VonGerti Reichlschließen
Ein Bauernhof aus dem 16. oder 17. Jahrhundert wird seit drei Jahren zur einzigartigen Luxusimmobilie umgebaut. Die Schutzgemeinschaft Tegernsee hat Klage gegen die Baugenehmigung eingereicht. Nun steht die Entscheidung an.
Gmund am Tegernsee – Zwischen Ostin und Hausham auf der Eck entsteht seit 2022 eine Immobilie der absoluten Luxusklasse. Die Schutzgemeinschaft Tegernsee (SGT) hat Klage gegen die Baugenehmigung eingereicht. Am Dienstag (11. März) nimmt sich das Verwaltungsgericht der Sache an.
Der frühere Bauernhof „Weber in der Wies“ aus dem 16. oder 17. Jahrhundert, der mit seinem Wohnteil unter Denkmalschutz steht und der dem Porträtmaler Paul Mathias Padua (1903- 1981) ebenso gehört hat wie der Hirmer Immobilien GmbH & Co. KG, sucht als „Farmestate Tegernsee“ einen neuen Besitzer. Die Prime Properties Gruppe aus Kitzbühel lässt den Hof zum Top-Anwesen mit unter anderem sieben Schlaf- und sechs Badezimmern umbauen. 1266 Quadratmeter Wohnfläche stehen künftig zur Verfügung, dazu ein Grundstück mit 40.000 Quadratmetern. Die First Kitzbühel Immobilien GmbH vermakelt das Objekt, für das der Preis nur auf Anfrage genannt wird.
SGT-Vorsitzende spricht von „Skandal“
Ein Mitglied der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) wurde Anfang 2024 bei einem Spaziergang erst so richtig auf die Mega-Baustelle aufmerksam und trat damit eine Welle der Empörung los. SGT-Vorsitzende Angela Brogsitter-Finck spricht von einem „Skandal“ und einem „erschreckenden Präzedenzfall“. Sie zeigt sich empört, dass, „um einen alten denkmalgeschützten Bauernhof zu ‚erhalten‘, eine Verfälschung seiner historischen Struktur, seiner Einzigartigkeit, seines Charakters, seiner Geschichte und seiner umgebenden Natur durch einen auswärtigen reichen Investor hingenommen und genehmigt wird“.
Obwohl die erste Baugenehmigung bereits im Oktober 2021 vom Landratsamt Miesbach erteilt wurde, ergriff die SGT erst später rechtliche Schritte. Am Dienstag, 11. März, steht nun eine Verhandlung am Bayerischen Verwaltungsgericht München an. Im Sitzungssaal 112 wird um 11 Uhr in einer öffentlichen Sitzung mit Julian Eibl als Einzelrichter die Klage der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal gegen den Freistaat Bayern wegen der Baugenehmigung mit Bescheid vom 8. Oktober 2021 verhandelt. Beigeladen sind die Prime Properties 18 GmbH & Co.KG sowie die Gemeinde Gmund.
Ob die Klage Erfolg haben wird, ist angesichts des bereits fortgeschrittenen Baus offen. „Wir wollen dennoch ein Zeichen setzen, dass so etwas nie mehr passieren darf“, betont die SGT-Vorsitzende im Vorfeld des Gerichtstermins.
