VonChristiane Mühlbauerschließen
Bichl ist die einzige Gemeinde im Loisachtal, in der man 2014 eine gemeinsame Liste gebildet hatte. Vielleicht passiert es für die Wahl 2020 erneut.
Bichl – Die Kommunalwahl im März 2020 wirft ihre Schatten voraus. Bichl ist die einzige Gemeinde im Loisachtal, in der man 2014 eine gemeinsame Liste gebildet hatte. Das heißt, es gab keine Parteien oder Gruppierungen mehr, die jeweils eigene Personallisten für die Wahl aufstellten. Eventuell wird das 2020 wieder gemacht – alle Interessenten treffen sich am Montag, 29. Juli, um 19.30 Uhr im Stefanistüberl im „Bayerischen Löwen“, um darüber zu sprechen.
Rückblickend sind die Gemeinderäte und der Bürgermeister mit einer gemeinsamen Liste zufrieden. „Es stellen sich nur die Leute zur Wahl, die auch wirklich in den Gemeinderat wollen“, sagt Bürgermeister Benedikt Pössenbacher und meint damit, dass vielfach die hinteren Plätze einer Liste mit Personen „aufgefüllt wurden“. Ein weiterer Vorteil: Es kommen die Bewerber in den Rat, die auch die meisten Stimmen erhalten haben. Habe der Wähler hingegen Listen zur Auswahl, werde aufgrund des D’Hondt-Auszählungsverfahrens anders gewichtet.
Die Räte teilen Pössenbachers Ansicht. „Eine Kommunalwahl ist eine Persönlichkeitswahl. In Dörfern unserer Größe ist eine gemeinsame Liste gut möglich“, sagt zum Beispiel Dritter Bürgermeister Kilian Streidl. Außerdem habe es im Bichler Rat auch in früheren Jahren keine Fraktionspolitik gegeben: „Entscheidungen waren schon immer eine persönliche Sache.“
Auch Helmut Oppel ist von einer gemeinsamen Liste „sehr überzeugt“: „Fraktionszirkus und Parteiengeklüngel bleiben so außen vor.“ Man arbeite effektiver, wenn man keine Parteiinteressen berücksichtigen müsse.
Auch Helmut Kolbeck begrüßt eine solche Liste, meint aber auch kritisch: „Aus Sicht des Bürgers wäre es natürlich schon gut, wenn man wüsste, welche grundsätzliche politische Richtung jemand vertritt.“ Wichtig sei jedoch, im Gemeinderat konstruktiv zusammenzuarbeiten.
Franziska Waldherr will ebenfalls an einer gemeinsamen Liste festhalten. Es gebe keinen Programmzwang, wie man ihn bei Parteien hätte, und zudem komme der Wählerwille stärker zum Ausdruck, argumentiert die einzige Frau im Bichler Rat.
Kommunalwahl 2020 in Bichl: Warum kandidieren so wenig Frauen ?
Zwar gab es bei der Aufstellung vor der Wahl 2014 durchaus noch ein paar mehr weibliche Kandidaten, doch trotzdem hielt sich deren Interesse an Kommunalpolitik in Grenzen. Warum wohl? Der Bürgermeister ist ratlos: „Frauen engagieren sich ja sonst auch im Dorf“, sagt Pössenbacher. „Es würde mich freuen, wenn sich dieses Mal mehr Frauen politisch engagieren.“ Waldherr berichtet, sie werde häufig gefragt, „warum sie sich das antue“, berichtet die 30-Jährige. Viele Frauen würden sagen, sie hätten keine Zeit und „könnten das nicht“. Waldherr, ausgebildete Verwaltungsangestellte, hat einige Argumente parat, mit denen sie versucht, Frauen zu überzeugen: „Wenn man im Gemeinderat sitzt, bekommt man ganz andere Einsichten in die Entwicklung eines Dorfs“, sagt sie. Das fachliche Wissen dazu könne man sich aneignen „Das müssen Männer ja auch.“ Außerdem sei das Ehrenamt gut planbar, weil die Sitzungstermine am Jahresanfang festgelegt würden und die Zusammenkünfte immer am Abend seien: „Das kollidiert also nicht mit dem Beruf.“ Waldherr würde sich freuen, wenn noch mehr Frauen im Rat mitarbeiten: „Frauen bringen in Diskussionen oft noch ganz andere Aspekte ein.“
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Kommunalwahl 2020 in Bichl: Nominierung ist im Herbst
Zu der Versammlung am Montag sind alle kommunalpolitisch interessierten Bichler eingeladen. „Es wird ein offenes Gespräch“, sagt der Bürgermeister. Es sei wichtig, sich einen Überblick zu verschaffen, wie viele Personen aktives Interesse für eine Mitarbeit im Gemeinderat zeigen. „Man muss sehen, ob es 20, 40 oder 50 Personen sind.“ In Bichl gibt es 14 Gemeinderatssitze. Vor sechs Jahren stellten sich dafür 28 Personen zur Verfügung, das heißt, jeder zweite Bewerber kam in den Rat. Pössenbacher würde es unglücklich finden, wenn man bei mehr als 28 Interessenten trotzdem eine gemeinsame Liste bilden würde. „Dann findet ja schon eine Vorauswahl statt. Das würde ich nicht gut finden.“ Sollten sich recht viele Leute in Bichl um die Sitze bewerben, dann wären doch Listen besser.
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Egal, wie die Entscheidung ausfällt: Nominiert wird im Herbst. Und wie sieht es mit Pössenbachers eigener Zukunft aus? Ob er als Bürgermeister wieder kandidiere, werde er nach dieser Zusammenkunft entscheiden, sagt der Amtsinhaber.
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