VonChristiane Mühlbauerschließen
Ein Bürgermeisterkandidat sowie 24 Frauen und Männer, die sich auf einer gemeinsamen Liste für einen der 14 Sitze im Gemeinderat bewerben: Der Wahlkampf in Bichl verläuft ähnlich wie 2014 in ruhigen Bahnen.
Bichl – Es ist davon auszugehen, dass Amtsinhaber Benedikt Pössenbacher (53) wieder zum Rathauschef gewählt wird. Es wäre dann Pössenbachers dritte Amtszeit. 2014 holte er 88 Prozent der Stimmen. Der Tölzer Kurier sprach mit ihm über die Bichler Entwicklung.
Herr Pössenbacher, Sie haben lange gezögert, bekannt zu geben, ob Sie für eine dritte Amtszeit als Bürgermeister bereitstehen. Warum?
Eigentlich hatte ich ja letztes Jahr in der Bürgerversammlung gesagt, dass ich eher nicht mehr antreten möchte. Es gab in dieser Phase mehrere Todesfälle in der Region, die mir sehr nahe gegangen sind. Deshalb habe ich überlegt, ob ich nicht kürzer treten sollte. Aber dann habe ich sehr viel Zuspruch bekommen und mich ermutigt gefühlt, weiterzumachen. Wenn etwas Spaß macht, dann macht man es ja auch gerne. Bichl steht gut da. Das hängt aber auch mit dem Gemeinderat zusammen, und wir hatten jetzt einen sehr konstruktiven Gemeinderat.
Wie blicken Sie auf die vergangenen sechs Jahre zurück?
Der Gemeinde geht es aufgrund der Wirtschaftslage nicht schlecht. Wir konnten einiges umsetzen. Wir haben einige Grundstücke gekauft, Straßen saniert und auch Schulden getilgt. Obwohl die Straßenausbaubeitragssatzung weggefallen ist, konnten wir einiges realisieren, zum Beispiel die Siedlungsstraße und den Steinbachweg. Das Mischgebiet „Südlich Bahnhof“ wurde überplant. Aber es sind nicht immer nur die großen Projekte, die zählen, sondern auch die einzelnen Anliegen der Bürger. Die sind oft wichtiger als die Großprojekte, das darf man als Bürgermeister nicht unterschätzen.
Sie sind auch Zweiter Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft Benediktbeuern-Bichl. Das Verhältnis zu den Nachbarn war in den vergangenen Jahren nicht leicht. Wie haben Sie diese Zeit in Erinnerung?
Eine große und eine kleine Gemeinde in einer Verwaltungsgemeinschaft sind keine einfache Konstellation. Dass man da öfter als Juniorpartner dasteht, ist einfach so. Aber jetzt läuft es ganz gut, und wir haben eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen Bürgermeister in Benediktbeuern.
Welche Fehler haben Sie in den vergangenen sechs Jahren gemacht?
In so einem Beruf kann man nie alles richtig machen. Die Fehler dürfen aber nicht zu viel werden und nicht zu groß. Als Bürgermeister ist man ein Dienstleister. Vor 40, 50 Jahren war das anders. Das hat sich grundlegend gewandelt.
Einige Zeit stand sogar mal die Auflösung der VG im Raum. Ist das immer noch Thema für Sie?
Solange Bichl als gleichwertigen Partner angesehen wird, stellt sich für mich diese Frage nicht.
Im Gegensatz zu Ihrem Benediktbeurer Amtskollegen arbeiten Sie ehrenamtlich. Soll das auch so bleiben?
