Müll, Lärm und Stau

„Ausbremst is!"-Demo gegen den Verkehrskollaps: „Kochel wird überrollt“ - Einheimische machen Ärger Luft

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„Ausbremst is!“ Zahlreiche Menschen gingen in Kochel am See auf die Straße.
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Verkehrschaos, Müllberge und Lärmbelästigung: Am Samstag gingen mehrere hundert Bürger der Gemeinde Kochel am See auf die Straße, um im Rahmen der „Ausbremst is!“-Demo-Tour gegen den immensen Ausflugsverkehr in ihrer Heimat zu demonstrieren.

  • Verkehrschaos, Müllberge und Lärmbelästigung - dagegen gingen in Kochel am See zahlreiche Menschen auf die Straße.
  • Sie demonstrierten im Rahmen der „Ausbremst is!“-Demo-Tour.
  • Auch der zweite Bürgermeister von Kochel war vor Ort.

Kochel am See – Der Protest war altersunabhängig. Unter den Menschen, die sich ab 9.30 Uhr am Samstagvormittag an der Triministraße in Kochel sammelten, waren Familien mit kleinen Kindern ebenso wie Jugendliche, ältere Ehepaare und Senioren. Während der Organisator ihre Zahl auf rund 300 schätzte, sprach die Polizei von bis zu 250 Teilnehmern. 400 wären laut Bescheid des Landratsamts zulässig gewesen, so Steffen Wiedemann, Dienststellenleiter der Polizei Kochel.

Demonstration in Kochel am See: „Uns stört einfach die Gesamtsituation“

Viele waren aus Kochel oder einem seiner Ortsteile gekommen, einige aber auch aus den umliegenden Orten. Carina Winkler war sogar aus Garmisch angereist, um die Kochler bei ihrer Demonstration zu unterstützen, denn: „Wir brauchen eine überregionale Verkehrswende.“

Bea Bittner war mit ihrer Familie aus dem benachbarten Schlehdorf gekommen. „Uns stört einfach die Gesamtsituation“, sagte sie. Ihre Arbeitsstelle liege in Kochel, doch für die paar Kilometer von Ort zu Ort brauche sie an den Wochenenden manchmal eine Stunde, weil sich der Ausflugsverkehr kilometerlang staut. Dazu komme die enorme Müllbelastung. Jeden Tag sammle sie auf ihrer Gassi-Runde mit dem Hund am See den Müll ein, den die Ausflügler liegen ließen. Doch nun habe die Gemeinde Schlehdorf verboten, an bestimmten Uferbereichen den Hund auszuführen. „Weil sich die Touristen gestört fühlen“, klagt Bittner und kritisiert: „Eigentlich sollten wir Einheimische Vorrang haben vor den Touristen.“

„Ausbremst is“-Demo in Kochel: Demonstranten haben Forderungen

Pünktlich um 10 Uhr hält Sebastian Salvamoser, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Kochel, eine kurze Eröffnungsrede. Darin umreißt der Organisator die Forderungen der Demonstranten. Unter anderem sind das Maßnahmen zum Lärmschutz, Tempo 30 in allen Nebenstraßen oder mehr Investitionen in den Ausbau von Fahrradwegen.

Mit Mundschutz und unter Einhaltung der Abstandsregeln setzten sich die Demonstranten dann in einer langen Reihe in Bewegung. Im Chor skandierten die Demonstranten: „Hopp, hopp, hopp – Autos stopp!“, lärmten mit Ratschen und Fahrradklingeln und motivierten viele Zaungäste am Straßenrand, sich dem Tross anzuschließen. Viele schwenkten selbst gebastelte Plakate, auf denen sie ihre Forderungen und ihre Kritik vor sich hertrugen. „Schutz für unsere Heimat – Jetzt!“ war darauf etwa zu lesen. Oder: „Der Tourist zerstört was er sucht, indem er es findet.“

Zahlreiche Menschen gingen in Kochel am See auf die Straße.

„Hilfe. Kochel wird überrollt“: Frau kritisiert Rücksichtslosigkeit und fehlenden Respekt

Auch Agnes und Göran Berggren hatten ein Plakat gebastelt. „Hilfe. Kochel wird überrollt“ war darauf zu lesen. „Wir verkraften den Durchgangsverkehr nicht mehr. Er belastet Kochel in massiver Art und Weise“, sagt Agnes Berggren. Außerdem kritisiert die Kochlerin die „Rücksichtslosigkeit und den fehlenden Respekt, die so manche Gäste gegenüber der Natur und den Einheimischen an den Tag legten.

Auch Tom Eberl, zweiter Bürgermeister von Kochel, nahm an der Demonstration teil, die von 20 Mann der Kochler Polizei sowie der Bereitschaftspolizei begleitet wurde. Grundsätzlich unterstütze die Gemeinde das Ansinnen der Demonstranten, sagte Eberl. Er betonte aber auch, dass einige Maßnahmen bereits umgesetzt worden seien; beispielsweise würden bereits Verstärkerbusse des RVO eingesetzt. Und zum Schutz des Walchensees seien Ranger in Vollzeit eingestellt worden. Auch der geplante Fahrradschutzstreifen in Teilbereichen der Mittenwalder Straße sei genehmigt und werde in den nächsten sechs Wochen begonnen.

„Es ist einfach zu viel“: Demonstration in Kochel am See

Während der Verkehr über eine halbe Stunde von der Durchfahrt durch Kochel wortwörtlich „ausgebremst“ war, was für eine ungewohnte Ruhe im Dorf sorgte, zogen die Demonstranten über die B 11 bis zur Heimatbühne. Bei der Abschlusskundgebung dort forderte der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn: „Es ist einfach zu viel. Es muss endlich etwas passieren.“ Unter anderem forderte der Umweltexperte mehr Geld zum Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel.

„Ausbremst is“-Demo in Kochel am See: Auch Bund Naturschutz mit heftiger Kritik

Heftige Kritik an der aktuellen Lage kam auch vom Bund Naturschutz. Ortssprecher Friedl Krönauer erteilte Plänen für zusätzliche Parkplätze am Walchensee eine harsche Absage. Die würden nur noch mehr Verkehr bringen. Viel eher brauche es Schranken - etwa an der Uferstraße - damit nur noch so viel Ausflügler kommen könnten, wie Natur und Anwohner vertagen. Bis die Erholungssuchenden die Natur zerstören: „So lange dürfen wir nicht warten.“

Im Video: Zu viele Ausflügler in Münchener Einzugsgebieten

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