VonFranziska Seligerschließen
Erst die Corona-Pandemie, dann die steigenden Lebenshaltungskosten im Zuge des Ukraine-Kriegs und dazu Konkurrenz durch Netflix und Co: Viele Kinos stehen vor einer unsicheren Zukunft. Auch das Kino P in Penzberg?
Penzberg – Erst kürzlich wurde das Penzberger Kino P von der bayerischen Digitalministerin Judith Gerlach für sein herausragendes Programm ausgezeichnet. Das Kino der beiden Betreiber Claudia und Markus Wenzl erhält regelmäßig derartige Prämien – die immer auch einen willkommenen finanziellen Zuschuss bedeutet. „Die Prämien sind bitternötig, nachdem die Besucherzahlen nach Lockdown und Corona um ein Drittel zurückgegangen sind“, sagt Markus Wenzl. Das Geld fließe direkt in den laufenden Betrieb.
Etwa 30 000 Besucher pro Jahr seien im Penzberger Kino „das Soll“, das es zu erreichen gelte, erläutert Wenzl. 2019 seien es sogar rund 36 000 Besucher gewesen. Doch im Zuge der Pandemie sei diese Zahl stark zurückgegangen. Auch deshalb, weil die Kinos in den vergangenen beiden Jahren mitunter über Monate schließen mussten. Im Anschluss war nur eine begrenzte Zahl Besucher in den Sälen erlaubt, um Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Derzeit, sagt Wenzl kämen hochgerechnet nur rund 23 000 Menschen pro Jahr ins Kino. „Wenn es gut geht“, so Wenzl. „Das ist zu wenig, um die Kosten reinzubringen.“
Rund 30 Prozent weniger Besucher als vor der Pandemie
Doch dieser Besucherrückgang von rund 30 Prozent betreffe alle Kinos, sagt Wenzl. Viele Besucher – darunter auch viele einstige Stamm-Cineasten – seien nach der pandemiebedingten Schließung nicht mehr in die Kinos zurückgekehrt. Gründe dafür gäbe es verschiedene.
Gerade manch ältere Besucher hätten nach wie vor Angst, wieder ins Kino zu gehen und sich dort vielleicht mit dem Virus zu infizieren. Andere hätten sich über die Lockdown-Monate vom Kino „entwöhnt“. Und wieder andere würden im Zuge des „Überangebots an Kultur“ nach den Lockdowns schlichtweg zu anderen, lange vermissten kulturellen Angeboten gehen; etwa zu Konzerten oder Theateraufführungen.
Zusätzlich zu den gesunkenen Besucherzahlen bereiten vielen Kinos die steigenden Energiekosten Sorgen. Wie die sich auswirken werden, sei derzeit noch völlig offen, so Wenzl. Generell, so der Kinobetreiber, „können wir jetzt noch nicht absehen, wie das nächste Jahr läuft.“
Im Winter ist mehr Andrang
Und trotzdem: „Ans Aufhören denke ich eigentlich nicht.“ In den vergangenen drei Jahren habe sein Kino finanzielle Unterstützung etwa durch die staatlichen Überbrückungshilfen erhalten. Die letzte dieser Hilfen sei jetzt der letzte verbliebene „Notgroschen“. Dank ihm, so Wenzl, „können wir schon noch eine Zeit lang weiter machen.“ Wie lange? Bei den derzeitigen Besucherzahlen vielleicht ein halbes Jahr. Genau weiß er es nicht. Außerdem würde er eigentlich mit seinem Kino gerne wieder auf eigenen Beinen stehen – so wie früher einmal. Doch dazu müsste die Zahl der Besucher wieder steigen.
Doch stimmt die These, die kürzlich in einem Artikel bei „Zeit online“ aufgestellt wurde, dann könnte die Zukunft kleiner Programmkinos wie das KinoP eines ist, auch deshalb düster aussehen, weil es für diese kleinen Lichtspielhäuser immer schwieriger werden könnte, auf einem immer flexibler werdenden Kino und Film-Markt mithalten zu können. Wenzl blickt vorerst aber hoffnungsvoll in die Zukunft. Denn jetzt ist erst einmal Winter. Und im Winter, sagt er, kämen erfahrungsgemäß wieder mehr Besucher ins Kino.
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