Die künstlerischen Darbietungen waren hervorragend, doch das Veranstaltungskonzept kam bieder daher, und am Ende stand stets ein großes Defizit. Deswegen gab es jetzt im Stadtrat eine Diskussion über die Zukunft des Knabenchor-Festivals in Bad Tölz.
Bad Tölz – Viermal hat das Knabenchor-Festival in Tölz bereits stattgefunden. Die Darbietungen der Chöre waren fast durchweg herausragend. Dennoch ließen im vergangenen Jahr die Zuschauerzahlen zu wünschen übrig. Ein sattes Defizit in Höhe von 45 000 statt der erwarteten 25 000 Euro belastete am Ende das Budget der Tourist-Info und führte dazu, dass das Festival künftig nur noch alle zwei Jahre stattfinden soll – das nächste Mal also 2019. Kurdirektorin Brita Hohenreiter ist gleichwohl nicht mehr bereit, das zusätzliche Defizit in Höhe von 20 000 Euro in ihrem Budget zu übernehmen, wie sie in der jüngsten Stadtratssitzung ohne Umschweife erklärte.
Ihre Stellvertreterin Susanne Frey-Allgaier bedauerte vor dem Gremium, dass im Kulturbereich leider kaum Sponsoren zu finden seien. Ein Stück weit sei das Festival ja auch ihr „Baby“. Sie bewerte das Festival nach wie vor positiv, stellte das weitere Vorgehen aber ausdrücklich zur Diskussion.
Der frühere Knabenchor-Solist Michael Lindmair (FWG) erinnerte Stadtrat – und Tourist-Info – daran, dass man beim Start der Festival-Serie 2014 genau gewusst habe, dass da erst langsam etwas wachsen müsse. Er wünschte sich eine frühzeitigere Werbung für das Festival und eine langfristige Terminplanung. Die Chöre, so berichtete Lindmair aus der Branche, „sagen alle, dass sie gerne kämen. So ein Festival wie in Tölz gibt es nämlich sonst nicht.“
Margot Kirste (FWG) wünschte sich, das Festival so auszurichten, „dass man die Jugend mehr anspricht“. Sie dachte als Vorbild an die erfolgreichen „Nightfever“-Veranstaltungen der Kirche und regte neben den Chordarbietungen in Kirchen und Kurhaus eine eigene Veranstaltung für Jugendliche mit günstigeren Preisen an.
Dritter Bürgermeister Christof Botzenhart plädierte dafür, die Festival-Idee mit möglichst hochrangigen Chören in jedem Fall beizubehalten. Allerdings räumte er ein, dass das Festival bislang eher bieder daherkomme. „Auf die Bühne marschieren, sieben Lieder singen und wieder hinuntergehen, das ist ziemlich steril.“ Er regte einen eigenen Moderator an und eine gefälligere Gestaltung. „Da gibt es so viele gute Vorschläge. Wegen 20 000 Euro auf das Festival zu verzichten, wäre doch schade.“ Bis 2021 müsse man schon aus dem Grund weitermachen, damit die erwünschten Spitzenchöre frühzeitig angefragt werden können. „Wenn es bis 2021 auch noch nicht funktioniert, dann müssen wir uns wirklich Gedanken machen.“
Unter der Voraussetzung, dass schnell eine neue Konzeption erstellt wird, stimmte der Stadtrat zu, die fehlenden 20 000 Euro für 2019 und 2021 aufzubringen.