Die Regensburger CSU zeigt sich geschlossen wie lange nicht. Astrid Freudenstein wird mit 73 von 78 Stimmen zur OB-Kandidatin gewählt.
Regensburg - Im Regensburger Herzogssaal dröhnt „Jump“ von Van Halen aus den Lautsprechern. Die Anwesenden stehen zum dritten oder vierten Mal auf, klatschen im Takt, rufen „Astrid, Astrid“. Auf der Leinwand läuft eine Diashow mit Bildern von Astrid Freudenstein, die sich vor Gratulationen kaum retten kann. Die Stimmung erinnert an eine ausgelassene Geburtstagsfeier.
Doch es ist die Nominierungsversammlung der CSURegensburg, so geschlossen und harmonisch wie seit Jahren nicht mehr. Ein Jahr und einen Tag vor der möglichen Stichwahl schicken die Delegierten Freudenstein mit 73 von 78 Stimmen ins Rennen um das Amt der Oberbürgermeisterin.
CSU nominiert OB-Kandidatin: eine Bürgermeisterin „mit Herzblut“
Die Veranstaltung dauert keine zwei Stunden. CSU-Chef Michael Lehner, der Freudenstein vorschlägt, nennt sie „energisch, tatkräftig, engagiert“ und eine Bürgermeisterin „mit Herzblut“. Gegenkandidaten gibt es keine.
In ihrer halbstündigen Bewerbungsrede unter dem Motto „Regensburg kann mehr“ liefert Freudenstein alles, was die Delegierten mitreißt: Fröhlichkeit, Optimismus, Emotionen, Zahlen, Fakten und erste Einblicke ins Wahlprogramm. Sie spricht die Seele der Partei an, greift die Stimmung geschickt auf und bleibt dabei konkret.
Ausgelassene Stimmung bei der CSU: Applaus und La Ola-Welle
Die CSU? Eine „Volkspartei“, die alle Gesellschafts- und Altersgruppen vereint: „Junge, Alte, Zugereiste.“ Freudenstein bedankt sich bei CSU-Chef Lehner, lobt ihn überschwänglich. „Vergelt’s Gott.“ Im Saal starten Ansätze einer La-Ola-Welle.
Das Profil der Partei? „Macher. Wir sind keine Resolutionsschreiber. “ Sie selbst? Vom Land, aus Niederbayern. „Ich hab immer gern gearbeitet.“ Studium, BR, Uni, Bundestag – dort habe sie „sich gerechnet“: Fünf Millionen Euro Fördergelder habe sie nach Regensburg geholt. „Und 1.500 Kontakte habe ich noch im Telefon.“ Seit 30 Jahren glücklich verheiratet, sagt sie, und „der liebe Gott hat uns einen wunderbaren Sohn geschenkt.“
OB-Kandidatin Freudenstein sorgt für Begeisterung bei Delegierten
Die politische Konkurrenz, allen voran Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und die SPD, erwähnt Freudenstein nicht. Doch aus dem, was sie und die CSU anders machen wollen, lassen sich die Defizite ablesen, die sie der aktuellen Stadtspitze zuschreibt.
Regensburg, mit 225 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen und der „besterhaltensten und schönsten Altstadt Deutschlands“, brauche „mehr Dynamik, mehr Entscheidungen, mehr Kommunikation, mehr Bürgernähe, mehr Machen“.
Themen für den Wahlkampf: Kaufhof, Bahnhof, Wohnungsbau
Ihre Pläne? „Die Ost-West-Sperre am Bahnhof muss weg.“ Applaus. Den Kaufhof? Kaufen. „Die Chancen sehen, nicht die Risiken. “ In die Busse? Kameras. „Wir müssen die Opfer schützen, nicht die Täter. “ Die Sallerner Regenbrücke? Bauen!
Und Wohnungen? „Günstiger und von der Stange.“ Modulbauweise, wie beim Chancenhaus in Kumpfmühl. Leerstände? „Nutzbar machen.“ Das habe sie beim Hochhaus im Stadtosten bewiesen. Wo jetzt noch Notunterkünfte stehen, will sie Reihenhäuser schaffen. „Damit der Stadtnorden heilen kann.“
OB-Kandidatin Freudenstein will Wirtschaftsbeirat
Mit der Wirtschaft will sie wieder persönlich sprechen. Ein Wirtschaftsbeirat soll her, wie es schon „Beiräte für alles Mögliche“ gibt. Das interkommunale Gewerbegebiet mit Wenzenbach? „So schnell wie möglich umsetzen. “
In der Kultur will sie das Velodrom „zweckmäßig“ sanieren, keine Luxussanierung. Im Sport will sie „mehr Bewegungsflächen“ für die Jugend schaffen. Als zuständige Referentin habe sie bereits viel erreicht.
Umweltschutz? „Wir schützen alles, was der liebe Gott uns gegeben hat. “ Ihr Vater habe ihr beigebracht, für jeden gefällten Baum einen neuen zu pflanzen. „Aber Regensburg allein rettet nicht die Welt. Alles braucht Maß und Mitte.“ Wieder Applaus.
Verwaltung soll wieder mehr selber machen
Die Verwaltung? „Um 40 Prozent gewachsen in den letzten zehn Jahren.“ Doch statt Personalabbau, wie es die CSU oft fordert, sagt Freudenstein: „Ich stehe total auf Verwaltungen.“ Dort arbeiteten überwiegend sehr gute Leute. Sparen will sie bei den „Abermillionen, die wir an Agenturen in aller Welt vergeben“. Selber machen sei das Gebot der Stunde.
Freudenstein schließt mit einem Appell: „Wir werden stolpern, wir werden wieder aufstehen, und wenn wir zusammenhalten, gewinnen wir diese Wahl.“ Sie bittet um Unterstützung, wünscht alles Gute und „den Segen vom lieben Gott“.
Standing Ovations folgen. „Astrid“-Rufe. Der Wahlgang wird zur Formsache. Als das Ergebnis verkündet wird, fallen sich die Anwesenden in die Arme.
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Nach CSU-Nominierung: Grüne reagieren „mit Kopfschütteln“
Am nächsten Tag reagieren die Grünen mit einer Pressemitteilung: „Kopfschütteln“ über Freudensteins Nominierung. Die CSU habe destruktiv und ohne Weitblick agiert. Freudenstein schmücke sich mit fremden Federn, ihre eigenen Projekte kämen nur schleppend voran. Beim Thema Kaufhof setze sie auf „plumpe Stimmungsmache statt Sachpolitik“.
Doch allein damit werden die Grünen weder der CSU noch Freudenstein gefährlich. Und die SPD, deren Fraktion und Oberbürgermeisterin im Stadtrat teils unterschiedlich abstimmen, wird sich weit mehr einfallen lassen müssen, um bei der Wahl eine Chance zu haben.