Volles Festzelt

Klosterbrauerei Reutberg: US-Kunde hat schlechte Bezahl-Moral - trotzdem erfolgreiches Jahr

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Der Höhepunkt des Abends: Das Grußwort von Brauerbund-Hauptgeschäftsführer Lothar Ebbertz bei der Generalversammlung der Klosterbaruerei Reutberg im Festzelt.

Volles Bierzelt, positive Jahresbilanz und launige Sprüche am laufenden Band: Die Generalversammlung der Klosterbrauerei Reutberg war wieder einmal Höhepunkt des Josefifests.

Sachsenkam Mit einem Riesenapplaus begrüßten die mehr als 2000 Genossen im Zelt am Kloster Reutberg am Mittwoch den seit Jahren mit der Brauerei verbundenen Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes, Lothar Ebbertz. Dessen wie immer begeisternder Vortrag, gespickt mit Witz, Ironie und Spaß an der bayerischen Bierkultur, setzte den Schlusspunkt unter die Versammlung – entsprechend dem Motto „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“

Den „ernsten“ Teil des Abends eröffnete Geschäftsführer Stephan Höpfl. Er berichtete von einem eher mäßigen Bierausstoß im Frühjahr des vorigen Jahres und dem sogenannten Jahrhundertsommer, der jedoch weniger dem Absatz von Bier, sondern hauptsächlich der Nachfrage nach Wasser und alkoholfreien Getränken förderlich war. Im vergangenen Jahr kam übrigens sogar Markus Söder ins Reutberg-Zelt.

Erst der Herbst habe eine Trendwende gebracht, sodass zum Jahresende ein Eigenbierausstoß von knapp 21 400 Hektoliter verzeichnet werden konnte. Einschließlich der Handelsprodukte kamen insgesamt 31 200 Hektoliter zum Verkauf. Die Umsatzerlöse bezifferte Höpfl mit 4,089 Millionen Euro. Kräftig zu Buche schlugen die getätigten Investitionen: Der Kauf von zusätzlichen 2000 Quadratmetern Gewerbegrund in Sachsenkam verschlang 330 000 Euro, die Beteiligung am Erwerb des Gasthofs Altwirt in Reichersbeuern 425 000 Euro. Dazu kamen noch etwa die Erweiterung der Kühlanlage im Gärkeller, eine Reparatur an der Sudpfanne, Anlagen und Einrichtungen für verschiedene Gastronomiekunden, ein neues Messgerät zur Analyse des Bieres. So summierten sich die Ausgaben auf knapp 900 000 Euro.

Dass man trotzdem den Gewinn gegenüber dem Vorjahr um 40 000 Euro auf rund 195 000 Euro habe steigern können, sei nicht zuletzt dem Einsatz der Mitarbeiter zu verdanken, sagte Höpfl.

Brauerei Reutberg: Abnehmer in Kalifornien hat keine gute Bezahl-Moral

Aktuell beschäftigt die Brauerei 15 Arbeitnehmer in Vollzeit und eine Teilzeitkraft. Wesentlicher Teil des hart erarbeiteten Erfolges, wie Vorstandsvorsitzender August Maerz und Außendienstleiter Hans Krinner anführten, sei außerdem ein umfangreicher und treuer Kundenstamm. Keine guten Erfahrungen machten die Reutberger in dieser Hinsicht mit einem Abnehmer in Kalifornien, dessen Bezahlmoral zu wünschen übrig ließ. Dem gegenüber freue man sich über neue Kunden in Südtirol und Italien sowie über einheimische „Neueinsteiger“.

Generell müssten für einen erfolgreichen Kurs der Reutberger Brauerei jegliche wirtschaftliche Maßnahmen vorab genauestens überprüft werden, stellte Aufsichtsrats-Vorsitzender Hans Erhard fest. Etwas in die Schwebe geraten ist nun der Plan, das im örtlichen Gewerbegebiet gekaufte 5000-Quadratmeter-Grundstück zum Bau einer Lagerhalle wieder zu verkaufen und stattdessen ein inzwischen vom Kloster angebotenes, nahe liegendes Areal zu erwerben. Durch den im Herbst vollzogenen Wechsel der Klosterleitung bekäme die Brauerei das Klostergrundstück jetzt aber nicht mehr zu kaufen, sondern nur mehr auf Erbpacht. „Wir sind der Meinung, wir können nicht ein Grundstück, das uns gehört und den Gegenwert von unseren Mitglieder-Einlagen darstellt, gegen eine Erbpacht-Fläche eintauschen“, erklärte Maerz zu der vertrackten Situation. Man hoffe nun, in dieser Sache auf dem Verhandlungsweg eine Lösung zu finden.

Rosi Bauer

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