VonCarl-Christian Eickschließen
Wolfratshausen - Johannes Nepomuk ist der Schutzpatron der Brücken und Flößer – und hielt am Samstag seine Hand über Wolfratshausen: Gewitter und Starkregen machten einen Bogen um die Loisachstadt, einige tausend Besucher erlebten am Abend eine der beeindruckendsten Johanni-Floßprozessionen der vergangenen Jahre.
Die laut Bürgermeister Klaus Heilinglechner weltweit einmalige Prozession bescherte der Stadt am Samstag auch Gäste, die sich als relativ unerfahren entpuppten. Zum Beispiel die Dame mit dem rheinländischen Zungenschlag, die sich auf „Oktoberfestmusik“ gefreut hatte – und enttäuscht wurde. Gleich mehreren Zuschauern musste Wolfratshausens Feuerwehrkommandant Andreas Spohn am Loisachufer auf Nachfrage erklären, dass die drei festlich geschmückten Flöße definitiv alle aus einer Richtung kommen werden.
180 Passagiere auf drei Festflößen
Vor der Segensandacht an der alten Floßlände hatten die Wolfratshauser Gebirgsschützenkompanie, die Musikapelle Münsing und der Spielmannszug Gelting nach einem Hochamt in der Stadtpfarrkirche zahlreiche Zuhörer mit einem Standkonzert auf dem Marienplatz erfreut.
Derweil trafen an der Ablegestelle der drei Festflöße am Poign nach und nach die geladenen Passagiere ein. Gisela Gleißl, Tourismusmanagerin der Stadt, führte genau Buch: Für Landrat Josef Niedermaier, Mauro Iacumin, Bürgermeister aus Wolfratshausens Freundschaftsstadt Manzano in Italien, Rathauschefs, Stadträte, Vertreter der Deutschen Flößerei-Vereinigung sowie Repräsentanten von Wolfratshauser Vereinen und Ehrengäste der Kommune – darunter der Filmemacher Walter Steffen („Fahr ma obi am Wasser“) – war jeweils ein Platz auf einem der Holzgefährte reserviert. „Unterm Strich rund 180 Personen“, berichtete Gleißl.
Beinahe pünktlich legte das erste Floß mit der Nepomuk-Statue und der Wolfratshauser Stadtkapelle vom Ufer ab, gegen 21.15 Uhr passierte die Prozession den illuminierten Walsersteg. Knapp 20 Minuten später erreichten die mit Fackeln bestückten Fichtenholzgefährte die alte Floßlände im Herzen der Stadt.
Für die Sicherheit der Zaungäste sorgten neben der Polizei 15 Einsatzkräfte der Wolfratshauser Feuerwehr, die mit drei Booten auf der Loisach patrouillierte, sowie ein Quintett des BRK Wolfratshausen. Ein waches Auge auf die Kinder, die am Japanischen Garten selbst gebastelte Lichterflöße in die Loisach rutschen ließen, hatte die DRLG Schäftlarn-Wolfratshausen. Die Herausforderung bei der Floßprozession für die Ehrenamtlichen: „Falls etwas passiert: Es ist dunkel, und die Loisach hat nur knapp zehn Grad Wassertemperatur“, erklärte DRLG-Ortsvorsitzender Bernhard Link im Gespräch mit unserer Zeitung.
„Wolfratshausen liegt zwischen den beiden lebendigen Wassern Isar und Loisach“, sagte Stadtpfarrer Dekan Gerhard Beham in der Segensandacht an der alten Floßlände. „Fast täglich gehen wir an einem unserer Flussufer entlang. Und immer dann, wenn wir der Strömung des Wassers zuschauen, ist das auch ein Zeichen für unser Leben“, so Beham. „Alles ist im Flusse, alles fließt auf Gottes Meer der Ewigkeit zu.“ Bei der Floßprozession könne das sichtbare Wasser zu einem Zeichen werden „für die unsichtbare Wahrheit unseres Glaubens“. Beham: „Jesus Christus zieht uns heraus aus den Todeswassern dieser Welt und führt uns zur Auferstehung.“
„Der Mensch ist nicht allmächtig“
„Das Wasser ist ein Spiegelbild unseres Lebens“, ergänzte der evangelische Pfarrer Florian Gruber. „Es ist die Quelle unserer Kraft, ohne die wir nicht leben können.“ Der Mensch nutze Flüsse als Transportwege und zur Energiegewinnung. Doch die mitunter reißenden Gewässer würden dem Menschen auch seine Grenzen aufzeigen: „Das Wasser ist ein Symbol dafür, dass wir nicht allmächtig sind“, stellte Gruber fest. Wer überheblich werde und glaube, „alles ist machbar“, den erwarte dasselbe Schicksal, das den Jüngern Jesu’ laut Matthäus-Evangelium widerfuhr: „Wir geraten in Seenot.“ Gruber: „So wollen wir heute um Gottes Segen bitten, um Verantwortung und um Gelassenheit für uns, für die Flößerei, für alle Wasserwege, für alle Verkehrswege und zugleich für unser ganzes Leben.“
Beham, Gruber und die Ministranten begleiteten die Floßfahrer nach der Segnung auf ihrer Reise, die am unpassierbaren Kastenmühlwehr endete. Zum guten Schluss gegen 22.15 Uhr gab’s dann doch noch Blitz und Donner: Ein spektakuläres Brilliantfeuerwerk krönte die ganz besondere Johanni-Floßprozession 2017.
Rubriklistenbild: © Hans Lippert














