Holzkirchen - Im zweiten Anlauf sorgten die Holzkirchner Wähler für klare Verhältnisse: 71,55 Prozent entschieden sich für Olaf von Löwis (CSU) als neuen Bürgermeister.
Josef Höß gab den Entertainer. Der scheidende Amtsinhaber verkündete am Sonntag kurz vor 19 Uhr der gespannt wartenden Menge im Rathaus-Foyer die Zahlen der Stimmberechtigten (12 385), der Wähler (6345) und die Wahlbeteiligung (51,23 Prozent). „Danke, ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.“ Der Schelm genoss die Lacher, die erste Spannung löste sich. Dann las er die Zahlen vor, die Olaf von Löwis, den Favoriten, erlösten: 4452 Wähler gaben ihm ihre Stimme, Birgit Eibl erhielt 1770 Stimmen.
Rhythmisches Klatschen setzte ein. Der 59-jährige Wahlsieger umarmte den CSU-Kreisvorsitzenden Alexander Radwan, dann seine Frau Sibylle. Der Druck fiel ab, Tränen liefen dem neuen Bürgermeister übers Gesicht. Dritte Gratulantin war Birgit Eibl (44), die bei der Bekanntgabe der Löwis-Zahlen bereits mitgeklatscht hatte. Höß ließ es sich nicht nehmen, seinem Nachfolger eine kleine Schrecksekunde zu verpassen. „Die Wahl ist ungültig“, raunte er ihm zu, um dann breit grinsend zu ergänzen, „wenn Du nicht unterschreibst.“
Olaf von Löwis wirkte wie von großer Last befreit. Das deutliche Ergebnis, über 70 Prozent, „ganz ehrlich, das ist mehr als ich mir erträumt hatte“. Ganz unerwartet kommt es freilich nicht: Die schon vor zwei Wochen ausgeschiedenen Kandidaten Elisabeth Dasch (SPD) und Robert Wiechmann (Grüne) hatten ihren Wählern den Kandidaten Löwis empfohlen. Ihre 2250 Stimmen waren bei der Stichwahl neu zu vergeben. Am Samstag auf dem Marktplatz etwa hatten Schwarz und Grün brüderlich nebeneinander füreinander getrommelt. Die Holzkirchner Grünen für einen schwarzen Bürgermeister, die Holzkirchner Schwarzen für einen grünen Landrat.
„Die famose Unterstützung von SPD und Grünen sehe ich als Steilvorlage“, sagte von Löwis, „diesen Stil des Miteinanders will ich pflegen, auch wenn man bei Sachthemen anderer Meinung ist.“ Die persönlichen Attacken eines FWG-Wahlflyers, der auf die Nähe zum krisengebeutelten Landrat Jakob Kreidl abzielte (wir berichteten), haben Wirkungstreffer hinterlassen. „Schade, dass sich einige Freie Wähler nicht an einen fairen Wahlkampf gehalten haben.“
Birgit Eibl glaubt nicht, dass ihr der umstrittene Flyer geschadet hat. „Die Empfehlungen der anderen Kandidaten wären auch so gekommen.“ Schon seit sechs Jahren sei im Gemeinderat eine Einheit gegen die FWG spürbar gewesen. Mit ihrem Ergebnis ist sie zufrieden, sie machte einen aufgeräumten Eindruck. „Bei meinen Gesprächen mit Bürgern habe ich viele Ideen gesammelt, die ich in den neuen Gemeinderat einbringen will.“ Was die Arbeit des neuen Bürgermeisters betreffe, „so hoffe ich, dass er ein Bürgermeister ohne viel Rücksicht auf sein Parteibuch wird“.
Den Wahltag gestern hatten beiden Kandidaten im Garten verbracht. Eibl jätete und pflanzte. „Jetzt schaut’s da wieder gut aus.“ Der künftige Rathauschef hatte 30 Freunde zum Grillen eingeladen. „Ich habe nachmittags nichts runtergebracht.“ Doch die Nacht werde jetzt vermutlich lang. „Ich habe mir ,open end’ verordnet.“ Bevor es zurück zu den Bratwürsteln im heimischen Garten ging, spielte ihm die Hartpenninger Blasmusik vor dem Rathaus einige
Begrüßungsständchen - darunter den bayerischen Defiliermarsch - und kredenzte Bier. Nicht ohne Hintergedanken, wie einige Plakate verrieten. Die Initiative „Hartpenning muckt auf“ baut auf den neuen Bürgermeister, um eine Westumfahrung von Großhartpenning zu verhindern.
Olaf von Löwis war gestern abend aber noch damit beschäftigt, Ballast abzuwerfen. „Der Wahlkampf ist mir an die Substanz gegangen“, gestand er, „ich habe Gewicht verloren, schlecht geschlafen, aber auch gelernt, wie es ist, mit Druck umzugehen.“
Von Andreas Höger


