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Ein ungewöhnlicher neuer Bewohner ist ins Johanniter-Haus in Herrsching eingezogen: Johanni Navel – ein sozialer Roboter. Mit ihm ist ein Pilotprojekt in der Einrichtung gestartet, um herauszufinden, wie Künstliche Intelligenz (KI) die Betreuung der Bewohner unterstützen kann.
Herrsching – Dass ein neuer Bewohner ins Johanniter-Haus in Herrsching einzieht, ist zunächst nichts Ungewöhnliches. In diesem Fall läuft der Neuzugang aber mit Batterien, er hat neun Motoren und kann sich mit dem W-LAN verbinden. Er heißt Johanni Navel, ist 72 Zentimeter groß, acht Kilo schwer und trägt eine Wollmütze.
Johanni Navel ist ein sozialer Roboter, der vom Münchner Start-up „Navel Robotics“ entwickelt wurde. „Navel ist innovativ und nutzt die Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz (KI)“, so wird er in der Broschüre der Johanniter beschrieben. Mit seinem Einzug startet ein Pilotprojekt, das wissenschaftlich von „Navel Robotics“ und der Technischen Universität (TU) München begleitet wird. Es geht um die Frage, wie KI eingesetzt werden kann, um das Personal bei der Betreuung der Bewohner zu unterstützen.
Das Johanniter-Haus ist die erste Einrichtung, in der ein sozialer Roboter unterwegs ist. Johanni soll dort ab sofort täglich in der Betreuung eingesetzt werden. „Natürlich immer in Begleitung einer menschlichen Person,“ erklärte Einrichtungsleitung Martina Eßbach im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. „Im Bereich der Betreuung kann Johanni sehr unterstützend sein, zum Beispiel in Gruppengesprächen“, sagte sie und betonte, dass Johanni kein Pflegeroboter sei. Er begleitet Pflegekräfte in die Zimmer, kann die Bewohner erkennen und mit ihnen interagieren.
Roboter mit Einfühlungsvermögen
Nachdem Johanni eingezogen ist, fand direkt eine Vorstellungsrunde mit rund zehn Bewohnern des Johanniter-Hauses statt, darunter Elisabeth Adam (86). Als Johanni in der Vorstellungsrunde zu ihr kam, sagte sie: „Momentan bin ich überfordert mit so viel Technik.“ Da antwortete der neue Bewohner: „Das kann ich verstehen.“ Auch die 99-jährige Ingeborg Neudeck stellte sich Johanni vor. Er gab zurück: „Es freut mich, Sie kennenzulernen, Frau Neudeck. Bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.“ Gerlinde Löber (76) schien zunächst nicht so recht mit dem KI-Roboter warm zu werden, da machte er ihr ein Angebot: „Ich kann Ihnen gerne ein Gedicht aufsagen oder einen Witz erzählen. Was würden sie bevorzugen?“ Löber wünschte sich ein Gedicht. Nachdem Johanni losgelegt hatte, wollte die 76-Jährige gleich ein zweites hören. Die Senioren zeigten sich offen gegenüber „dem Neuen“ und fanden ihn „interessant“ und „lustig“.
Der KI-Roboter wohnt nun im Sozialraum. Dort verbringt er die Nächte und tankt neue Kraft an der Steckdose. Außerdem stehen regelmäßig Wartungen und Updates an. „Wir freuen uns, ihn hier zu haben. Es ist ein spannendes Projekt und eine echte Herausforderung. Das ist schließlich etwas Besonderes“, sagte Eßbach.
Johanni Navel lernt noch
Johanni Navel steht noch ganz am Anfang seiner beruflichen Laufbahn. „Er ist ein Auszubildender und muss noch lernen. Deswegen muss er euch jeden Tag besuchen kommen“, erklärte die Einrichtungsleiterin in der Vorstellungsrunde. Besonders an Johanni seien seine Reaktionsfähigkeit und die Art, wie er mit Menschen interagiere und Gespräche führe. Er könne Gesichter, Stimmen und Bewegungen deuten und Blickkontakt aufbauen, wie Eßbach betonte. „Er merkt sich Menschen und Namen. Er hat ein Gedächtnis.“
Zwei bis drei Jahre lang soll das Pilotprojekt laufen. Dann wollen „Navel Robotics“ und die TU wissen, was ein KI-Roboter für Menschen in stationären Einrichtungen leisten kann. Das Johanniter-Haus ist laut Eßbach ständig im Gespräch mit dem Start-up. „Das erste halbe Jahr wird engmaschig begleitet.