Konflikt zwischen SUP-Fahrern und Badegästen

Ist Stand-Up-Paddeln am Kirchsee bald verboten?

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Beliebt bei Stehpaddlern: der Kirchsee in Sachsenkam. Bei dieser Trendsportart aus Hawaii steht der Sportler aufrecht auf einem schwimmfähigen Board und bewegt sich mit Hilfe eines Stechpaddels fort.

Für den einen ein Vergnügen, für den anderen lästig: Am Kirchsee kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen Badegästen und SUP-Fahrern. Die Gemeinde überlegt, einzugreifen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Auf einem Board über kristallklares Wasser gleiten und nebenbei auch noch etwas Gutes für den Körper tun: Das ist der Sinn von Stand-Up-Paddeln (SUP). Auf dem Kirchsee in Sachsenkam könnte die trendige Wassersportart aus Hawaii aber bald verboten werden. Der Gemeinderat befasst sich in seiner Sitzung am morgigen Donnerstag ab 19.30 Uhr mit genau diesem Thema. In anderen Landkreis-Gemeinden setzen die Verantwortlichen dagegen noch auf ein friedliches Miteinander.

Bereits für Stehpaddler verboten ist das Strandbad am Staffelsee im Nachbarlandkreis Garmisch-Partenkirchen. Es war zu massiven Auseinandersetzungen zwischen Schwimmern und Paddlern gekommen. Auch Sachsenkams Bürgermeister Johann Schneil hat in den vergangenen Wochen vermehrt Beschwerden über die Wassersportler auf dem Kirchsee erhalten. Die meisten Konflikte fänden aber an Land statt. Die Boards sind ungefähr drei Meter lang und nehmen entsprechend viel Platz von den ohnehin schon knappen Liegemöglichkeiten am Ufer weg. Schwimmer und Sonnenanbeter fühlen sich eingeengt oder finden keinen Platz mehr für ihr Handtuch – und beschweren sich bei der Gemeinde Sachsenkam. „Zuerst sah ich kein Problem mit den Stand-Up-Paddlern“, sagt Schneil. „Aber viele Leute kommen deshalb gar nicht mehr, weswegen uns die Parkgebühren entfallen, die wir zum Unterhalt des Sees benötigen.“ Auf dem Wasser fühlten sich Schwimmer von den Paddeln mitunter sogar bedroht. Sobald ein Entschluss gefasst ist, soll das Verbot Schneil zufolge möglichst schnell in Kraft treten, damit die finanziellen Einbußen im Rahmen bleiben.

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SUP-Fahren am Kirchsee: Andere Gemeinden sehen keine Probleme

Von Verboten hält Daniel Weickel nichts. Der Tourismusleiter der Gemeinde Kochel am See bemüht sich lieber um eine Zusammenarbeit mit den SUP-Anbietern am Kochel- und Walchensee. Gemeinsam werden Kurse wie zum Beispiel „SUP-Yoga“ auf den Seen angeboten. „Geführte Kurse sind eine großartige Chance, die Teilnehmer für spätere Alleingänge richtig zu schulen, damit die Seen ohne Konflikte genutzt werden können.“ Die Schilfbereiche, in denen zahlreiche Vögel ihre Nester haben, sollten beispielsweise tabu sein. Das gelte auch für den Einflussbereich des Kraftwerkes am Kochelsee.

Lenggrieser Bürgermeister: Auf der Isar ist SUP-Fahren gefährlich

Auch der Lenggrieser Bürgermeister Werner Weindl sieht bis jetzt noch kein großes Problem im Stand-Up-Paddeln auf dem Sylvensteinsee oder auf der Isar. Den Wildfluss mit einem solchen Board zu befahren, empfiehlt Weindl jedoch nicht, da dies sehr gefährlich werden könne. Der Rathauschefkönnte sich vorstellen, dass in der Bootsverordnung der Isar auch Stand-Up-Paddel-Boards miteinbezogen werden. Wie berichtet haben die Tölzer mit dem Landratsamt München eine Verträglichkeitsstudie in Auftrag gegeben, um herausfinden, was der Isar an Booten zugemutet werden kann. Liegen die Ergebnisse vor, wird entschieden, ob auch für Stand-Up-Paddel-Boards eine Beschränkung eingeführt werden soll.

Martin Held, Besitzer der Firma „Alride“, die SUP Touren auf der Isar anbietet, weiß, dass diese nicht gerne gesehen werden. „Viele Naturschützer sind der Meinung, dass wir die Vögel noch mehr stören als die Bootsfahrer.“ Das liege daran, dass ein Stehpaddler schneller von den brütenden Vögeln als Mensch und somit als Gefahr erkannt werde als ein Kanufahrer. Bei den geführten Touren würden aber alle Teilnehmer gut eingewiesen. Außerdem achteten die SUP-Trainer stets darauf, dass keine Gefahr von unvorsichtigen Stehpaddlern ausgehe. Das sei laut Held aber sowieso nicht der Fall. (Theresa Pfund)

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Auch andernorts kam es am Badesee zu Konflikten. Am Walchensee wurde ein Streit sogar handgreiflich. In Lenggries wurde dagegen ein Holzarbeiter schwer verletzt, als ihn ein Baumstamm am Kopf traf.

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