Bichl ist die größte Gemeinde im Landkreis mit einem ehrenamtlichen Bürgermeister. Bei Gemeinden bis 5000 Einwohnern ist der Bürgermeister grundsätzlich ehrenamtlich, wobei der Gemeinderat entscheiden kann, ob er hauptamtlich arbeiten soll. Vor 18 Jahren hatte der Bichler Gemeinderat entschieden, dass der Bürgermeister hauptamtlich werden sollte. Ein Bürgerentscheid hat das dann gekippt. Ich habe immer gesagt, dass ich ehrenamtlich anfange und auch so aufhöre. Aber ich denke schon, dass der Gemeinderat erneut darüber beraten wird. Bei mir passt die Konstellation mit dem Beruf. Aber ich weiß nicht, ob es nach mir noch jemand ehrenamtlich machen wird.
Sprechen wir über die Bichler Kommunalpolitik. Ein wichtiges Thema ist die Schaffung von Wohnraum, und der Gemeinderat hat für viele Projekte den Weg geebnet. Wächst Bichl zu schnell zu stark?
Bichl wächst zirka ein bis zwei Prozent pro Jahr. Das wurde im Gemeinderat so angestrebt, und diese Grenze haben wir in den vergangenen Jahren im Durchschnitt nie überschritten. Die Entwicklung wird aber auch davon abhängen, wie es mit der Innenverdichtung weitergeht, und wie die Baulücken bebaut werden. Wenn dies der Fall ist, werden wir die Ein-bis-zwei-Prozent-Grenze mit Sicherheit überschreiten.
Wie stehen Sie zu Geschosswohnungsbau?
Der Wohnbedarf ist ein großes Thema, nicht nur in Bichl. Unsere Gemeinde allein wird das für die Region nicht lösen können. Geschoßwohnungsbau wäre im Bereich „Südlich Bahnhof“ möglich. Ob man das will, muss der neue Gemeinderat entscheiden.
Ein wichtiges Thema in Bichl ist auch der Verkehr. 2018 fuhren rund 8000 Fahrzeuge täglich durchs Dorf. Sehen Sie überhaupt noch Chancen, hier eine Lösung zu finden?
Das Thema wird in jedem Gemeinderat erneut diskutiert. Ich habe für Herbst eine Klausurtagung angesetzt, und da wird es auch um dieses Thema gehen. Ich sehe ja täglich aus meinem Fenster im Rathaus, wie viele Autos hier durchfahren. Es sind wirklich extrem viele. Wenn wir ein bisschen mehr auf die Umgehungsstraße verlagern könnten, wäre das gut. Aber jede Beschränkung, die man macht, betrifft auch die Bichler Bürger. Deshalb muss alles wohlüberlegt sein.
Welche Projekte wollen Sie noch anpacken?
In diesem Jahr haben wir den Bauhof im Visier. Den Neubau wollen wir ohne Darlehensaufnahme finanzieren. In diesen Haushalt werden Kosten von rund 800 000 Euro eingestellt. Außerdem müssen noch mehrere Straßen saniert werden, und auch über ein Einheimischenmodell haben wir im Gemeinderat diskutiert. Wichtig ist auch der Breitbandausbau in den Außenbereichen. Letztlich kann man aber nicht sechs Jahre im Voraus planen. Es hängt alles davon ab, wie sich die Wirtschaftslage entwickelt.
Sie sind seit zwölf Jahren Bürgermeister. Auf welche Projekte sind Sie stolz?
Stolz – naja, eher dankbar bin ich für die gute Zusammenarbeit im Gemeinderat in den vergangenen Jahren. Der Bürgermeister macht nicht alles alleine! In Bichl hat sich durch die Beteiligung am Dorferneuerungsprogramm einiges verändert – ein neuer Dorfplatz, ein neues Rathaus, ein Naturfreibad zum Beispiel. Vom jetzigen Gemeinderat hören nur drei Mitglieder auf, zwei davon sind schon seit 30 Jahren dabei. Alle anderen stellen sich zur Wiederwahl. Das zeigt, dass es gut läuft bei uns. Und das ist schön.
Werden Sie 2026 definitiv als Bürgermeister aufhören?
Mit Sicherheit! Dann war ich 18 Jahre Bürgermeister, und dann ist Schluss.
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