Eine Woche für das Klima veranstaltet die „Fridays for Future“-Bewegung deutschlandweit. In Tölz ging es für Interessierte jetzt mit dem Förster in den Wald.
Bad Tölz/Wackersberg – „Sieben Tage – sieben Themen – ein Ziel: die Rettung der Erde“: Unter diesem Motto veranstaltet die „Fridays for Future“-Bewegung deutschlandweit eine sogenannte „Week for Climate“, eine „Woche fürs Klima“ also. In Bad Tölz wurden Experten eingeladen, um Führungen, Vorträge und Workshops zu gestalten.
So gingen die Aktivisten am vergangenen Dienstag zusammen mit dem Tölzer Förster Franz Mettal durch ein Waldgebiet bei Wackersberg. Drei Stunden lang zeigte der Experte den Jugendlichen spielerisch, welche Funktion der Wald im Ökosystem einnimmt und welche Baumarten besonders für die Zukunft geeignet sind.
Im Wald lernten die 14 Teilnehmer, was eine Tanne von einer Fichte unterscheidet und welcher Baum besonders viel Licht braucht. „Die Lärche hat in einem dichten Wald kaum eine Chance“, sagte Mettal. Der Baum brauche besonders in seiner Jugend viel Sonnenlicht, erklärte er. Sehr robust sei hingegen die Tanne. Sie könne bis zu 30 Jahre im Schatten stehen ohne abzusterben.
Eine oft unterschätzte Funktion des Waldes sei die des Wasserspeichers. „Wenn der Wald zerstört wird, bekommen wir Trinkwasser-Probleme“, sagte Mettal. Von der Wende zu „klimaneutralem“ Heizen mit Brennholz hält er wenig. Der Wald sei zu wertvoll zum Verheizen: „Das ist, wie wenn ich Diamanten ins Meer schmeiße.“
Auch die von Markus Söder angekündigte Aktion, 30 Millionen Bäume pflanzen zu wollen, findet Mettal sinnlos. „Diese ganze Pflanzhysterie ist eine Täuschung.“ Bayern sei schon bewaldet genug. Man müsse vielmehr Baumarten dazupflanzen, die klimaresistent sind.
Klima-Aktionswoche: Bäume blind erkennen
Franz Mettal verteilte kleine Hand-Spiegel, um zu zeigen, wie der Wald von unten aussieht. „Grüner und heller“, meinten die Teilnehmer. Zum Schluss verbanden sich die Jugendlichen gegenseitig die Augen und wurden blind zu einem beliebigen Baum geführt. Sie mussten ihren Baum später anhand seiner Struktur und seines Bewuchses ohne Augenbinde wiedererkennen.
Mettal freute sich über die wissbegierigen Teilnehmer. Unter ihnen waren nicht nur Aktivisten. Auch bei den folgenden Veranstaltungen wolle man „von außerhalb der „Fridays for Future“-Bewegung Menschen ansprechen“, sagte Lukas von Andrian. Der Initiator der Tölzer „Fridays for Future“ will mit der Themenwoche auch die eingeladenen Organisationen miteinander vernetzen.
Am Samstag startete die Woche fürs Klima mit einer Müllsammelaktion. „Wir wollen mehr tun als nur demonstrieren“, sagte der Mitorganisator Maxi Kiefersauer. Man gebe den Menschen daher zum Beispiel die Möglichkeit, sich in den spezifischen Bereichen weiterzubilden. Franz Mettal beglückwünschte die Jugendlichen zu ihrer erfolgreichen Demonstration am vergangenen Freitag und meinte: „Von euch sind jetzt Leistungen gefragt.“
Nächste Angebote
Im Rahmen der Klima-Aktionswoche hält am heutigen Donnerstag die Volkswirtin Dr. Manuela Troschke im Jugendcafé einen Vortrag zum Thema „Vertrauenswürdigkeit von Regierungen“. Beginn ist um 18 Uhr. Am morgigen Freitag, 27. September, lädt die „Fridays for Future“-Bewegung dann um 14 Uhr zum „Earth Strike“ in der Marktstraße. Das ist laut Ankündigung „ein offener Tisch für Diskussionen“. (Anton Böhm)