„Wir freuen uns riesig“, liest man auf der der Internetseite des Tölzer Kletterzentrums. Die Stadt habe die Baugenehmigung für die Boulderhalle unterzeichnet. Der Traum: Heuer im Herbst noch klettern können.
Bad Tölz – 2020 bei den Spielen in Tokio wird Klettern mit und ohne Seilsicherung (Bouldern) erstmals olympische Disziplin. Die Sportart ist in. Das merkt auch der Tölzer Alpenverein schon lange, der seit 2003 im ehemaligen Kasernenheizwerk eine Kletterhalle betreibt. Allein 10 000 Besucher kommen pro Jahr, um die Boulderabteilung im obersten Stock zu nutzen. Vor einem Jahr stellten sieben AV-Sektionen, die hinter dem Kletterzentrum stehen, einen Antrag im Stadtrat auf den Bau einer eigenen Boulderhalle. Standort: Auf dem Abstellplatz mit Garagen zwischen Kletterhalle und Bundesstraße.
Die Stadt, die seit 25 Jahren den Ausbau eines Sportzentrums auf der Flinthöhe konsequent vorantreibt, war gerne dafür zu haben. Auch, wenn sie für die neue Attraktion eine Million Euro in die Hand nehmen muss. Wie bei allen Bauprojekten der Tölzer Sportvereine geht die Stadt in Vorleistung. Sie errichtet den Rohbau und verpachtet das Gebäude künftig an den Trägerverein des Kletterzentrums. Er repräsentiert rund 20.000 AV-Mitglieder. Der Alpenverein wird mit eigenen Mitteln, Zuschüssen und Darlehen den Innenausbau der Boulderhalle stemmen. Rund 400.000 Euro netto sind dafür angesetzt.
Neue Boulderhalle in Bad Tölz ist für den DAV ein Prestigeprojekt
Etwa 500 bis 600 Quadratmeter Kletterfläche kommen in dem Neubau hinzu, wie Peter Naumann, Vorsitzender des Trägervereins, erläutert. Naumann schwärmt schon von der Atmosphäre, die die Boulderhalle ausstrahlen soll. Leidenschaft, Leistung, „weniger digital als vielmehr face-to-face“ sind die Begriffe, mit denen er dieses „Prestigeprojekt“ beschreibt. „Das soll ein sozialer Treffpunkt werden.“ Die neue Halle ist durch eine Glasbrücke mit dem Kletterzentrum verbunden. Letzteres macht einen personalsparenden gemeinsamen Kassenbereich möglich. Auch der Gastrobereich wird nur im Altbau angeboten. Was geschieht mit der alten Bouldersektion? „Dort werden wir ein etwas spezifischeres Trainingsareal mit Kraft- und Technikbereich schaffen“, sagt Naumann.
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Er glaubt fest daran, dass der Neubau heuer zu schaffen ist. Die größten Hindernisse sind aus dem Weg geräumt. Im Herbst 2018 hatte eine Kanzlei im Namen der Nordspangen-Gegner Protest gegen die Planung erhoben, weil damit eine alternative Routenplanung für die Umgehungsstraße erschwert würde. Die Baugenehmigungsbehörde des Landratsamts hat aber nun sowohl den Bebauungsplan als auch den Bauantrag genehmigt.
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Auch das Rathaus, so Zweiter Bürgermeister Andreas Wiedemann, wolle das Projekt zügig umsetzen. Das Ziel – Klettern am Jahresende – sagt Wiedemann, sei in jedem Fall „sportlich“. Wie es konkret weitergeht, erläutert Stadtoberhaupt Josef Janker. Zunächst werden im April oder Mai die fünf alten Garagen aus der US-Zeit am Standort der künftigen Boulderhalle abgerissen. Voraussetzung ist ein Ersatzbau neben dem Heizwerk der Stadtwerke. Dann ist die Boulderhalle mit Ausschreibungen und Auftragsvergabe an der Reihe.
chs