Konstituierende Sitzung

Jünger und weiblicher: Kochler Gemeinderat nimmt Arbeit auf

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„So wahr mir Gott helfe“: Bürgermeister Thomas Holz (mit Amtskette) vereidigte Veronika Atzinger als neue Dritte Bürgermeisterin von Kochel. Zum Vize-Bürgermeister wurde wieder Thomas Eberl (Mi.) gewählt.
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Jünger und weiblicher: Der Kochler Gemeinderat für die Wahlperiode 2020 bis 2026 hat sich in seiner Struktur merklich verändert. Bei der konstituierenden Sitzung wurden unter anderem die Bürgermeister-Stellvertreter gewählt – darunter erstmals eine Frau.

Kochel am See An das Wort „Bürgermeisterin“ muss sich Thomas Holz noch gewöhnen. Nachdem Veronika Atzinger vom Gremium mehrheitlich zur Dritten Bürgermeisterin gewählt worden war, stolperte der Gemeindechef zunächst noch ein bisschen über diese weibliche Anredeform. Die Macht der Gewohnheit eben. Immerhin ist die erst 28-jährige Volljuristin, die als Parteifreie auf der CSU-Liste kandidiert hatte, höchst wahrscheinlich die erste Frau auf diesem Posten. Zumindest seit 1970 ist kein weiblicher Bürgermeister-Stellvertreter in Kochel belegt, wie Recherchen der Verwaltung ergaben.

„Wir wollten ein Zeichen setzen“, sagt Bürgermeister Thomas Holz

Nachdem Thomas Eberl von der Unabhängige Wählergemeinschaft Kochel (UWK) einstimmig und ohne Gegenkandidaten zum Zweiten Bürgermeister gewählt worden war - ein Amt, das der 50-Jährige bereits die vergangenen sechs Jahre bekleidete – schlug das Gremium ausschließlich Frauen für den zweiten Stellvertreterposten vor. Neben Atzinger waren das Rosi Marksteiner (Mitte) und Bettina Sindlhauser (Freie Bürger Ried). Im ersten Wahlgang wurde dann Atzinger mit zehn von 17 gültigen Stimmen zur Dritten Bürgermeisterin gewählt. Sindlhauser erhielt vier und Marksteiner drei Stimmen.

„Wir wollten ein Zeichen setzen“, kommentierte Bürgermeister Holz gestern auf Nachfrage die ausschließlich weiblichen Kandidaten. Ein Zeichen an die Frauen in der Gemeinde, deren Bedürfnisse man ernst nehmen wolle. Und ein Zeichen an die Jugend von Kochel. Denn nicht nur Atzinger ist mit ihren 28-Jahren noch recht jung. Der gesamte Gemeinderat hat sich durch die Wahl deutlich verjüngt, wie Holz in seiner Begrüßungsrede betonte. Nicht nur, dass neun Gemeinderäte und damit über die Hälfte des Gremiums neu seien. Die Anzahl der Frauen habe sich mit vier verdoppelt, und das Durchschnittsalter der Räte sei von 57 Jahren deutlich auf 48 Jahre gesunken. „Diese Entwicklung ist wichtig“, betonte Holz. Denn der Gemeinderat solle soweit möglich einen Querschnitt der Bevölkerung widerspiegeln.

Wunsch nach einer konstruktiven Zusammenarbeit

Bevor er den Neuen in der „Truppe“ die Eidesformel abnahm, dankte Holz ihnen zunächst dafür, dass sie sich in den kommenden Jahren für ihre Gemeinde engagieren werden. Das Amt eines Gemeinderats könne ein sehr schönes, angenehmes und auch ehrenvolles Amt sein. Es sei aber auch sehr zeitintensiv, aufreibend und mitunter sogar sehr belastend. Zudem habe es deutschlandweit verstärkt Fälle gegeben, in denen Gemeinderäte persönlich beleidigt oder gar bedroht worden seien.

Was Kochel betrifft, wünschte sich Holz eine konstruktive Zusammenarbeit aller Fraktionen als „Team“. Denn die Themen und Entscheidungen, die in den nächsten Jahren getroffen werden müssten, seien auch ohne internen Zwist „wahrscheinlich schwer und belastend genug“.

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