VonChristiane Mühlbauerschließen
Auf der beliebten Motorrad-Strecke am Kesselberg ereigneten sich 2019 weniger Unfälle als im Vorjahr. Die Polizei will den Kontrolldruck dennoch beibehalten.
Kochel am See – 16 Verkehrsunfälle ereigneten sich im vergangenen Jahr am Kesselberg, berichtet der Kochler Polizeichef Steffen Wiedemann. 2018 waren es 20 Unfälle, einer davon sogar mit tödlichem Ausgang. Todesopfer gab es 2019 nicht zu beklagen, wohl aber 13 Verletzte. Aber auch hier gibt es eine gute Nachricht: „Keine der Personen befand sich in einem lebensbedrohlichen Zustand“, sagt Wiedemann. 2018 verzeichnete man 18 Verletzte. In nahezu allen Fällen verursachten Motorradfahrer die Unfälle, berichtet Wiedemann.
Der Kochler Polizeichef führt die gesunkenen Unfallzahlen auf den hohen Überwachungsdruck seitens der Kontrollgruppe Motorrad zurück und auch darauf, dass man den Kesselberg in den vergangenen Jahren durch bauliche Maßnahmen weniger gefährlich gemacht habe, etwa durch Unterfahrschutz an den Leitplanken und durch die Leitschwellen als Fahrbahnteiler. Beides halte einen Großteil der Motorradfahrer von waghalsigen Manövern ab, sagt Wiedemann. Die Präsenz der Polizei, oft auch in Zivil, habe zudem einen Abschreckungseffekt.
Hohes Verkehrsaufkommen hat Unfallzahlen am Kesselberg reduziert
Schaut man sich die Unfallzahlen am Kesselberg an, muss man auch das Wetter betrachten. „Der Sommer 2019 war sehr gut, als der kalte Mai endlich überwunden war“, sagt Wiedemann. In den dann folgenden Monaten fuhren häufig sehr viele Touristen von Kochel kommend Richtung Walchensee. „Man muss auch mal sagen, dass das hohe Verkehrsaufkommen die Zahl der Motorradunfälle verringert“, sagt Wiedemann. Denn durch die zahlreichen Autos und Wohnmobile, die sich über den Kesselberg schlängeln, würden die Motorradraser ausgebremst.
Behörden wollen gemeinsam über künftige Strategie am Kesselberg beraten
Im Staatlichen Bauamt in Weilheim wird man in Kürze die Unfallstellen genau untersuchen, um detailliert zu sehen, wie sinnvoll die Leitschwellen sind oder nicht, sagt Martin Herda, zuständiger Abteilungsleiter für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Dann werde man sich – vermutlich im März – mit Vertretern von Polizei, Landratsamt und Gemeinde zusammensetzen, um die Situation am unfallträchtigen Kesselberg detailliert zu besprechen und um sich zu überlegen, wie man dort weiter verfahren will. Herda führt die gesunkenen Unfallzahlen auch darauf zurück, dass der Kesselberg bis Ende Juni halbseitig gesperrt war und eine Ampel den Verkehr regelte. „Das hat Motorradfahrer abgeschreckt.“
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Die Polizei will die Kontrolldichte aufrechterhalten, kündigt Roman Gold, der Leiter der Kontrollgruppe Motorrad mit Sitz in Holzkirchen, an. Mit 16 Unfällen und ohne Todesopfer liege der Kesselberg unter dem oberbayernweiten Durchschnitt. 2019 ereigneten sich 21 tödliche Motorradunfälle, 2018 waren es 16 Todesopfer.
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Ähnlich wie Wiedemann ist auch Gold überzeugt, dass sich die Maßnahmen von Polizei und Staatlichem Bauamt bewährt haben. „Der Kesselberg wird bei Motorradfahrern immer beliebt sein“, sagt Gold.
Update vom 14. Mai: Ein Linienbusfahrer schildert in einem Brandbrief lebensgefährliche Situationen von diesem Wochenende durch Motorradfahrer am Kesselberg. Die Polizei schiebt es zum Teil auf die Corona-Lockerungen.
