Spende statt Böller

Kein Feuerwerk mehr an Silvester? - Immer mehr verzichten auf die Ballerei

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„Mal gucken, wie’s läuft“: Der Handel darf ab Freitag Raketen und Böller verkaufen.
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Feuerwerk ist  Tradition – aber auch eine Belastung der Natur. Immer mehr Menschen verzichten freiwillig aufs Böllern. Einige Kommunen rufen sogar zum Feuerwerksverzicht auf.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Silvester ohne Feuerwerk? In Kreuth (Landkreis Miesbach) wird das heuer Realität. Im Internet ruft die Gemeinde ihre Bürger dazu auf, ganz auf Feuerwerk zu verzichten. Um Natur und Tierwelt vor Feinstaub und Lärm zu schützen, wird es in Kreuth stattdessen ein Dorffest mit Lasershow geben. Eine veränderte, kritische Sicht ist auch im Landkreis spürbar. In Tölz versucht die Tourist-Info, durch ein zentrales Feuerwerk das Ballern und Raketenschießen durch Privatpersonen zu reduzieren (wir berichteten).

Ob das zentrale Feuerwerk die einzelnen Bürger wirklich vom Zündeln abhält, vermag Pyrotechniker Thomas Dähring nicht vorauszusagen. Der 42-Jährige aus Bad Windsheim plant und bereitet das zentrale Feuerwerk in Bad Tölz im Auftrag der Stadt vor. „Möglicherweise werden in Zukunft die Anfragen von Kommunen nach zentralen Feuerwerken steigen“, sagt Dähring. Viele Leute treiben seiner Meinung nach zu viel Unfug mit Raketen und Böllern. Andererseits sei das Feuerwerk eben schon immer Tradition gewesen.

Eineinhalb Tage plante und montierte Dähring das Feuerwerk, das am Tölzer Isarkai in diesem Jahr steigen wird. „Bis dann an Silvester alles steht und verkabelt ist, dauert es weitere drei Stunden“, sagt Dähring. Nach der elektrischen Zündung werde es dann ein zehn- bis zwölfminütiges Spektakel geben. „Das wird mit Sicherheit eine tolle Show mit vielen abwechslungsreichen und effektvollen Wechseln“, kündigt der Pyro-Profi an.

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Eine ganz andere Strategie, um privates Feuerwerk zu reduzieren, fährt die Gemeinde Lenggries. Bürgermeister Werner Weindl ruft dort zu „Spende statt Böller“ auf. Ein Feuerwerk sei laut Weindl „nach rund 15 Minuten vorbei“. Nichts davon bleibe übrig, „außer Abfall“. Mit einer Spende an eine der drei gemeindlichen Stiftungen „kann man nachhaltig innerhalb von Lenggries helfen“, so Weindl.

Auch der Kochler Bürgermeister Thomas Holz mahnt in einer Pressemitteilung zur Vernunft am Silvesterabend. Er schlägt vor, lieber an örtliche Vereine oder die Tafel zu spenden als zu böllern. Wer an Silvester Feuerwerk zündet, sei zudem dazu verpflichtet, den entstandenen Müll zu entsorgen.

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Die Spendenaufrufe findet die Lenggrieserin Christine Wendler gut. „Da steh’ ich voll dahinter“, sagt die Vorsitzende des Vereins Isarwinkler Tierfreunde. Von Böllern und Raketen ist sie überhaupt nicht begeistert. Für Wild- und Haustiere sei der Jahreswechsel schlimm. „Auf keinen Fall sollte man die Tiere an diesem Abend sich selbst überlassen“, mahnt Wendler. Hund und Katze bräuchten zwischen Raketen und Böllern menschliche Nähe. Die Tierschützerin empfiehlt: „Sprechen sie mit Ihrem Tier.“ Für besonders sensible Haustiere gebe es in Apotheken Bachblütentropfen ohne Alkohol.

Und was sagt der Einzelhandel? Am Freitag, 28. Dezember, startet in den Läden der Feuerwerksverkauf. Auch beim Tölzer Edeka März. Marktleiterin Helga Schmidt: „Ich weiß nicht, wie es in diesem Jahr laufen wird. Es wird ja viel für Umwelt-Rücksichtnahme geworben“, so Schmidt. Markus Städele, Angestellter beim Hagebaumarkt in Bad Tölz glaubt dennoch: „Der Trend liegt weiter bei den Feuerwerks-Batterien.“ Der 22-Jährige berichtet, dass es in seiner Abteilung in diesem Jahr ein neues Jugendfeuerwerk gebe. „Wir haben Bengalos eingeführt, mal gucken, wie die so laufen.“

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