VonLia Stoikeschließen
Der Kinderwunsch ist da, aber nicht der richtige Partner? Da muss eine Lösung her. Mittlerweile gibt es für private Samenspende einen Markt auf Facebook, aber der birgt ein Risiko.
München – Kein Traumpartner an der Seite, aber die innere Uhr tickt: So geht es vielen Frauen, auch in München. Doch eine künstliche Befruchtung bringt hohe Kosten mit sich. Bis zu 3500 Euro kann eine künstliche Befruchtung kosten, so kinderwunschaerztin.de. Um Geld zu sparen, suchen sich unzählige über soziale Medien einen Samenspender. Auch in München gibt es Frauen, die sich für diesen Weg entscheiden, aber auch genügend Männer, die ihren Samen als private Spende bereitstellen. Das birgt ein großes Risiko.
Samenspende: Gefährlicher Facebook-Markt?
„39 Jahre, männlich, bietet Samenspende in München“, lautet die Kurzfassung einer Anzeige, die ein Münchner auf Facebook geschaltet hat. Er ist nur einer von vielen Menschen, die in diversen Gruppen Angebote oder Gesuche nach Samenspenden verfassen. Immer dabei: detaillierte Angaben zu Aussehen, Gewicht, Charakter, Gesundheitszustand oder Beruf. Teilweise mit Fotos aus verschiedenen Blickwinkeln und das in aller Öffentlichkeit. Einfach, schnell, mit direktem Austausch – eine private Samenspende scheint viele Vorteile mitzubringen, oder?
Samenspende in München: Antworten auf die wichtigsten Fragen
Wie läuft eine Samenspende ab? Nachdem sich der potenzielle Spender umfassend informiert hat, gibt er eine Probespende ab. Hier wird die Qualität der Spermien untersucht. Die Qualitätsstandards bei professionellen Samenbanken sind außerordentlich hoch. Nur jeder siebte Bewerber kommt infrage. Eine zweite Spende soll die Tauglichkeit der „kleinen Schwimmer“ beweisen. Handelt es sich um geeignetes Erbgut, wird der Spender zu einem Gespräch eingeladen. Hier wird der Spender umfänglich über seine Rechte, Pflichten und die Spende aufgeklärt. Anschließend wird ein Vertrag unterzeichnet. Es sind 10 bis 15 Spendetermine notwendig. Nach sechs Monaten erfolgt eine Blutuntersuchung zum Ausschluss einer Infektion. Erst dann darf die Spende benutzt werden.
Wer kann Samenspender werden? Spender müssen zwischen 20 und 45 Jahren und gesund sein. Sie dürfen unter anderem keine Drogen konsumieren, keine Alkohol- oder Nikotinsucht haben, keine Medikamente einnehmen und auch die erbliche Vorbelastung ist entscheidend. Sind schwere Allergien, Rheuma oder psychische Erkrankungen in der Familie vertreten, eignet sich der Mann nicht als Spender. Auch ein gepflegtes Aussehen spielt eine Rolle.
Was bekommt man für eine Samenspende? Spender erhalten eine Aufwandsentschädigung. Beispielsweise für die Anfahrt, aber auch für die Spende selbst. Pro Spende gibt es 80 Euro.
(Quelle: Cryobank München der Viavit)
Tatsächlich gibt es einige Risiken, wie aus dem Expertenportal beratung.de hervorgeht. Vor allem ist die mangelnde Anonymität bei der Spende eine große Hürde: Der Spender könnte sich in die Familie einmischen, finanzielle oder narzisstische Absichten haben oder schlichtweg ein Betrüger sein. Zudem gibt es auch rechtliche Probleme. „Bei der privaten Samenspende gibt es keine Verpflichtungen“, heißt es. Das gelte sowohl für Spender als auch für die Empfängerin. „Alles ist möglich, nichts muss“, lautet das Motto einer privaten Spende. Zwar sei es positiv, dass der biologische Vater sein Kind kennenlernen könne.
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Eventuelle schriftliche Vereinbarungen seien allerdings nicht rechtskräftig, auch, wenn es um etwaige Unterhaltszahlungen und eine entsprechende Klage geht. Auch gesundheitliche Risiken bestehen, da die Samen nicht auf ihre Qualität geprüft werden. Zudem gebe es keinen Schutz vor unsittlichen Angeboten. Als aufgrund der Corona-Pandemie in Großbritannien der Online-Schwarzmarkt für private Samenspenden boomte, kam es auch häufig zu Situationen, in denen Frauen bedrängt, belästigt oder sexuelle genötigt wurden, wie stern.de berichtet. Bei professionellen Spenden gibt es entsprechenden Schutz. Einen entsprechenden Hinweis gibt eine Münchner Samenbank auf seiner Website. „Für alle Behandlungen ist eine Vaterschaftsfeststellung durch ein aus Samenspende gezeugtes Kind nicht mehr möglich, sprich ausgeschlossen.“ So will es das Gesetz.
Zudem gibt es einen Behandlungsvertrag, indem sich die Empfänger der Spende unter anderem verpflichten, die Kinder wie ihre eigenen aufzuziehen. Sowohl der Spender, als auch die Empfänger verzichten auf alle Informationen der Gegenseite. „Allein das durch Samenspende gezeugte Kind hat einen Anspruch auf Kenntnis seiner genetischen Abstammung.“ Dass professionelle Samenspenden nicht immer eine 100-prozentige Sicherheit garantieren, zeigte kürzlich ein dramatischer Fall aus den Niederlanden. Ein Mann soll durch zwanghafte Samenspende rund 500 Kinder gezeugt haben. Ein Einzelfall, der Ängste schürt. Da hilft nur umfassende Aufklärung.
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