VonAndreas Beschornerschließen
Die Podiumsdiskussion des Freisinger Tagblatts mit den sieben Freisinger OB-Kandidaten bot fast drei Stunden lang Hochspannung. Jetzt haben die Bürger die Qual der Wahl.
Freising – Oberbürgermeister von Freising – das ist offenbar ein „Traumjob“, mutmaßte FT-Redaktionsleiter Helmut Hobmaier. Denn sechs Männer und eine Frau bewerben sich am 15. März um dieses Amt – sechs Männer und eine Frau, die sich am Donnerstagabend bei der Podiumsdiskussion im Lindenkeller-Oberhaus erst den Fragen von Hobmaier stellten, dann den Besuchern Rede und Antwort standen (Seite 5). Ein spannender, ein informativer, ein aufschlussreicher Abend.
Sieben „Bewerbungen“ mit deutlichen Worten
Wohnen, die Zukunft der Luitpoldanlage, der Verkehr, die Innenstadt – Themen gibt es in Freising wahrlich genug, über die es sich zu diskutieren lohnt. Und diskussionsfreudig war das Septett auf der Bühne durchaus: Jens Barschdorf (FDP), der Freising schöner, kinderfreundliche und besser machen will, wie er in seiner „Bewerbung“ sagte; Tobias Eschenbacher (FSM), der nach acht Jahren im Amt das, was er zusammen mit dem Stadtrat „auf die Beine gestellt“ hat, gerne weiterführen würde; Susanne Günther (Grüne), die Freising zur „Klimahauptstadt in Deutschland“ machen will; Jürgen Mieskes (CSU), der agieren will statt reagieren und dafür einen „Zukunftsplan“ aufstellen will; Richard Paukner (AfD), mit dem an der Spitze Freising „raus aus dem Kleinstadtmilieu“ soll; Ulrich Vogl (ÖDP), der die Stadt so umbauen will, dass man klimaneutral wird; und Peter Warlimont (SPD), der sich Freising als „soziale Stadt“ wünscht, in der alle Menschen „ohne Hass und Hetze“ leben können.
Bezahlbarer Wohnraum: Am „Wie?“ scheiden sich die Geister
Wenn es um Wohnen – also um bezahlbares Wohnen – geht, dann sind sich alle Kandidaten einig: Man muss etwas tun. Doch beim „Wie?“ scheiden sich die Geister: Günther sagte, man müsse „bauen, bauen, bauen“, die Stadt dürfe aber ihre Grundstücke nicht an Spekulanten verkaufen. Mieskes forderte, die Stadt müsse freilich selbst bauen, aber auch neue Baugrundstücke ausweisen. Eschenbacher nannte als Maßnahmen, den Bestand an städtischen Wohnungen zu erhöhen und auch genossenschaftliches Bauen zu fördern. Nur gehe das halt nicht von heute auf morgen. Warlimont würde all die Maßnahmen „stärker bündeln“, ihm schwebt ein „Masterplan“ vor, der auch die größeren Arbeitgeber ins Boot holt, der Leerstandsmanagement und einen Mietspiegel beinhaltet.
So einen „Gesamtplan“ würde sich auch Barschdorf wünschen. Und: „Wir müssen die Verfahren schneller machen“, dann werde auch Bauen und Wohnen nicht so teuer. Vogl, der sich den Bau von 100 städtischen Wohnungen pro Jahr auf die Fahnen geschrieben hat, fand es „ein Unding“, dass der Flughafen seit 25 Jahren nicht bereit sei, Wohnungen zu bauen – eine Aussage, die Mieskes relativierte: Die FMG wolle beispielsweise in Attaching Wohnraum für Mitarbeiter schaffen, was aber meist am Stellplatzschlüssel scheitere. Er als OB würde da etwas ändern. Und Paukner? Der hatte „keine konkreten Lösungen“ gehört, würde die Baugenehmigungen beschleunigen und die Luitpoldanlage zum Bauland für Wohnungen umwandeln, Sportanlagen und Halle auf den ehemaligen Standortübungsplatz bei Untergartelshausen verlagern.
Mit dieser Idee stand Paukner ganz allein da auf dem Podium. Die meisten anderen Kandidaten waren sich einig, dass man die Sportanlagen, das Volksfest und auch eine neue Stadthalle dort belassen solle. Vogl würde allerdings die Sportanlagen ans Seilerbrückl verlagern, um die Luitpoldanlage zum „Stadtpark“ umzuwandeln, Günther würde den Wertstoffhof verlagern, um dort dann „ein Kreativ- und Kulturzentrum“ zu errichten. Warlimont warnte: Das höre sich ja alles gut an, koste aber Millionen und sei deshalb erst mittelfristig zu realisieren. Ähnlich Eschenbacher: Man müsse die Luitpoldanlage „neu ordnen“, ja. Man müsse auch an eine neue, größere Stadthalle denken, ja – aber angesichts der zu erwartenden Kosten hätten der Bau von Schulen, Kitas und Wohnungen derzeit Vorrang.
Innenstadtumbau offenbart Unterschiede
Unterschiede offenbarten sich, als es um den Innenstadtumbau ging: Eschenbacher sagte, er hätte nichts dagegen, die ganze Innenstadt zur Fußgängerzone zu machen, betonte aber, das jetzige Konzept sei mit allen Beteiligten abgesprochen und auch so beschlossen worden. Wichtig: Wie sich der Umbau auswirke, könne man erst sehen, wenn die Maßnahme zur Gänze abgeschlossen sei. Ähnlich sah das Warlimont: Man müsse dem jetzigen Konzept „eine Chance“ geben. Die Innenstadt für Radfahrer abzusperren, wäre kontraproduktiv für das Konzept einer Radlstadt Freising, mit dessen Umsetzung man begonnen habe. Noch wichtiger sei es, die Schulwege sicherer, beispielsweise die Wippenhauser Straße zu einer Fahrradstraße zu machen, so Günther.
Während Vogl die gesamte Innenstadt zur Fußgängerzone machen will, war Paukner grundsätzlich skeptisch: Wenn man der Verkehr aus der Innenstadt verbanne, „dann stirbt die Stadt aus“. Mieskes’ These: „In unserer Innenstadt haben Autos nichts mehr verloren.“ Freilich: Das bisher verlegte Pflaster sei „ein Graus“, man brauche mehr Bäume, um das Aufheizen der Innenstadt zu verhindern. Da war er sich mit Barschdorf einig, der den Pflasterbelag allerdings für sehr schön hält.
Knifflige Fragen an jeden
Am Ende die Einzelfragen für jeden Bewerber: Vogl würde sich als OB wohl den Dienstwagen sparen, Paukner konnte die von ihm angeführten „Leichen im Keller“ der anderen Bewerber nicht benennen, entschuldigte sich, „wenn ich das falsch formuliert habe“. Mieskes würde sich, sollte die Startbahn gebaut werden, nicht an einen Bagger ketten, bei Demos aber, wenn es denn dem Effekt geschuldet sei, ganz vorne mitmarschieren.
Günther leitete die Frage, ob sie im heimischen Haushalt den Überblick habe, erst an ihren Mann weiter, sagte dann aber, dass sie ihn schon im Griff habe. Eschenbacher sprach von „wirklich guten Kandidaten“, ist aber selbstverständlich von sich als OB überzeugt. Barschdorf – der Volleyballer – würde auf keinen seiner Mitbewerber schmettern, Vogl würde mit Eschenbacher Radtouren machen, wenn seine Frau mal keine Lust mehr habe. Warlimont fand an seinen Mitbewerbern toll, „dass ich mich mit keinem von ihnen bisher menschlich gestritten habe“.
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