VonMagnus Reitingerschließen
45 Jahre lang war das Kammerorchester Weilheim ein reines Streichorchester. Dass nun auch Bläser aufgenommen werden, ist eine kleine Revolution, die ganz neue Möglichkeiten schafft. Und auch sonst ist einiges in Bewegung.
Weilheim – Die vergangenen drei Jahre waren für das Weilheimer Kammerorchester genauso schwierig wie für alle anderen Kulturschaffenden auch. Doch die Pandemie samt staatlich verordneter Zwangspausen konnte diesen Klangkörper nicht schwächen. Im Gegenteil: Den erschwerten Bedingungen zum Trotz, entwickelte das 1977 gegründete Orchester neuen Schwung. Just Anfang 2021 trat Florian Appel als neuer musikalischer Leiter an – und leitete gemeinsam mit dem Vorstand eine konzeptionelle Neuausrichtung ein. Einige der Ideen wurden dem Publikum bereits in sehr erfolgreichen Frühjahrs- und Herbstkonzerten präsentiert. So öffnet das Kammerorchester seine Auftritte seither für alle Interessierten, unabhängig von deren finanzieller Situation: Die Konzerte finden mit freiem Eintritt und der Bitte um Spenden statt.
„Musikalisch ganz neue Möglichkeiten“
„Bisher ging das Konzept auf“, freut sich der stellvertretende Vorsitzende Arthur Wilm. Wesentlich dazu beigetragen habe die Tatsache, dass Appel „auch im Bereich Bläser auf eine neue Ausrichtung setzt“. Bis dato gehörten dem Kammerorchester ausschließlich Streicher an; erst in den Generalproben und Konzerten wurde das Ensemble jeweils durch bezahlte, meist professionelle Blasinstrumentalisten verstärkt. Seit kurzem können aber auch Bläser Orchestermitglieder sein und die wöchentlichen Proben besuchen. „Das bietet musikalisch ganz neue Möglichkeiten im Zusammenspiel“, so Wilm.
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Die Neuausrichtung wurde nun auch von der Mitgliederversammlung offiziell bestätigt. Beim Nachholtermin für die coronabedingt entfallenen Versammlungen 2020 und 2021 wählten die Mitglieder dieser Tage im „Wirtshaus zum Gögerl“ eine neue Vorstandschaft. Und auch diese bildet nun die Öffnung ab: Erstmals in der Geschichte des Orchesters, das organisatorisch der städtischen Musikschule Weilheim angegliedert ist, wurde mit Judith Gottwald (Oboe) eine Bläserin in den erweiterten Vorstand gewählt. „Mit dieser Wahl soll die Wichtigkeit der Neuausrichtung für die Zukunft dokumentiert werden“, erklärt Wilm. Gottwald war im Sommer als erste „Nichtstreicherin“ als Mitglied aufgenommen worden.
Jede Instrumentengruppe ist jetzt im Vorstand vertreten
Die bisherigen vertretungsberechtigten Vorstandsmitglieder Susanne Molzberger (Konzertmeisterin) als Vorsitzende und Arthur Wilm (Violine) als ihr Stellvertreter wurden bei den Neuwahlen in ihren Ämtern bestätigt. Da zwei bisherige Aktive aus persönlichen Gründen nicht mehr für Vorstandsposten zur Verfügung standen, waren im Vorfeld neue Interessenten gesucht und gefunden worden. Als weitere Vorstandsmitglieder stellten sich die Bratschistin Julia Schmid (Kassiererin) und Anne-Sophie Flade-Becker (Kontrabass) erfolgreich zur Wahl. Neue Kassenprüferin wurde Marita Münch (Geige). Mit dem neuen Team, das bis Ende 2024 amtiert, ist nun jede Instrumentengruppe des Orchesters im Vorstand vertreten – einschließlich der Bläser, die den Verein ab sofort bereichern sollen.
Herbstkonzert ist heuer ein Adventskonzert - mit besonderen Gästen
„Mit frischem Elan und vielen neuen Ideen“, so Wilm, „geht es jetzt erst mal an die Vorbereitung des diesjährigen Herbstkonzertes“. Dieses wird am Sonntag, 27. November, im Zeichen des ersten Advents stehen – inclusive besonderer Gäste: Musiker der Stadtkapelle Weilheim um ihren Leiter Anian Schwab werden die Konzerte diesmal bereichern. Beginn ist um 17 und um 19 Uhr in der großen Hochlandhalle, und zwar wieder mit freiem Eintritt.
Wer mitspielen möchte:
Das Kammerorchester Weilheim ist offen für fortgeschrittene Bläser und Streicher. Interessierte melden sich per Mail an mitspielen@kammerorchester-weilheim.de. Geprobt wird dienstags von 19.45 bis 21.30 Uhr im Saal der Musikschule. Weitere Informationen: www.kammerorchester-weilheim.de.
