Strafanzeige gegen Betrieb am Tegernsee erstattet

„Körperliche und seelische Folter“: PETA kämpft auch im Landkreis Miesbach gegen Anbindehaltung

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PETA setzt sich dafür ein, dass Kühe (Symbolbild) nur artgerecht gehalten werden dürfen. Sie kämpft vehement gegen die Anbindehaltung.
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Die Tierschutzorganisation PETA kämpft gegen die Anbindehaltung bei Rindern. Die Vereinigung hat dabei auch gegen einen Betrieb am Tegernsee Strafanzeige erstattet.

Tegernseer Tal – Das dauerhafte Anbinden von Rindern – für die Tierschutzorganisation PETA ist das „körperliche und auch seelische Folter“ für die Tiere. Um gegen diese Haltungsform vorzugehen, hat die Vereinigung eine Strafanzeigen-Kampagne gestartet. Insgesamt gegen 26 Rinderhaltungsbetriebe in Süddeutschland – 19 davon in Bayern, sieben in Baden-Württemberg – hat PETA nach eigenen Angaben Anzeige erstattet. Darunter ist auch ein Betrieb am Tegernsee.

PETA: Rinder können sich nicht bewegen, umdrehen oder putzen

Bei der so genannten Anbindehaltung würden die Kühe und Bullen das ganze Jahr über oder während der langen Wintermonate an einem Platz im Stall fixiert und dort gehalten, schreibt PETA in einer Pressemitteilung. „Sie können sich nicht bewegen, umdrehen, putzen oder soziale Interaktionen mit Artgenossen eingehen.“ Auch von „schmerzhaften Quetschungen und Verletzungen am Hals“, die durch die Anbindevorrichtungen verursacht würden, ist in der Mitteilung die Rede. Für Scarlett Treml, Fachreferentin für Tiere in der Agrarindustrie bei PETA Deutschland, ist daher klar: „Das dauerhafte Anbinden von Rindern muss endlich in die Geschichtsbücher verbannt werden.“

PETA beruft sich auf Urteil von Verwaltungsgericht Münster

Auftrieb erhielt PETA durch ein Urteil des Verwaltungsgerichts Münster (Nordrhein-Westfalen), das im Februar erklärt hatte, dass Rindern in Anbindehaltung zumindest zeitweise Auslauf gewährt werden müsse. Vor diesem Hintergrund folgte nun die Strafanzeigen-Kampagne PETAs, die auch den Betrieb am Tegernsee trifft. Sogar von „tierquälerischer Anbindehaltung“ ist in diesem Zusammenhang die Rede.

Auch Tierschutzverein verurteilt ganzjährige Anbindehaltung

Dass es im Landkreis Miesbach nach wie vor Landwirtschaftsbetriebe mit der umstrittenen Haltungsform gibt, weiß auch Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal. Dabei ist es in erster Linie die ganzjährige Anbindehaltung, die auch den Tierschützern in der Region ein Dorn im Auge sei, wie die Rottacherin auf Nachfrage erklärt. „Das verurteilen auch wir.“ Allerdings hält Ecker-Schotte nichts davon, einzelne Betriebe oder Personen an den Pranger zu stellen. Schließlich habe das System der Anbindehaltung jahrelang Bestand gehabt. Auch heute noch ist die Anbindehaltung von Rindern vom Gesetzgeber nicht verboten.

Vorsitzende des Tierschutzvereins sieht Politik in der Pflicht

Ecker-Schotte sieht vielmehr die Politik in der Pflicht. Die sei gefordert, den Rinderhaltern „schnellstmöglich Lösungen aufzuzeigen und sie finanziell so weit zu unterstützen, dass zumindest auf eine Saisonhaltung umgestellt werden kann“. Ecker-Schotte macht klar: „Viele Betriebe haben gar nicht die Fläche zum Austreiben.“ Hier müssten Möglichkeiten aufgezeigt werden. Eine saisonbedingte, also nur zeitweise Anbindehaltung wäre für Ecker-Schotte vertretbar, allerdings nur dann, wenn auch hier dem Tierwohl Genüge getan werde. Sprich: keine Ketten oder Ähnliches. „Trotz Stallhaltung muss es die Möglichkeit geben, dass sich die Tiere ordentlich hinlegen können.“

PETA ruft zu Boykott von Milch und Milchprodukten aus Bayern auf

Geht es nach PETA, so gehört die Anbindehaltung grundsätzlich und sofort verboten. Einen entsprechenden Aufruf richtet die Organisation im Rahmen ihrer Kampagne an die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und den baden-württembergischen Minister Peter Hauk. Da die jeweiligen Landesregierungen einen schnellen Ausstieg aus der Haltungsform aber blockieren würden, fordert PETA darüber hinaus alle Verbraucher dazu auf, „insbesondere Milch und Milchprodukte aus Bayern und Baden-Württemberg konsequent zu boykottieren“.

Appell: Verbraucher sollen zu veganen Produkten greifen

PETA geht noch einen Schritt weiter und mahnt, „dass das Leid der in landwirtschaftlicher Tierhaltung ausgebeuteten Rinder systembedingt ist“. Auch in Einrichtungen wie so genannten Laufställen würden die natürlichen Bedürfnisse der Tiere nicht erfüllt, heißt es in der Pressemitteilung der Organisation. Der Appell an die Verbraucher lautet daher auch, beim Einkauf zu veganen Produkten zu greifen.

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