Sommerwetter und Konzerte von internationalem Rang ließen Einheimische und internationale Gäste beim Knabenchorfestival Bad Tölz schwärmen.
Bad Tölz – Das Eröffnungskonzert unter dem Motto „Sakrale Sternstunden“ am Freitagabend in der Mühlfeldkirche stattfinden zu lassen, war sehr gut gewählt. Dritter Bürgermeister Christof Botzenhart begrüßte die knapp 200 Gäste mit einem Zitat von Martin Luther, in dem dieser auf den himmlischen Ursprung der Musik hinwies. Folglich spannte Botzenhart den Bogen zum Glauben. Die Wiltener Sängerknaben sangen anschließend neun kurze Kompositionen von Heinrich Schütz, der Tölzer Knabenchor wählte Stücke von Bach, Bruckner und Mendelssohn Bartholdy. Die Escolania de Montserrat hingegen trug ausschließlich Werke aus der Liedertradition ihres Klosters vor, etwa einen ergreifenden gregorianischen Gesang. Es war nicht nur die gelungene Programmauswahl an sich, sondern auch die besondere Atmosphäre in der Mühlfeldkirche – etwa durch das wunderbar hereinfallende Licht –, das dieses Konzert zu einem ganz besonderen Abend machte.
Weil die Österreicher am Samstagabend in Kufstein auf der Bühne stehen mussten, wurde der Galaabend mit der Capella Vocalis aus Reutlingen bestritten. Sie eröffneten das Konzert und boten in sehr frischer Manier Klassiker des deutschen Liedguts, unter anderem Vertonungen der Gedichte „Loreley“ und „Sah ein Knab ein Röslein stehen“. Chorleiter Christian Bonath hatte mit dem Ensemble detailreich gearbeitet. Die enge Verbindung von Melodie und Text hoben die Sänger hervor, indem sie die Lautstärke sehr schnell und feinfühlig änderten oder auch eine Strophe mit dramatischem Text in viel rascherem Tempo anstimmten. Mit Billy Joels Hit „For the longest time“ bewies der Chor große Leichtigkeit und Rhythmus.
Der Tölzer Knabenchor und seine Klanggewalt gewann dann mit Rossinis „La Carità“ sofort das Publikum. Die gute Solistenarbeit der Chorleiter Clemens Haudum und Christian Fliegner sah man auch schon an der Körpersprache der jüngsten Sänger. Tenor Julius Steinbach aus Bad Tölz, Alexander Rampp (Bass) und Cajetan Deßloch (Sopran) meisterten anschließend höchst bravourös das herausfordernde Mozart-Stück „Das Bandel“, das die drei Stimmen temporeich und in Dialekt verbindet. Und manch breites Grinsen war auf Gesichtern der Zuhörer zu sehen, als die Tölzer „Zwei Praterkanons“ anstimmten, sind sie doch gespickt mit Kraftausdrücken. Die Gäste aus Spanien wurden als dritter Chor auf die Bühne gebeten. Unvorstellbar, dass sie derbe, weltliche Stücke singen würden wie kurz zuvor gehört. Die Chorsänger sind ganz dem Kloster und der Liturgie verbunden, das zeigten sie auch wieder durch ihre Kleidung. Wie schon in den Konzerten zuvor, blieben die Katalanen der Ruhepol des Abends und sangen im Kurhaus zu Herzen gehende, leicht melancholische Volkslieder. Mit einem Pfeifkonzert imitierten sie zum Beispiel einen Wald voller Singvögel, bevor sie „Den Gesang der Vögel“ zu Jesu Geburt vortrugen.
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Durch den sehr gelungenen, diesmal runden Galaabend führte BR-Moderator Benedikt Schregle, einst selbst Tölzer Knabe. Zum Abschluss vereinten sich die drei Chöre für „Kein schöner Land“ auf der Bühne, zum Schluss gab es sogar noch „Thank you for the music“ von Abba. Und Pater Efrem aus Montserrat dankte für die Möglichkeit, Menschen zusammenzubringen, um den Frieden zu verbreiten.
Am Sonntag nutzten viele Gläubige die Gelegenheit, in einem der Sonntagsgottesdienste besondere Kirchenmusik zu hören. In der evangelischen Johanneskirche sang der Tölzer Chor Auszüge aus Bachs h-Moll-Messe. In der Stadtpfarrkirche erklangen Teile einer spanischen Messe auf dem 14. Jahrhundert, zudem sang die Capella Vocalis Werke von Bach und Mendelssohn Bartholdy. (Christiane Mühlbauer, Birgit Botzenhart)
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