Was ist eigentlich aus der alten „Herzogstand“ geworden? Dem Schiff, das bis vor einigen Jahren auf dem Kochelsee verkehrte? Seit 2009 lag es in der Bootshütte im Dornröschenschlaf. Nun wurde das Schiff nach Brandenburg verkauft.
Kochel am See – 80 Jahre lang fuhr die „MS Herzogstand“ auf dem Kochelsee. Vom Hotel Grauer Bär nach Altjoch. Dann weiter nach Schlehdorf und zurück nach Kochel. Runde um Runde. Tag für Tag. „Das Schiff wurde 1938 in Hamburg gebaut von einer Firma namens Scheel & Jöhnk“, erinnert sich Kreszentia Kneidl, deren Familie seit Generationen die Schifffahrt auf dem Kochelsee unterhält. Vor dem Zweiten Weltkrieg, so Kneidl, sei die „Herzogstand“ zusammen mit zwei weiteren Schiffen auf dem See unterwegs gewesen: der „Altjoch“ und der „Kochelsee“. Aufgrund steigender Tourismuszahlen sei die Nachfrage nach Motorbootfahrten damals sehr groß gewesen. „Von 1941 bis 1945 wurde die Schifffahrt dann aber eingestellt.“ Und nach Kriegsende sei die „Herzogstand“ als einziges Schiff übriggeblieben. 1980 habe dann die „Motorschifffahrt Kochelsee“, damals bestehend aus den Familien Kneidl und Kremhiller, das Schiff übernommen. Zuvor hatten die Gebrüder Hahnemann aus Altjoch und später die Geschwister Schindler aus Altjoch die Fahrgast-Schifffahrt auf dem See betrieben.
2009 habe sich dann die Gelegenheit geboten, die „MS Seehausen“ zu kaufen – das Schiff, das bis dahin Rundtouren über den Staffelsee bei Murnau gefahren war, nun aber durch ein größeres Boot ersetzt wurde. „Es war die Gelegenheit, an ein geheiztes Schiff zu kommen, das außerdem auch noch behindertengerecht war“, erläutert Kneidl. Diese „Seehausen“ kreuzt nun seit mittlerweile neun Jahren als neue „Herzogstand“ auf dem Kochelsee.
Ihre Vorgängerin wurde in eine Bootshütte nach Altjoch gebracht. „Ich habe mich schwer von ihr getrennt“, erinnert sich Kneidl. Aber da auf dem See nur ein Motorschiff fahren dürfe, musste das alte Boot stillgelegt werden.
Umso erleichterter ist Kneidl, dass die alte „Herzogstand“ nun eine neue Wirkungsstätte hat. „Und zwar auf dem Großräschener See in Brandenburg, einem ehemaligen Braunkohle-Abbaugebiet, das gerade zu einem großen Erholungsgebiet umgebaut wird.“ Gekauft habe es die Firma BUG Elsterheide, die das Boot für Nostalgie-Fahrten nutzen möchte. Der Hafen an dem künstlich angelegten Gewässer, das etwa so groß wie der Chiemsee ist, sei bereits fertig. Das Schiff ist inzwischen von Kochel in die Lausitz transportiert worden. Dort wurde es laut Kneidl bereits sandgestrahlt und neu grundiert. Nun soll es noch eine neue Innenausstattung bekommen. „Bei einem Hafenfest wurde die ehemalige MS Herzogstand bereits offiziell auf dem Trockendock vorgestellt.“ Ein neuer Name werde derzeit per Ausschreibung gesucht. „Das Boot hat einen neuen Hafen. Und das hat uns wahnsinnig gefreut. Es war uns wichtig, dass es wieder zum Einsatz kommt.“ Noch heuer sei der Stapellauf geplant.
Franziska Seliger
