Bürgermeister informiert über gescheiterte Wunsch-Lösung

Wellenberg-Areal: Ohne Verkauf wohl kein öffentliches Bad für Oberammergau - „So hart es klingt“

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Wie geht es weiter mit dem Wellenberg-Areal? Die Wunsch-Lösung der Gemeinde ist gescheitert, nun sucht sie neue Wege – und will die Bürger beteiligen. Das ist bei uns so ein sensibles Thema. Ohne die Bürgerschaft wird das ganz schwierig. Bürgermeister Andreas Rödl
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Das Bieterverfahren mit potenziellen Investoren am Wellenberg-Areal ist gescheitert. Nun informierte Oberammergaus Bürgermeister Andreas Rödl über die Gründe. Seine Botschlaft: „Wir machen weiter.“

Oberammergau – Verkauf. Ein Unwort für viele Oberammergauer. Äußerst sensibel zu handhaben. Bürgermeister Andreas Rödl wählt hier die Taktik: darüber sprechen. Öffentlich. Und dabei nichts schönreden – „auch wenn die Situation schmerzt“. Also sagt er, was gesagt werden muss: Will Oberammergau künftig ein öffentliches Bad für seine Bürger finanzieren, „werden wir um einen Grundstücksverkauf nicht herumkommen. So hart es klingt.“ Die Gemeinde hat es anders versucht, ist jedoch mit der gewünschten Investorenlösung für das Wellenberg-Areal gescheitert.

Etwa 15 Zuhörer sind in den Sitzungssaal im Ammergauer Haus gekommen, die Besucherplätze sind besetzt. Alle warten auf Punkt vier der Tagesordnung „Wellenberg Privatisierung; Aufhebung des Bieterverfahrens“. Ein Oberammergauer erzählt seinem Sitznachbarn, wie er die Ausflüge mit seinen Enkeln vermisst, die dort planschten und die Rutschen hinuntersausten. Bis Herbst 2022. Damals wurde die Anlage geschlossen, im Sommer öffnete sie nur mit einem kleinen Freibad. „Schad’ ist das, richtig schad’.“

Bieterverfahren beendet: Komplexer Erbpachtvertrag der Hauptgrund

Emotional ist das Thema, betont sachlich spricht Rödl. Die Nachricht, dass die Verhandlungen mit den potenziellen Investoren eingestellt wurden, ist bereits seit einer Woche offiziell bekannt. Nun informiert er über die Gründe, die nach zweieinhalb intensiven Jahren zum Aus geführt haben. Allen voran war’s die Erbpacht.

Über 50 Jahre sollte der Vertrag mit dem Investor laufen, 20 Jahre konnte er verlängern. Die Höhe der Erbpacht orientiert sich dabei am Wert des Grundstücks – der erste Knackpunkt. Denn der ließ sich kaum festlegen. Im gesamten Alpenraum gibt es kein vergleichbares Konzept und damit keine Preise, an denen man sich orientieren konnte. „Hochkomplex das alles.“ Und damit höchst zeitintensiv. Monate vergingen, bis der Gutachter für jedes Konzept Ergebnisse vorlegte. Die Rödl ebenso wenig verraten darf wie die Anzahl der Bewerber.

Wellenberg-Entwicklung: Grundstücksverkauf kam damals nicht infrage

Verkaufen kam für die Gemeinde bekanntlich nicht infrage, sie wollte mitentscheiden und so eine Bade- und Freizeitmöglichkeit für Einheimischen garantieren, die viel genannte Daseinsvorsorge. Damit hätte sich die Kommune auch zu Zuschüssen verpflichtet, nachdem sich so ein Bad nicht ohne Defizit betreiben lässt. Der zweite Knackpunkt. Dieser Zuschuss durfte nämlich die Höhe der Pachteinnahme nicht überschreiten. Ein Witz, wenn man bedenkt, dass die Kommune im Schnitt eine Million Euro in den Wellenberg geschoben hat. Doch bei 70 Jahren Laufzeit muss die Gemeinde vertraglich garantieren, Jahr für Jahr ihren Zuschuss zu leisten. Gesichert sind dabei nur die Einnahmen über die Erbpacht. „Wir können kein Geld versprechen, das wir womöglich in Zukunft nicht haben.“

Hinzu kamen die Probleme, die jedes Bau- oder Investorenprojekt erschweren: Corona – in der Pandemie startete der Wellenberg-Investoren-Versuch –, Ukrainekrieg und Energiekrise, Preissteigerungen. All diese Punkte ließen die Wunsch-Lösung scheitern. In nicht öffentlicher Sitzung beschloss der Gemeinderat am 10. April, das Bieterverfahren zu beenden.

Bürgermeister Rödl: Alles versucht, um das Bestmögliche für die Gemeinde zu erreichen

Rödl lässt sich den Versuch nicht schlechtreden. Man habe alles dafür getan, das Bestmögliche für die Gemeinde zu erreichen, ohne ein Grundstück zu verkaufen. Im Tagblatt-Hintergrundgespräch im Vorfeld der Sitzung wendet er sich schon mal an die, die ihm vorwerfen, nicht sofort eine Alternative zu liefern. „Sollen wir zwei Ausschreibungsverfahren parallel laufen lassen?“ Eine rhetorische Frage. Unmöglich. Rödl sagt nicht, aus welcher Ecke er die Kritik gehört hat oder erwartet. Auf Facebook liest man sie bei der PWG. „Plan B? Weit gefehlt“, lässt ihr Vorsitzender Michael Fux wissen, nachdem das Tagblatt vor acht Tagen über das Aus berichtet hat.

