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Im Hinterhalt in Gelting stellte der Münchner Kabarettist Christian Springer sein Buch „Ich und der Russe“ vor. Er provoziert mit einigen Thesen.
Gelting – Seit Anfang November ist sein Buch „Ich und der Russe“ erhältlich. Das Interesse an den 176-seitigen Aufzeichnungen des Münchner Kabarettisten Christian Springer war auch bei einer Sonntagsmatinee in der Kulturbühne Hinterhalt groß.
Kabarettist Christian Springer fordert klares Bekenntnis zur Ukraine: „Mehr Feuer im Hintern“
Vor voll besetzten Tischen erklärte der 57-Jährige zunächst, warum er mit provozierenden Thesen Stellung bezieht. „Ich erlaube mir auch, empört zu sein. Nicht zuletzt waren meine Hilfslieferungen nach Syrien schon vor Jahren das Ziel Putinscher Bomben. Sie haben Rettungsfahrzeuge vernichtet und die Helfer vernichtet“, berichtete Springer. Mit dem aktuellen Krieg in der Ukraine erlebt der Gründer des humanitären Vereins Orienthelfer ein Déjà-vu. „Dieses Buch soll ein Appell sein für das Recht der Ukrainerinnen und Ukrainer auf Verteidigung“, wünscht sich Springer. Im Gegensatz zu einigen anderen Künstlern befürwortet er Waffenlieferungen.
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Dankenswerterweise geriet die etwa einstündige Lesung nicht ausschließlich zu einer verbitterten Abrechnung mit dem Regime in Russland. Erinnerungen an die Gesänge des „falschen Russen“ Ivan Rebroff, Fußballländerspiele zwischen Deutschland und der UdSSR sowie platte Russenwitze lockerten das Programm auf. Zwischendurch sang die Allgäuer Sopranistin Andrea Jörg beeindruckende Lieder wie „Ombra mai fu“ aus der von Georg Friedrich Händel komponierten Oper „Xerxes“. Dass sie dabei ihre wallende blonde Mähne unter einer russischen Pelzmütze verbarg, war der ausdrückliche Wunsch von Christian Springer.
Springer diskutiert mit Friedensaktivisten
Bevor Andrea Jörg abschließend die Coverversion des Carole-King-Klassikers „You’ve got a Friend“ anstimmte, prangerte der Buchautor die zögerliche Haltung vieler deutscher Politiker und Intellektueller an. „Wir haben Angst vor einem kalten Popo, aber wir brauchen mehr Feuer im Hintern“, forderte Springer. Nach seinem Auftritt stellte er sich der Diskussion mit Pazifisten wie dem Wolfratshauser Friedensaktivisten Hans Gärtner. Die zweifellos notwendige Debatte wurde jedoch nicht auf der Bühne, sondern im privaten Rahmen an den hinteren Tischen ausgetragen.
Der Erlös der Buchlesung, die auch auf dem YouTube-Kanal der Kulturbühne abrufbar ist, kommt den Opfern des Ukraine-Kriegs zugute. PETER HERRMANN