Noch mehr als ein Jahr, dann stehen Kommunalwahlen an. In Bad Tölz verspricht das eine historisch spannende Wahl. Erstmals wollen sich vier Kandidaten antreten.
Bad Tölz – Der Einzige, der sich bis jetzt voll aus der Deckung gewagt hat, ist Michael Lindmair (FWG), der schon im vergangenen April seine Bereitschaft zur Kandidatur erklärt hat und sich auch im Stadtrat immer deutlicher positioniert. Vier Anwärter auf die Nachfolge Josef Jankers „tun der Debatte nicht schlecht“, meint er, aber der Bürger werde sich auch mehr mit den einzelnen Bewerbern befassen müssen.
Auch wenn es die Spatzen längst von den Tölzer Dächern pfeifen: Ingo Mehner (CSU) hält sich aus grundsätzlichen Erwägungen noch über seine Kandidatur bedeckt. Der Wahlkampf solle ein Jahr davor nicht schon forciert werden, sagt er. Vier Kandidaten hält er für gut. Sorgen macht ihm nur, dass das Risiko einer Stichwahl steige. Da gebe es dann leider „traditionell eine niedrige Wahlbeteiligung in Tölz“.
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Noch ist nichts in Stein gemeißelt, aber vorstellen kann sich Michael Ernst schon, dass er bei der Kommunalwahl als SPD-Kandidat ins Rennen geht. Dass er ein Neuling auf der kommunalpolitischer Bühne ist, hält der 38-Jährigen nicht unbedingt für einen Nachteil. Er sei als gelernter Zimmerer, der zum Bankkaufmann umsattelte, vertraut mit Handwerk und Finanzen. Mit Blick auf Bad Tölz hätte der verheiratete Vater von zwei Kindern in den vergangenen Jahren durchaus mehr Handlungs- und Investitionsspielraum erkannt.
Kommunalwahl 2020/Bad Tölz: Historische Bürgermeisterwahl mit vier Kandidaten
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Ernst lebt seit 18 Jahren in Tölz und kommt aus der Bauhaus-Stadt Dessau. Baulich, findet er, solle Tölz aber besser Tölz bleiben. Nicht ganz unwichtig: Michael Ernst ist zweiter Vorstand des mitgliederstarken Tölzer Turnvereins und kämpft auch für die von der Stadt eher skeptisch gesehene Bewegungshalle. Wichtiges Ziel zudem: Als Listenführer Stimmen für die SPD ziehen. „Wenn drei Fraktionen mit Flaggschiff kämpfen und du alleine nicht, dann hast du ein Problem“, umschreibt es Fraktionssprecher Willi Streicher.
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Während FWG, CSU und SPD ihre Kandidaten wohl ausgeguckt haben, zieren sich die Grünen noch mit einer Namensnennung. Er gehe davon aus, sagt Franz Mayer, dass seine Fraktion einen Bürgermeisterkandidaten stellen werde. Dass er selbst, wie gemutmaßt wird, seinen Hut in den Ring werfen wird, verneint und bejaht er nicht: „Ich kann es nicht sagen, weil es bei uns noch völlig offen ist.“ Vor Herbst werde man sich dazu nicht äußern.
Christoph Schnitzer