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Tobias Gmachschließen
Die meisten neuen Wohnungen im Landkreis Starnberg wurden im vergangenen Jahr mit Wärmepumpen ausgestattet, dicht gefolgt von Gasheizungen. Das geht aus einer aktuellen Statistik hervor. Derweil wird die kommunale Wärmeplanung vermutlich auch für Gemeinden unter 10 000 Einwohnern ein Thema.
Landkreis – Auf das Stichwort kommunale Wärmeplanung reagiert Rainer Schnitzler, Sprecher der Bürgermeister im Landkreis, etwas ungehalten. „Wenn die Gemeinden schon mal wieder mit neuen Aufgaben beglückt werden, sollten sie auch das Geld dafür bekommen“, sagt er. Der Pöckinger Bürgermeister befürchtet, dass die Kommunen „mit einem kleinen Förderprogramm abgespeist werden“, das nicht ausreiche. Um eine genaue Bestandsaufnahme zu machen, müsse schließlich ein Fachbüro beauftragt werden. Die Planung dürfte nach aktuellen Aussagen von Bundesbauministerin Klara Geywitz auch für Orte unter 10 000 Einwohnern verpflichtend werden.
Schnitzler macht ein fiktives Szenario auf: Wenn jenes Büro dann für eine fünfstellige Summe herausfindet, dass ein Nahwärmenetz in Pöcking unwirtschaftlich ist, „wissen die Leute, dass sie alle selbst eine Wärmepumpe einbauen müssen“. Er kann sich zwar vorstellen, dass ein solches Netz in dicht besiedelten Bereichen wie etwa am Lindenberg funktionieren könnte, hegt insgesamt aber Zweifel an der Rentabilität. „Pöcking ist ein Straßendorf mit vielen Einfamilienhäusern. Uns fehlen die großen Schlüsselabnehmer.“
So hatte der Bürgermeister auch argumentiert, als 2019 ein Geothermie-Projekt beerdigt wurde. Und bei der Planung des Baugebiets am Ahornweg habe sich einst herausgestellt, dass eine gemeinsame Heizzentrale sich nicht rechnen würde.
Musterknabe Gilching: Nahwärmenetz und detaillierte Daten
Im Zuge der Diskussionen um das Heizungsgesetz habe „die gute Sache der Wärmepumpe einen schlechten Anstrich bekommen, den sie nicht verdient hat“, findet Schnitzler. Ob Schule, Pfarrhaus oder Beccult: Die Gemeinde setze bereits seit Jahren auf diese Technik. „Es ist die beste Form der Heizung.“ Und durch den steigenden CO2-Preis werde das Heizen mit Gas immer unattraktiver.
Deutlich entspannter blickt Gilchings Bürgermeister Manfred Walter auf das Thema. Die nördlichste Gemeinde des Landkreises ist so etwas wie der Musterknabe, verfügt als einzige über ein nennenswertes Nahwärmenetz, das bis Ende des Jahres über acht Kilometer Länge mit 300 angeschlossenen Wohn- und zehn Gewerbeeinheiten zählt. Dazu kommen rund 880 Interessenten – „Stand heute“, wie Klaus Drexler, Vorstand der Gemeindewerke, sagt. Ziel ist es, von Oktober 2025 an Fernwärme per Geothermie zu gewinnen.
Bis dahin wird die Wärme übergangsweise mit Holzpellets erzeugt. Vom Gewerbegebiet am Porsche-Kreisel breitet sich das Nahwärmenetz nach Westen in Richtung Landsberger Straße aus, bis 2025 sollen weitere Bauabschnitte bis ins Ortszentrum hinein in den Bereich Karolingerstraße folgen.
Dafür hat die Gemeinde bereits sehr viele Daten erhoben: Gebäude, Wärmebedarf, Heizungsarten, Anschlussraten – Gilching sei bei der kommunalen Wärmeplanung „deutlich weiter als viele andere“, sagt Manfred Walter. Dieser Prozess laufe bereits seit sechs, sieben Jahren. „Das waren damals extrem mutige Beschlüsse des Gemeinderats“, sagt Walter. Und diese zahlten sich jetzt aus. „Ich kann mir vorstellen, dass andere Gemeinden bei uns anklopfen und wir sie beraten.“ Ein kommunales Wärmenetz sei eine Frage des Vertrauens – und auch der Ortskenntnis. Wie weit andere davon entfernt sind, zeigt das Beispiel Starnberg: Dort wurde ein Antrag zum Aufbau eines Netzes kürzlich wegen Personalmangels vertagt.
Bei der Fernwärme stehe über allem die Frage, aus welcher Energiequelle die Wärme gewonnen werde. „Geothermie ist dafür der beste Erzeuger“, betont Walter. Wo das nicht möglich sei, baue er auf Wärmepumpen, auch auf große, zentrale Anlagen. „Die Zeit, in der wir für unseren Strom und unsere Wärme fossile Energieträger verbrannt haben, ist vorbei. Das gilt im Übrigen auch für Holz.“
Statistik im Landkreis: Wärmepumpen vor Gasheizungen
Eine aktuelle Auswertung des Statistischen Landesamts zeigt, welche Heizungsanlagen im vergangenen Jahr in neue Wohngebäude eingebaut wurden. Demnach wurden im Landkreis Starnberg 256 neue Wohngebäude mit insgesamt 529 Wohnungen erstellt. Davon erhielten 155 Gebäude (60,5 Prozent) sowie 257 Wohnungen (48,6 Prozent) eine Wärmepumpe (Geothermie plus Umweltthermie). Gasheizungen wurden in 78 Gebäuden (30,5 Prozent) und 196 Wohnungen (37,1 Prozent) verbaut.