Im Gemeinderat kritisiert sein Parteikollege Ludwig Utschneider – Fux ist entschuldigt – genau an diesem Punkt weiter. Seine Fraktion habe ans Gremium appelliert, parallel zu überlegen, wie Oberammergau ein Bad bieten könnte. Doch die Mehrheit im Gremium lehnte dies ab, setzte stattdessen auf eine Karte. Daran erinnert auf Facebook auch der Autor der PWG-Seite „Politik Oberammergau“. „Klassisch verzockt“, schiebt er noch hinterher.

Was Markus Köpf (CSU) nicht gefällt. Nebenbei eine zweite Lösung zu erarbeiten bei dieser komplexen Thematik, hält er wie Parteifreund Rödl für undenkbar. „Was soll denn unsere Verwaltung noch alles machen?“

Wellenberg-Entwicklung: So geht es zunächst weiter

Keinen Plan B zu haben, klingt nach Planlosigkeit. Rödl hingegen klingt nach Tatendrang. „Wir machen weiter“, stellt er klar. Und skizziert, wie. Ein Gutachter soll den Wert des Grundstücks festlegen, das für einen Verkauf infrage kommt. Über Größe und Lage spekuliert Rödl nicht öffentlich. Schließlich steht alles noch am Anfang und nichts fest. „Deutlich kleiner“ als die 82 000 Quadratmeter wird es sein, die beim Erbpachtkonzept ausgeschrieben wurden. Auch kleiner als die Hälfte davon, versichert er. Mehr sagt er nicht. Zudem wolle man nicht genau das Filetstück veräußern. Darüber hinaus erarbeitet der Anwalt der Kommune, wie die neue Ausschreibung laufen könnte.

Wellenberg: Infoveranstaltung am 7. Mai

Die Bürger umfassend über die Entwicklung des Wellenberg-Areals zu informieren, ist der Gemeinde ein wichtiges Anliegen. Nun lädt sie zur ersten Veranstaltung dazu ein. Am Dienstag, 7. Mai, berichtet Bürgermeister Andreas Rödl (CSU) über die Gründe, die zum Aus des Bieterverfahrens geführt haben, und über ein mögliches weiteres Vorgehen. Der Infoabend beginnt um 19 Uhr im Kleinen Theater.

Florian Schwarzfischer (BIO) gefällt der Blick nach vorne, nur überhasten dürfe man nichts. Aus Fehlern zu lernen und genau zu überlegen, was die Gemeinde auf den Markt wirft, heißt seine Devise. In alle Richtungen zu denken, hält auch Utscheider für wichtig. Unter anderem (wieder) an ein kommunales Ganzjahresbad. „Wir geben die Hoffnung nicht auf.“

Womit er zwangsläufig eine bekannte Diskussion startet. Jeder, der hier sitze, wünsche sich so ein Bad, stellt Wolfgang Proksch (Mit Augenmaß) klar. „Aber wir können es uns nun mal nicht leisten.“ Wenn die PWG ein solches Angebot will, „dann sagt bitte, wie wir das finanzieren sollen“. Zu einem Grundstücksverkauf sieht er keine Alternative. Utschneider gibt eine Forderung zurück: Sobald seine Fraktion den Antrag stelle, die Kosten für ein kommunales Bad zu berechnen, müssten die Kollegen mitziehen. „Sonst läuft der Vorwurf ins Leere.“ Er wird sie daran erinnern. Genau wie daran, dass die PWG vor dem Scheitern gewarnt habe. „Jetzt stehen wir badtechnisch vor dem Nichts. Die Situation ist katastrophal.“

Oberammergauer mitnehmen: Rödl hat Ratsbegehren zur Gründstücksfrage im Sinn

Tatsächlich erscheinen zweieinhalb Jahre Arbeit umsonst. Was Rödl so nicht hören will. Natürlich zeigt auch er sich frustriert. „Es ist schade. Wir haben so lange gekämpft und scheitern auf den letzten Metern.“ Doch Gemeinde und Gemeinderat haben in seinen Augen enorm viel Erfahrung gesammelt, die beim weiteren Wellenberg-Vorgehen helfen wird.

Mehrfach betont er, dass er die Oberammergauer transparent informieren und einbinden will. Frühzeitig. An ein Ratsbegehren denkt er bereits bei der Grundsatzfrage: Grundstücksverkauf – ja oder nein? „Das ist bei uns so ein sensibles Thema. Ohne die Bürgerschaft wird das ganz ganz schwierig.“ Dafür aber muss der Gemeinderat erst einmal Beschlüsse fassen. Wann er mit Ergebnissen rechnet? Wann die neuen Ausschreibungen starten? Rödl winkt ab. „Zum Wann äußere ich mich nicht mehr.“ Das nimmt ihm Utschneider ab. „Vor 2030 werden wir da oben nichts fertigstellen.“

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