VonManuel Eserschließen
Viele Sorgen von Mitarbeitern aus dem Gesundheitssektor hat sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Freising angehört. Bei seinem Auftritt im Hofbrauhauskeller gab der Gast aus Berlin aber auch ein Versprechen.
Freising – Der CSU-Bundestagsabgeordnete Erich Irlstorfer kündigte eine „spahnende Stunde“ an. Und Staatsminister Florian Herrmann beschrieb den Gast aus Berlin als Minister, der in nur sechs Monaten Amtszeit schon einige Akzente gesetzt habe, an denen man sich reiben könne. Beide hatten nicht zu viel versprochen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) diskutierte am Mittwoch im Hofbrauhauskeller leidenschaftlich mit einem großen Fachpublikum, das von Apothekern über Pflegekräfte und Heilpraktiker bis hin zu Ärzten reichte.
Egal, ob Apotheker die Sorge äußerten, dass die Arzneimittelsicherheit der Wirtschaftlichkeit zum Opfer falle, oder ein Informatiker darauf hinwies, dass man die Digitale Medizin vorantreiben müsse – Spahn gab auf alles themensicher Antwort, sprach auch ohne Mikrofon Klartext und tätschelte einem Pharmazeuten schon mal einfühlsam die Hand. Vor allem aber gab Spahn den Anwesenden in Freising ein Versprechen: „Wir können bei der medizinischen Versorgung vielleicht keine paradiesischen Zustände erreichen, aber wir müssen dafür sorgen, dass es für alle spürbare Verbesserungen im Alltag gibt.“ Das gelte für die rund fünf Millionen Menschen, die im Gesundheitssektor arbeiten würden, und das gelte für die mehr als 80 Millionen potenziellen Patienten im Land.
Vor allem setzt der Gesundheitsminister auf finanzielle Anreize. Für Ärzte, „um die Zwei-Klassen-Versorgung einzudämmen, bei der der Privatpatient in der kommenden Woche, der gesetzlich versicherte Patient aber erst in fünf Monaten einen Termin bekommt“. Oder für Pflegekräfte, um wieder mehr Interessenten in den Beruf zu locken. So kündigte Spahn für kommendes Jahr 13 000 zusätzliche Stellen in der Pflege an, die voll finanziert würden.
Wie prekär die Lage gerade für Azubis ist, betonte Mechthild Leidl, Pychotherapeutin in Ausbildung. Bis zu fünf Jahre dauere die Lehre, in dieser Zeit würden die jungen Kräfte wenig Geld verdienen – bei der Arbeit im Klinikum etwa nur ein bis zwei Euro die Stunde. „Das bedeutet, dass die Betroffenen entweder jobben müssen und 60 Stunden die Woche arbeiten, oder sie verschulden sich total.“ Spahn kündigte noch für dieses Jahr einen Gesetzesentwurf an, der die Ausbildung reformieren solle. Welche Vergütungssumme dabei herauskomme, könne er allerdings noch nicht sagen. Da hätten auch die Bundesländer und Arbeitgeber ein Wörtchen mitzureden.
Krankenschwester Angelika Thiel wollte wissen, wie Spahn die 13 000 neuen Stellen zu besetzen gedenke. „Wir tun uns ja jetzt schon schwer, die offenen Stellen zu besetzen. Von einer guten Pflege sind wir zur Zeit weit weg.“ So habe sie inzwischen viele Kollegen, die die deutsche Sprache gar nicht beherrschen würden. „Ich habe schon Schwierigkeiten, sie zu verstehen. Wie geht es da erst unseren Patienten?“
Spahn betonte, dass man gerade daher neue Anreize für den Beruf schaffen wolle. „Aber wir werden nicht jede Stelle mit superqualifizierten Deutschen besetzen können. Ohne Fachkräfte aus dem Ausland geht es nicht.“

