VonMagnus Reitingerschließen
Premiere für ein neues Indie-Projekt, das von Weilheim aus die Pop-Welt erobern will: Der Schlagzeuger Severin Rauch (37) und der Saxofonist/Komponist Joscha Arnold (36) geben mit ihrer Band „Kid Empress“ demnächst erste Konzerte in der Region – und präsentieren ein verheißungsvolles Debüt-Album.
Weilheim - Gemeinsam mit Anna Gosteli und Baf Scheipers, die sie beim Jazz-Studium in Basel kennenlernten, verbinden die beiden Weilheimer Severin Rauch und Joscha Arnold in dieser Band „Breakbeat mit Rock, Industrial mit Pop, Drum and Bass mit Britpop und Electro mit Hang zu skandinavischer Klarheit“.Wo sie hinwollen mit „Kid Empress“, das erzählen Rauch und Arnold im Interview.
Vier Jazzer machen Indie-Pop – wäre das eine passende Beschreibung für „Kid Empress“?
Rauch: Von der Ausbildung her passt das, aber wir sind nicht so 100 Prozent Jazzer wie andere akademisch ausgebildete Instrumentalisten. Wir hatten schon in der Schulzeit Rockbands und Indieprojekte. Aber das kann man nicht studieren...
Arnold: Wir haben auch alle schon eine gewisse musikalische Reise hinter uns. Anna hatte eine recht erfolgreiche Popband in der Schweiz, Baf produziert auch HipHop-Projekte in Berlin. Bei „Kid Empress“ bringen wir jetzt alles, was wir bisher gemacht haben und was wir selber gerne hören, zusammen. Da wird nichts ausgeklammert.
Was ist an dieser Band anders als an allen bisherigen Projekten von Joscha Arnold und Severin Rauch?
Arnold: Zum Beispiel, dass wir multi-instrumental spielen.
Rauch: Und es ist längerfristig gedacht, mit konkreten Zielen und konkretem Arbeitsaufwand. Das ist nicht mehr nur „Schau’n wir mal“, sondern wir sind richtig dahinter, dass da was passiert.
Man spürt eine unglaubliche Entschiedenheit hinter „Kid Empress“ – musikalisch, aber auch vom Artwork und von der medialen Begleitung her. Wie kommt’s?
Rauch: Indie und Pop sind eine ganz andere Welt als Jazz. Da braucht man ordentliche Fotos und eine ordentliche Homepage, und zwar für diese eine Band. Weil das Ganze ein sehr zeitaufwendiges Unterfangen ist, will man auch ein gutes Artwork haben und dass alles zusammenpasst.
Arnold: Das Ganze ist auch durch Unterstützung von Freunden sehr organisch gewachsen. Es ist schön, dass da so ein Netzwerk entstanden ist, das man nutzen kann –und dass die Impulse nicht von außen kommen. So ist „Kid Empress“ genau das, was wir machen wollen und was uns selber gefällt.
Wo soll’s hingehen mit dieser Band?
Rauch: Das klingt jetzt cheesy, aber es soll schon auch auf die großen Bühnen der Welt gehen...
Arnold: Man kann ja „Welt“ vielleicht noch ausklammern, aber wir stellen uns schon vor, auf Festivals zu spielen und von Leuten entdeckt zu werden, die offene Ohren mitbringen. Wir wollen auf jeden Fall spielen, und zwar in dieser Besetzung – anders als beim Jazz, wo die Mitspieler manchmal austauschbar sind. Bei „Kid Empress“ ist das ein ganz anderer Bandgedanke.
Weilheim, Berlin, Basel – wie funktioniert mit so unterschiedlichen Lebensmittelpunkten eigentlich die Probenarbeit und das Bandleben?
Rauch: Wir beide sind Weilheim-München, und wir organisieren von hier aus alles, so gut es geht. Dann gibt es immer wieder Treffen und Proben in Berlin, in Basel, in Weilheim. Es ist eigentlich ganz gut, dass man so verschiedene Orte zur Verfügung hat.
Wenn Sie Ihre Bandkollegen Anna Gosteli und Baf Scheipers mit jeweils einem Satz charakterisieren müssten, wie klänge das?
Arnold: Der Baf bringt Ruhe mit, er ist oft wie so ein Moderator, und er hat die Gesamtübersicht. Er hat sowohl das technische, als auch das musikalische Know-How, um die verschiedenen Vorstellungen umzusetzen.
Rauch: Die Anna bringt unglaublich viel Erfahrung mit durch ihre Zeit bei der Band „The bianca Story“, und sie hat ein gutes Gespür fürs Feintuning. Und durch ihre Stimme transportiert sie sehr viel vom Gefühl der Songs.
Arnold: Wir machen alle interessante Sachen, aber die Stimme ist von den natürlichen Gegebenheiten her doch sehr im Mittelpunkt, sie gibt die Bedeutung.
Dass alle Mitglieder akademisch ausgebildet sind – ist das für ein Pop-Projekt hilfreich, oder macht es eher alles komplizierter?
Arnold: Beides. Es beschleunigt viele Prozesse, wo es darum geht, herauszufinden, was es musikalisch braucht oder wo etwas nicht stimmt. Wir haben unsere Instrumente im Griff und können darüber auch kommunizieren. Kompliziert kann’s vielleicht werden, wenn man selber ganz genaue Vorstellungen von etwas hat und andere Sichtweisen nicht so zulässt. Man muss da einfach offen sein.
„Kid Empress“ will „Slow Listening“ als Kunstform etablieren, steht in der Bandinfo. Was darf man sich darunter vorstellen?
Rauch: Die Songs sind nicht nur slow, aber es ist Musik, die man öfter hören und in der man immer wieder was entdecken kann. Das gefällt uns selber auch bei Stücken von anderen gut, wenn wir sie hundert mal anhören können und doch immer wieder was Neues hören.
Arnold: Dafür nehmen wir uns gerne Zeit, deshalb die Bezeichnung „slow“. Man muss keine Angst haben vor unseren Songs, aber man muss eintauchen. Wer sich ein bisschen Zeit dafür nimmt, der wird belohnt.
Wie viel Platz ist bei Ihnen neben „Kid Empress“ noch für andere Projekte?
Rauch: Immer weniger. Man nimmt weniger andere Aufträge an, lässt ein paar Anfragen liegen, weil diese Band doch wahnsinnig viel Zeit braucht. Und das geht ja jetzt erst richtig los.
Album & Konzerte von „Kid Empress“
Nach bislang sechs Singles, veröffentlicht auf allen gängigen Online-Portalen, erscheint am 17. Februar beim Label Frische Luft Music das Debüt-Album „Spit Out Light“ – zunächst digital, später auch als Vinyl. Für Letzteres läuft ein Crowdfunding mit Vorbestellung. Die ersten Konzerte von „Kid Empress“ sind am Freitag, 3. Februar, 20.30 Uhr, in der Westtorhalle Murnau/Riedhausen (Info/Karten: www.westtor.de) und am Samstag, 4. Februar, 20 Uhr, im Milla Club in München (milla-club.reservix.de).
