Königsdorfer Alm: Noch einmal feiern vor dem Winter

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Die Zukunft der Alm ist gesichert: Wirt Klemens Schwaighofer mit seinem ersten Enkel Korbinian (13 Monate). foto: njd

Königsdorf - An diesem Wochenende geht’s auf der Königsdorfer Alm noch einmal hoch her. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Anschließend ist erstmal Winterpause bis zum Mai.

Klemens Schwaighofer ist Wirt auf der Königsdorfer Alm, wie vor ihm sein Vater. Dieser Sommer war für ihn der 45. als Almwirt. Seine Gäste kennen ihn als gute Seele des Betriebs. Schwaighofer lächelt, begrüßt persönlich und er packt selbst mit an - in der Küche oder beim Einsammeln des Geschirrs. Auf die Musikanten, die zwischen Mai und September auf der Alm spielen, hat der 74-Jährige stets ein ganz besonders waches Auge. Schließlich will er, dass es ihnen an nichts fehlt. Und so kommt mehr als die Hälfte der Kapellen jedes Jahr gerne wieder.

Auf die Geschichte der Königsdorfer Alm angesprochen, sagt er: „Da könnte ich stundenlang erzählen.“ Dann greift er zum grünen Klarsichthefter, geleitet zum Biertisch unter den Bäumen und zeigt sorgfältig einsortierte, alten Bilder. Darunter eines von der Almeröffnung am 26. Juli 1907. „Damals hat’s Geretsried noch gar nicht gegeben“, erzählt er. Rund 150 Stück Jungvieh hätten vor nunmehr 106 Jahren auf der Königsdorfer Alm gegrast. Zwischen Mai und September wurden dort Butter und Käse hergestellt. Verwaltet wurde das Gebiet durch eine Weidegenossenschaft, in der damals rund 70 Grundstückseigner vertreten waren. Die Genossenschaft gibt es zwar noch heute, allerdings hat sie nur noch drei Mitglieder.

Schwaighofer blättert zu einem weiteren Bild. Es zeigt Johann Geiger, den früheren Königsdorfer Bürgermeister, der zugleich Gründer der Weidegenossenschaft ist. „Früher kamen vor allem Königsdorfer auf die Alm, jetzt sind es mehr Geretsrieder“, sagt Schwaighofer. Seit ihrer Eröffnung im Jahr 1907 wurde dort immer auch „getanzt, gesungen und gefeiert“. Im September wird traditionell zur Almkirta geladen, so wie am vergangenen Wochenende. Da war wieder viel los auf der Alm - morgens wurde gemeinsam ein Gottesdienst gefeiert und nachmittags spielte die Musikkapelle Königsdorf.

Am Anfang der Saison hatte das Wetter dem Wirt immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Es hat fünf Sonntage hintereinander geregnet. Das war schlimm“, sagt er. Doch neben der Bewirtschaftung der Alm gehört es auch zu seinen Aufgaben, jeden zweiten Tag beim Vieh nach dem Rechten zu schauen. Von seinem Vater hat Schwaighofer die Arbeiten des Wirts und des Hirten im Jahr 1968 übernommen. Dass die nächsten Schwaighofer-Generationen schon bereit stehen, um den Betrieb der Königsdorfer Alm weiterhin aufrecht zu erhalten, zeigte der 75-jährige Klemens Schwaighofer während der Almkirta. Da trug er seinen 13 Monate alten Enkel Korbinian stolz auf dem Arm. (Nina Daebel)

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