchenberger aber nicht so arbeiten: Dann ist der Akku der 3D-Brille leer.

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Einziger Nachteil der Weltneuheit: Der Landwirt braucht länger für das Mähen der Steillagen, als wenn er selbst hinter dem Motormäher stehen würde. Vier Stundenkilometer würde die Maschine schaffen, vom Liegestuhl aus fährt Rauchenberger deutlich langsamer. Statt neun braucht er 14 Stunden, aber das stört den 60-Jährigen nicht. „Das ist besser als das Feld schwitzend im Traktor sitzend zu mähen.“

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Und auch die Firma Köppl findet das nicht schlimm. Das Unternehmen will diese Art der Live-Bild-Funk-Fernsteuerung möglichst bald zur Serienreife bringen, freut sich Rauchenberger. Die nächste Stufe wäre das autonome Fahren wie bei Mährobotern, wie sie inzwischen viele Hausbesitzer nutzen. Daran will sich Jakob Rauchenberger aber nicht versuchen. „Ich warte, bis ein Hersteller sowas auf den Markt bringt.“

Wer den Motormäher in Aktion sehen möchte, geht auf www.youtube.com und gibt „Steilhangmahd vom Liegestuhl aus mit Köppl Gekko Motormäher“ ein.

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