Welche Bilder lässt der Begriff „Heimat“ vor dem geistigen Auge von Jugendlichen entstehen? Antworten liefert die Ausstellung „Young Art – Heimat“ im Tölzer Kunstsalon.
Bad Tölz – Wonach sehnen wir uns, wenn wir an die Heimat denken? Diese Frage hatte der Kunstverein Tölzer Land anlässlich seines 40-jährigen Bestehens an Kinder und Jugendliche gerichtet und war damit auf große Resonanz gestoßen. Entstanden ist die Ausstellung „Young Art – Heimat“ mit einer bunten Auswahl von Bildern und Fotocollagen, die Vereinsvorsitzende Sylvia van der Drift vor Kurzem im Tölzer Kunstsalon eröffnete.
Die Räumlichkeiten waren gut gefüllt – vor allen Dingen natürlich mit den jungen Künstlern und deren Eltern. Die jüngsten Teilnehmer waren Schüler der 4. Klasse der Jahn-Grundschule Bad Tölz, die speziell für die Vernissage zusätzlich zu ihren Bildbeiträgen noch ein paar flotte Einlagen eingeübt hatten. Zum Song „Wenn der Maibaum wieder am Dorfplatz steht“ etwa legte eine „Dance Group“, bestehend aus Mädchen verschiedener nationaler Herkunft, aber alle in bodenständigen Dirndlkleidern, eine rhythmische Performance aufs Parkett.
Und da war auch noch der „rasende Reporter“ unterwegs, der Genaueres über einige Präsentationsstücke wissen wollte. Die ebenfalls am Projekt beteiligten Akteure von der Tölzer Montessori-Schule und vom Max Rill-Gymnasium Reichersbeuern gehörten zur Altersstufe von der fünften Klasse aufwärts.
Stadträtin und Jugendreferentin Margot Kirste zeigte sich begeistert von der Idee des Kunstvereins, zu seinem 40. Geburtstag Jugendliche mit dem „sehr persönlichen“ Thema „Heimat“ künstlerisch aktiv werden zu lassen. „Ich hoffe, ihr hattet Spaß dabei und auch einen regen Austausch, was für jeden einzelnen von euch dieser Begriff bedeutet“, wandte sie sich an die Nachwuchs-Generation.
Als Jugendlicher will man häufig nur noch weg aus der Heimat
Dem Wort „Heimat“ komme in der heutigen Zeit angesichts der von vielfältigen Ursachen ausgelösten Flüchtlingsströme immer größere Bedeutung zu. Aber auch in einem „normalen“ Umfeld gebe es Phasen, in denen einem daheim „alles zu eng, zu kontrolliert erscheine. Da will man nur noch weg“, schilderte Kirste eigene Erfahrungen. „Und heute möchte ich nicht woanders leben.“ Es sei also spannend, „was ihr noch alles vor euch habt und wo dann Heimat für euch wird oder bleibt“.
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Was die Probanden aktuell mit „Heimat“ verbinden, vermittelte der Rundgang durch die Schau: farbenfrohe Landschaften mit Bergen und Seen, buntes Laub, Bäume, kreiert mit Bleistift, Buntstift, Tusche, Aquarell- oder Acrylfarben auf Papier oder auch auf Leinwand, mal in einfacherer, mal in beachtlich fachmännischer
Ausführung.
„Heimat ist, wo meine Bücher sind“
Es kommen aber auch andere Herzensbindungen zum Ausdruck: „Home is where my books are“ – also: „Heimat ist, wo meine Bücher sind“ – steht unter einer mit Pastellkreide angefertigten Zeichnung, die ein großes aufgeschlagenes Buch zeigt. Oder ein mit hervorragenden Schattierungen dargestelltes Bett mit Kissen und großer Decke und dem Titel „Wo ich mich bette, dort bin ich.“
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Weit weg von hier liegen dagegen „Kanada, die ferne Heimat“ oder „Heimat Qingdao“, wie zwei Acrylbilder benannt sind. Ein besonderer Blickfang in der Schau und auserwähltes Symbol für Heimatliebe ist ein großes, aus Pappmaché geformtes Herz, das mit so ziemlich allem bemalt und drapiert ist, was Tölz ausmacht: Da ist zum Beispiel die Jahnschule zu sehen, Wasser zum Baden und Schlittschuhfahren, Berge mit Mountainbikern und Skifahrern, der Kalvarienberg mit einem Leonhardiwagen und noch vieles mehr.
Große Freude herrschte bei „Machern“ und Betrachtern – Heimat ist eben Herzenssache. (Rosi Bauer)