Was Einwohner erwartet

Katastrophenfall in Bayern ausgerufen: Wie der Schutz vor Hochwasser funktioniert

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Viele Landkreise in Bayern bereiten sich angesichts des bevorstehenden Dauerregens auf das Schlimmste vor. Doch wie funktioniert der Katastrophenschutz?

München – Seit Freitag ziehen Dauerregen und Gewitter über große Teile Bayerns hinweg. Vielerorts gelten seit Längerem Warnungen vor teils schwerem Unwetter, Feuerwehren mahnen zur Vorsicht und bereiten sich auf mögliche Einsätze vor. „Die seit Tagen angekündigte Unwetterlage für weite Bereiche Süddeutschlands ist nun südlich der Donau bereits im Gange und breitet sich in der Folge weiter nach Norden aus“, meldete der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Abend. Ein erster Landkreis hat am Freitag vorsorglich den Katastrophenfall ausgerufen: Günzburg.

Erste bayerische Gemeinde ruft wegen Dauerregen Katastrophenfall aus – was bedeutet das?

Ein Katastrophenfall ist in Deutschland grundsätzlich gegeben, wenn „es ein Schadensereignis gibt, das die Lebensgrundlage oder die Gesundheit einer Vielzahl von Menschen gefährdet“ definiert Markus Bensmann, Bereichsleiter der Notfallvorsorge bei den Maltesern, den Begriff auf der Website der Organisation. Oft ist das der Fall bei Naturkatastrophen, zum Beispiel bei Waldbränden oder wie im aktuellen Fall bei Hochwasser. Der Deutsche Wetterdienst (DWW) hatte frühzeitig gewarnt, dass durch die zu erwarteten massiven Überflutungen und hohen Pegelstände, unpassierbaren oder von Wassermassen eingeschlossenen Gebiete „große Gefahr für Leib und Leben“ in Teilen Bayerns bestehe. 

Einsatzkräfte der Feuerwehr und von dem Technisches Hilfswerk (THW) befüllen Sandsäcke in Thannhausen, Bayern.

Der Katastrophenfall wird dabei nicht vom Bund, sondern von den betroffenen Gemeinden ausgerufen, also sprich von den zuständigen Landräten oder Bürgermeistern. Das Ziel des Katastrophenfalls ist es demnach, dass alle handelnden Akteure für die Katastrophe, wie zum Beispiel Institutionen, Feuerwehr und Polizei unter einer Leitung gebündelt werden – dem Krisenstab.

Katastrophenfall und Katastrophenschutz – so funktioniert der Schutz gegen Hochwasser

In der betroffenen Gemeinde wird im Anschluss der Katastrophenschutz aktiv, um die bestehende Gefahr bestmöglich abzuwehren. Auch hier hat der Bund zunächst keine unmittelbaren Zuständigkeiten. „Bei Naturkatastrophen und besonders schweren Unglücksfällen können die Länder allerdings nach Artikel 35 Grundgesetz unter anderem zusätzlich Polizeikräfte anderer Länder, Kräfte und Einrichtungen anderer Verwaltungen, wie z. B. das Technische Hilfswerk (THW), die Bundespolizei oder die Streitkräfte zur Hilfe anfordern“, informiert das Innenministerium auf seiner Website.

Katastrophenschutz

Für den Katastrophenschutz kann je nach Art der Katastrophe (Schweres Unglück, Naturkatastrophe) die Zusammenarbeit von folgenden Akteuren von Bedeutung sein: Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Deutsches Rotes Kreuz, Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft und weitere Einrichtungen der Städte und Gemeinden.

Günzburg ruft Katastrophenfall aus: Zahlreiche Maßnahmen gegen mögliches Hochwasser ergriffen

Angesichts der schweren Unwetter, die in Bayern bevorstehen, hat am Freitag, 31. Mai, der Landkreis Günzburg bereits vorsorglich den Katastrophenfall ausgerufen. „Wir wollen die Zeit, die wir jetzt noch haben, bis das Hochwasser den Landkreis Günzburg erreicht, optimal nutzen“, begründete Landrat Hans Reichhart (CSU) die Entscheidung. Um mögliche Schäden und Gefahren einzudämmen, kündigte der Landkreis an, Einsatzkräfte aus ganz Günzburg anzufordern. In einem ersten Schritt sei geplant gewesen, die Camping- und Freizeitplätze an Günz, Kammel und Mindel zu evakuieren. Zudem habe man am Freitag zusätzliche 15.000 Sandsäcke befüllen lassen.

In der dazugehörigen Stadt Leipheim war bereits zuvor das Donau-Wasserwerk sicherheitshalber abgeschaltet worden. Vorübergehend erfolgt laut Bürgermeister Christian Konrad die Wasserversorgung über ein anderes Kraftwerk. Allerdings sollten sich die Bürger vorbereiten und Mineralwasser besorgen – die Trinkwasserversorgung könne in Leipheim in den kommenden Tagen zeitweise ganz abgeschaltet werden. (nz/dpa)

Rubriklistenbild: © Marius Bulling/dpa

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