- VonAnna Liebeltschließen
Bei seinem Auftritt am Keferloher Montag hat sich Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vom Wirbel um seinen Vize Hubert Aiwanger nichts mehr anmerken lassen – und in den Wahlkampfmodus geschaltet.
Keferloh – Vom Wirbel der vergangenen Tage war gestern nichts mehr zu spüren. Im Festzelt von Keferloh, da ist die Welt in Ordnung. Das gilt nicht nur für Hubert Aiwanger, sondern auch für Ministerpräsident Markus Söder, für den schon einen Tag nach der Entscheidung, an seinem Stellvertreter festzuhalten, die Sache erledigt zu sein scheint.
Wie schon tags zuvor beim Auftritt des Freien Wähler-Chefs, ist auch gestern die Stimmung ausgelassen, als Markus Söder am Keferloher Montag in einer Kutsche bis zum Eingang des Festzelts vorgefahren wird. Schnell wird der Ministerpräsident von zahlreichen Menschen umringt, die winken ihm zu, rufen: „Super, Markus!“ Der wiederum zeigt sich kontaktfreudig, gibt allen die Hand, grüßt und ratscht. Von der Krise, in der Bayern am Sonntag noch zu stecken schien, lässt er sich nichts mehr anmerken. Gut gelaunt spaziert er durch das Bierzelt.
In jedem bayerischen Dorf steckt mehr Verstand als in allen Berliner Regierungsbezirken.
Auch für seine Parteikollegen gehört die Flugblatt-Affäre bereits der Vergangenheit an. „Die Entscheidung gehört sicher zu den schwierigsten, die er in seiner jetzigen Amtszeit getroffen hat – aber es war die richtige“, erklärt Maximilian Böltl, Landtagskandidat der CSU im Stimmkreis München-Land Nord, auf Nachfrage des Münchener Merkur. „Es ist jetzt wichtig, dass wir wieder zurück zur Sache kommen.“
Das Stichwort für Markus Söder, der, kaum auf der Bühne angekommen, schon gegen die Bundesregierung pfeffert. „In jedem bayerischen Dorf steckt mehr Verstand als in allen Berliner Regierungsbezirken“, beginnt er seine Rede, während das Publikum amüsiert lacht. Auszusetzen hat der Ministerpräsident viel. Vom „schlechten Krisenmanagement“ der Ampel bei der Corona-Pandemie und dem Ukraine-Krieg angefangen über die Energie- und Klimapolitik bis hin zur Gender-Debatte.
„Bayerisches Geld ist besser in Bayern aufgehoben“
Wie sein Vize Hubert Aiwanger, lässt Söder kaum einen Themenbereich unkommentiert. Er bemängelt die „Grünen-Doppelmoral“ beim Atomausstieg, positioniert sich gegen die geplante Legalisierung von Cannabis und lehnt die Erbschaftssteuer genauso wie den Länderfinanzausgleich ab. „Bayerisches Geld ist besser in Bayern aufgehoben“, betont er. Dahingegen spielt der Grenzschutz für Söder eine wichtige Rolle, wie auch die Förderung der Landwirtschaft und des Mittelstandes durch Entbürokratisierung und Steuersenkungen auf Grundnahrungsmittel. Klare Worte findet Söder auch beim Gebäudeenergiegesetz: „Die CSU lehnt das Heizgesetz ab. 2025 werden wir es wieder abschaffen, wir brauchen eine neue Regierung ohne Ampel.“ Großer Jubel im vollen Bierzelt.
Für Zuspruch sorgt aber nicht nur Söders Kritik am Bund. Der Ministerpräsident stellt sich gegen eine mögliche Koalition mit den Grünen nach der Landtagswahl. „Mit mir wird es keine Grünen in der Regierung geben“, verspricht er und erntet tosenden Beifall. Zum Ende seiner Rede eröffnet Söder den Besuchern daher drei Optionen für den Herbst: eine Ampelregierung, wie bereits in Berlin der Fall – „da würde ich aber am Verstand der Wähler zweifeln“. Eine durch Protestwähler verursachte Regierung mit der AfD, die für Söder jedoch keinesfalls in Frage komme. Oder eben die bewährte, bürgerliche Koalition mit CSU und Freien Wählern.
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