- VonPeter Herrmannschließen
Der durch das Nockherberg-Singspiel als Markus Söder-Darsteller bekannte Schauspieler Stephan Zinner war mit seinem aktuellen Programm „Raritäten“ im Geltinger Hinterhalt. Die Vorpremiere kam gut an.
Gelting – Ob in der Rolle als bayerischer Ministerpräsident Markus Söder beim Nockherberg-Singspiel oder als Schauspieler in unzähligen Fernsehserien und Spielfilmen – das Gesicht des 1974 in Trostberg geborenen Kabarettisten Stephan Zinner dürfte wohl jeder schon einmal gesehen haben. Dass er mit seinen witzigen Alltagsbeobachtungen und Musikstücken auch (fast) alleine einen ganzen Abend gestalten kann, wurde am Donnerstagabend bei der Vorpremiere seines aktuellen Programms „Raritäten“ deutlich.
Begleitet von dem Münchner Musiker Peter Pichler, der am Rand der Bühne gelegentlich Schlagzeug und Akkordeon spielte, griff Zinner schon nach wenigen Minuten in die Saiten seiner E-Gitarre, um seine Erlebnisse mit dem Sprachcomputer „Alexa“ musikalisch zu untermalen. „I red ned mit a bledn Dosen“, heißt es im Refrain. Nicht weniger amüsant sind seine Erinnerungen an einen Fußballfernsehabend mit einem Amphibienbesitzer, der ihn aufforderte, an einem südamerikanischen Pfeilgiftfrosch zu lecken. Schon eine kleine Zungen-Berührung würde „echt high“ machen.
Seine musikalische Vielseitigkeit bewies Zinner mit dem gegen Rechtspopulismus gerichteten Song „Wir reiten nach rechts“ oder einem entfesselten Rap über die von engagierten Müttern gegründete „WhatsApp-Gruppe Sternenschnuppe“. Dabei knöpfte sich Zinner sein Hemd auf und ging am Ende des Songs auf die Knie.
Nach etwa einer Dreiviertelstunde gönnte er sich und dem Geltinger Publikum eine kurze Pause, um im zweiten Programmteil noch mehr Experimente zu wagen. So bereitete der in München lebende Vater von drei Kindern auf einer mitgebrachten Herdplatte einen sogenannten „Leberkas-Saigon“ zu und bot die angebrateten Stückchen den Hinterhalt-Besuchern an. „Eine solche Verköstigung hat’s in der Kabarettgeschichte noch nie gegeben“, behauptete Zinner selbstbewusst.
Kurz vor den Zugaben konnte der Kabarettist dann doch nicht widerstehen, die Markus-Söder-Perücke auf sein kahlköpfiges Haupt zu setzen. Wer nun dachte, es würde eine lange Parodie auf den bayerischen Ministerpräsidenten folgen, sah sich getäuscht. Mit einem lauten Heavy-Metal-Stromgitarrengewitter verabschiedete sich Zinner von den Besuchern in der fast ausverkauften Kulturbühne. ph
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