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Carsharing: Auch in Wolfratshausen ist der Trend angekommen. Doch zwischen den insgesamt drei Sharing-Modellen vor Ort gibt es Unterschiede.
Wolfratshausen – Einsteigen und losfahren, ohne an teure Werkstattbesuche, Versicherung und Kfz-Steuer denken zu müssen: Dem Anreiz von Carsharing-Modellen geben immer mehr Menschen eine Chance. Auch in Wolfratshausen ist der Trend angekommen. Doch zwischen den Sharing-Modellen gibt es Unterschiede.
Drei E-Autos der Wolfratshauser Baugenossenschaft stehen schon bereit
25 Prozent weniger Pkw-Parkplätze als im städtischen Stellplatzschlüssel vorgeschrieben – dafür aber ein Lastenrad- und Carsharing-Angebot: Das ist der Deal des Wolfratshauser Mobilitätskonzepts, das die Baugenossenschaft (BG) Wolfratshausen in Anspruch nimmt. Per App anmieten (siehe Kasten), einsteigen, den Gang einlegen und los geht’s. Ein Fan der ersten Stunde ist BG-Vorstandsmitglied Winfrid Borcherdt.
„Die Wende hin zu mehr nachhaltiger Mobilität ist ganz klar ein dickes Brett“, sagt der Rechtsanwalt. „Aber das Angebot ist ein Anfang, das mit der Zeit weiter ausgebaut werden soll.“ Mit vier E-Pkw und sechs Lastenfahrräder mit elektrischer Unterstützung will die Wolfratshauser Baugenossenschaft einen Teil zur Mobilitätswende leisten. Die Radl seien erst bestellt, doch drei E-Autos der Marke VW stehen schon bereit, und zwar Am Waldrand 20 im Stadtteil Farchet, am Poignring 15 und am Isarring 1 in Waldram.
Um die Stellplätze und Ladesäulen kümmert sich die Baugenossenschaft selbst. Die Bereitstellung der Fahrzeuge übernimmt die Oberland GmbH, eine Tochterfirma der 17er Oberlandenergie GmbH.
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Carsharing: Miete und Kosten
Miete und Abrechnung der Carsharing-Angebots der Baugenossenschaft Wolfratshausen und der Scherbaum-Unternehmensgruppe (Loisachquartier an der Sauerlacher Straße) laufen über die App „moqo“. Für die Registrierung benötigt man einen Führerschein, Anschrift, E-Mail-Adresse, Mobilfunknummer und eine Kreditkarte. 7,90 Euro pro Stunde kostet das Auto, 20 Kilometer inklusive. Ein Tagestarif beläuft sich auf 69 Euro, 200 Kilometer inbegriffen. Jeder Kilometer mehr kostet 24 Cent. Die Maro-Genossenschaft (Mehrgenerationenhaus an der Sauerlacher Straße/Hammerschmiedweg) verfolgt ein anderes Konzept. Erst mit Beitritt in den Verein „teilAuto“, der Hinterlegung einer Kaution (im Normaltarif 500 Euro) und einer Aufnahmegebühr kann das Auto genutzt werden. Die Kosten: 2,76 Euro pro Stunde, 27, 60 Euro pro Tag, für jeden Kilometer 0,45 Cent. jg
„Parkplätze werden immer entbehrlicher“
Auch zu den Kunden der Oberland GmbH gehört die Scherbaum-Unternehmensgruppe, Bauherrin des neuen Loisachquartiers östlich des S-Bahnhofs. Zwei Carsharing-Plätze sind laut Scherbaum-Geschäftsführer Frank Maiberger bereits installiert. Er ist überzeugt, dass das Teilen von Pkw nicht nur auf dem Papier funktioniert. „Wir sehen das in anderen unserer Objekte: Parkplätze werden immer entbehrlicher – und sind inzwischen kein K.o.-Kriterium bei der Vermittlung von Wohnungen mehr.“
Bis zur ersten Fahrt dürfte es laut Maiberger nicht mehr lange dauern, „es ist eine Frage von Wochen“. Vier weitere Stellplätze seien bereits für weitere Leihfahrzeuge reserviert, falls das Sharing-Angebot, das auch Leihfahrräder beinhalte, bewähre.
Zwei Lastenfahrräder exklusiv für Mieter
Ein anderes Mietkonzept verfolgt die Maro-Genossenschaft, Bauherrin des Mehrgenerationenhauses an der Sauerlacher Straße/Hammerschmiedweg. Der erste Unterschied: der Anbieter. „Wir setzen auf das Modell vom Verein Pfaffenwinkel Carsharing, teilAuto genannt“, erklärt Projektleiter Ralf Schmid im Gespräch mit unserer Zeitung. Aktuell stehe ein Mazda-Kleinwagen in der Nähe des noch im Bau befindlichen Mehrgenerationenkomplexes bereit. Mit der Fertigstellung der Tiefgarage soll der Carsharing-Parkplatz in den Untergrund ziehen. Zudem soll laut Schmid noch ein weiteres Auto angeschafft werden. „Als Ergänzung wollen wir noch einen Kombi anbieten, für Familienurlaube oder Umzüge.“ Verfügbar ist das Carsharing-Angebot wie das der Baugenossenschaft für alle Bürger. Exklusiven Charakter hat jedoch der Verleih von zwei Lastenfahrrädern. „Diese stehen nur unseren Mietern zur Verfügung – und werden auch von ihnen verwaltet“, so der Maro-Projektleiter.
Während sich die drei Angebote unterscheiden, sind die Verantwortlichen überzeugt, dass die Nutzer kräftig davon profitieren. „Für das eigene Kfz zahlt man ja Sprit, Steuer, Versicherung, Werkstatt – das geht ganz schön ins Geld“, meint BG-Vorstandsmitglied Borcherdt. Dass das Gros der Wolfratshauser gänzlich aufs eigene Auto verzichtet, erscheint in absehbarer Zeit unwahrscheinlich. Maro-Mitarbeiter Schmid: „Aber den Zweitwagen können die Leihautos locker ersetzen – mindestens.“
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