Auf fast neun Hektar

Klares Ja zu großem Solarfeld in der Lichtenau

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Wo von der Staatsstraße Richtung Wessobrunn (gelb markiert) die Reichenbergstraße abzweigt (Bildmitte), plant die „Volllast GmbH“ ein großes Solarfeld.
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Grünes Licht für das nächste Solarfeld: Die Stadt Weilheim will Freiflächen-Photovoltaik auf einem fast neun Hektar großen Areal in der Lichtenau ermöglichen. Es wäre die bislang größte Anlage dieser Art auf Weilheimer Flur.

Weilheim – Die Entscheidung war sehr klar in der jüngsten Stadtratssitzung, die Diskussion dennoch munter und durchaus kontrovers. Fast einstimmig wurde beschlossen, an der Abzweigung der Reichenbergstraße von der Staatsstraße Weilheim-Wessobrunn eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage zuzulassen, die mit einer Spitzenleistung von fast 8000 Kilowatt Strom für rund 2500 Haushalte erzeugen soll. Das Grundstück dafür ist knapp neun Hektar groß – was Stadtratsmitglied Romana Asam, selbst Landwirtin, eindeutig zu viel ist. Vor einigen Wochen erst habe man, nur 1200 Meter entfernt, 3,5 Hektar für ein Solarfeld freigegeben, sagte die FW-Vertreterin, „jetzt sind wir dabei, weitere 8,9 Hektar für die nächsten 20 Jahre der Landwirtschaft zu entnehmen: Man muss sich diese Flächen vorstellen.“

Mittlerweile würden die Preise, die für Solarnutzung zu erzielen sind, „als Richtschnur genommen und die Landwirte vor Ort haben keine Möglichkeit mehr, Flächen zu pachten“, mahnte Asam – und stimmte als Einzige gegen das Projekt: „Wir müssen uns überlegen, ob wir überall PV-Anlagen wollen oder eine Landwirtschaft, die Flächen pflegt.“

Photovoltaik und Schafhaltung

Rupert Pentenrieder (BfW), der Stadtratsreferent für Landwirtschaft, hielt dagegen: Flächen mit Solarmodulen seien „nicht verloren für die Landwirtschaft“, man dürfe das „nicht gegeneinander ausspielen“. Freiflächen-Photovoltaik, kombiniert mit Schafhaltung, sei „sicher eine kleine Einschränkung, aber immer noch vertretbar“. Für unrealistisch hält Pentenrieder in der Region hingegen so genannte Agro-PV, wie sie die ÖDP anregt: Solche aufgeständerten Anlagen, die eine echte landwirtschaftliche Bodennutzung zulassen, bedeuteten viel Handarbeit – „das geht hier nicht, das ist eher in Obstanbaugebieten möglich“.

Investor des geplanten Solarfelds östlich der Reichenbergstraße ist die in Schwabsoien ansässige Volllast GmbH, die in Weilheim bereits eine (deutlich kleinere) Freiflächen-Anlage an der Bahnlinie bei Unterhausen betreibt. Für das neue Projekt in der Lichtenau sei „ein langfristiger Pachtvertrag mit dem Grundstückseigentümer vorhanden“, hieß es im Stadtrat. Bei den meisten Stadtratsmitgliedern rennt das Unternehmen mit dem Vorhaben offene Türen ein. „Wir kommen ohne solche Projekte nicht zu den erwünschten Ergebnissen in Sachen Energiewende“, sagte Grünen-Sprecher Manuel Neulinger – wenngleich diese „auch ihre Nachteile haben“, wie er hinzufügte.

Bei den Eigentumsverhältnissen stößt man an Grenzen

„Gut und richtig“ nannte Neulinger die Anregung des Stadtbauamtes, im Flächennutzungsplan grundsätzlich Vorrangflächen für Solarfelder zu definieren, „um nicht einen willkürlichen Flickenteppich im Außenbereich zu erhalten“ (wir berichteten). Im Zuge der Erstellung eines Energienutzungsplans für die Stadt Weilheim wolle die „Energiewende Oberland“ ohnehin ein örtliches Solarkataster empfehlen, erklärte Bauverwaltungsleiter Manfred Stork im Stadtrat; dafür sei demnächst eine Besprechung mit Fachbehörden und Bauernvertretern geplant. Bezüglich der Eigentumsverhältnisse stoße man mit solchen grundsätzlichen Überlegungen freilich an Grenzen, räumte Stork ein.

„Es nutzt nichts, Vorrangflächen auszuweisen“, zeigte sich Pentenrieder skeptisch, „das kann man nur im Dialog mit den Besitzern machen“. Für Klaus Gast (CSU) dauert es zudem „zu lang, bis man ein Kataster erstellt“. Selbstverständlich müsse man „auf eine gewisse Bündelung achten, schon allein wegen der Leitungen“, so Gast weiter. Doch letztlich müsse der Stadtrat zu solchen Anträgen wie nun in der Lichtenau ohnehin Ja sagen, „wenn wir es mit der Energiewende irgendwie ernst meinen“.

Soll die Stadt Vorrangflächen ausweisen?

Petra Arneth-Mangano (SPD) sprach sich dennoch für ein Kataster aus. Darin solle nicht nur stehen, wo Solarfelder vorstellbar seien; in Kooperation mit dem Naturschutz gelte es auch eine „Negativliste“ zu erstellen, die besagt, wo keine möglich sind. Die Stadt solle an einem solchen Konzept arbeiten, befand auch Karl-Heinz Grehl (Grüne), der Energiereferent des Stadtrates. Doch dürfe man Vorhaben wie das aktuelle in der Lichtenau nicht mit Einwänden überfrachten. Er selbst „begrüße und unterstütze es, dass es endlich Leute gibt, die solche Projekte anpacken und die Energiewende vorantreiben“.

Grehls Fraktionskollege Alfred Honisch warb derweil für ein Bürgerbeteiligungsmodell. Der Betreiber sei dafür „angeblich durchaus offen“. Bürgermeister Markus Loth (BfW) versprach, dieses Thema im Rahmen der Bauleitplanung mit den Beteiligten zu erörtern.

Noch im Vorfeld des Bebauungsplans werde vom Investor auch eine „ökologische Begleitung“ gefordert, betonte Stork – „um nicht auch hier wieder in ein Biotop reinzurauschen“, wie der Bauverwaltungsleiter in Anspielung auf das offenbar gescheiterte Solarprojekt der Stadtwerke in Unterhausen sagte.

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