Traumwetter und Preise von anno dazumal: Tausende Besucher strömten am Dienstag auf den Herzogstand.
Kochel am See – Für die 800 Höhenmeter umfassende Fahrt nach oben braucht die Gondel der Herzogenstand-Bahn zwar nur vier Minuten. Doch bis zum Eintritt in die Gondel mussten die Besucher am Dienstag viel Geduld und gute Nerven mitbringen. Denn aus Anlass des 25. Geburtstags konnte man gesten für nur 2,50 Euro auf den Herzogstand schweben. Das war der Preis von 1994, als die Bahn ihren Betrieb aufnahm.
Entsprechend groß war der Andrang. Schon an der Einfahrt zum Parkplatz stand vormittags das Schild „Wegen Überfüllung geschlossen“. Auch im Dorf waren Parkflächen rar. Geduld war auch bei der Fahrt auf den Berg gefragt. Vor dem Kassenhäuschen hatte sich eine Schlange aus mehreren hundert Wartenden gebildet.
Doch die Stimmung war gut, insbesondere dann, wenn die Ampel am Gondel-Eingang in Sicht kam und man endlich zu jenen 30 Personen gehörte, die Zutritt bekamen.
Auf der Fahrt nach oben gewinnt die Gondel rasch an Höhe, und der türkis glitzernde Walchensee lag den Ausflugsgästen in seiner vollen Pracht zu Füßen. Kein Wunder, dass Smartphones gezückt wurden und Ausrufe des Entzückens zu vernehmen waren.
Oben angekommen, standen schon wieder viele Besucher Schlange für den Weg retour. Trotz des großen Andrangs war es überraschend, wie sehr sich die Massen am Berg verteilten. Einige fotografierten erst einmal ausgiebig den fantastischen Blick auf See und Gebirge – das Wetter war ja bestens. Die Autos auf dem überfüllten Parkplatz glitzerten wie kleine Edelsteine in der Sonne. Andere Gäste begaben sich sofort auf die Wanderroute, und wieder andere zog es rasch ins Berggasthaus.
Hinter dem Herzogstandhaus sah man die vielen Bergsteiger wie kleine bunte Ameisen auf den Wegen wuseln. Ein kleines Mädchen mit Zöpfen quengelte: „Papa, i schwitz’!“ „Des g’hört am Berg dazu, dass ma schwitzt“, entgegnete der Vater ungerührt. „Aber i mog nimmer“, nörgelte die Tochter weiter. Trotzdem ging es weiter des Weges – vielleicht ja auch wieder hinab mit der Bahn.
Im Minutentakt spuckten die Gondeln Menschen über Menschen aus. „Wir haben ja mit einem Ansturm gerechnet“, sagte der Gondelführer. „Aber das hat uns jetzt doch überrascht.“ An einem schönen Sonntag seien vor Kurzem 3800 beförderte Gäste gezählt worden. „Heute werden es sicher noch mehr“, prognostizierte der Mann.
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„Es war wirklich der Wahnsinn“, sagte am Abend der stellvertretende Betriebsleiter Christian Held beim Anruf des Tölzer Kurier. Genaue Fahrgastzahlen lagen zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor. Held war voll des Lobes über die Geduld der Besucher, die sich in der Warteschlange ruhig verhalten hatten. Die Gondelführer seien „sicherlich 100-mal“ auf den Berg gefahren.
Seit Inbetriebnahme der Kabinenbahn 1994 haben die Gondeln in rund 282.000 Fahrten fast 3,3 Millionen Fahrgäste auf den Herzogstand gebracht. In den Jahrzehnten zuvor konnte man per Sessellift auf den Berg fahren. Der Herzogstand war schon immer ein beliebter Anziehungspunkt. Die Bahn beschäftigt heute sieben Vollzeit- und zwei Teilzeitkräfte sowie drei Aushilfen. Sie gehört zu 51 Prozent der Gemeinde und zu 49 Prozent der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen.
Im zurückliegenden Winter wurde die Herzogstandbahn für 550 000 Euro generalsaniert (wir berichteten). Die komplette Elektrotechnik sowie die Steuerung und Signalübertragung wurden ausgetauscht. Vier Jahre zuvor hatte man schon Trag- und Zugseile erneuert sowie die beiden Kabinen überholt. (Sabine Näher, Christiane Mühlbauer)
