Kommunalwahl in Fürstenfeldbruck

„Die Partei“ startet Gaudi-Wahlkampf

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Mit ihrem Spitzenkandidat Florian Weber (vorne 3.v.r.) will die Partei „Die Partei“ in den Brucker Stadtrat einziehen.
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Sie sitzen bereits im Europaparlament und im Stadtrat. Das soll auch so bleiben. Die Satirepartei „Die Partei“ hat jetzt ihre Kandidatenliste für die Kommunalwahl 2020 aufgestellt.

Fürstenfeldbruck – Journalisten sind nicht unbedingt erpicht darauf, „Die Partei“ bei Tagungen zu besuchen, um danach ernst zu nehmende Berichte zu schreiben. Weshalb am Sonntagabend auch extra zwei für „Medien und TV-Teams“ reservierte Tische im Unterhaus gähnend leer blieben. Dennoch: Florian Weber (33) hat die vom mittlerweile im Europaparlament vertretenen Parteigründer Martin Sonneborn (der aus der ZDF-heute-show) großen Gummigaudistiefel längst ausgefüllt. Und auch den weiteren 39 Kandidaten, der Partei „Die Partei“ ist bei allem Spaß auch eine gewisse Ernsthaftigkeit nicht abzusprechen. Auch wenn die kommunalpolitischen Ziele nur ein überschaubares Wählervolk (im „Die-Partei“-Jargon: Wahlvieh) erreichen dürften. Die Sprengung der Amperbrücke gehört immer noch dazu. Dafür steht eine Partyzone auf der Halbinsel ebenso erstmals im Parteiprogramm wie Favelas am Amperufer (die Wellblechhütten sind als Sozialprojekt vorgesehen).

Klubhouse-Wirt Weber, der den Wahlkampfauftakt im befreundeten Unterhaus zelebrierte, hatte für „Die Partei“ bei der Europawahl im Mai in Bruck immerhin drei Prozent der Stimmen erobert. Ähnliches strebt er auch bei der Stadtratswahl im März an, nachdem er als Spitzenkandidat bei der Bürgermeisterwahl schon mal 3,7 Prozent geschafft hat. Wobei Weber einen dörflich geprägten Stadtteil schon von seiner ganz persönlichen politischen Landkarte gestrichen hat: Aich ist für ihn Feindesland. Nachdem er von dort noch nie auch nur ein einzige Stimme bekommen hat, bekam der Ort eine eigene Facebook-Seite verpasst. Titel: „Wir hassen Oach“.

Namensvetter des Ex-OB tritt an

Dabei täte Weber vielleicht diesmal gut daran, die Aicher nicht ganz zu verprellen. Denn auf dem aussichtsreichen Listenplatz vier steht ein Name, der in Bruck unmissverständlich mit dem Bürgermeisteramt verknüpft wird: Kellerer – allerdings nicht der legendäre Sepp, sondern Johannes. Der stammt zwar nicht aus Aich, sondern lebt in Lindach, ist aber „über acht Ecken“ wie er glaubt, mit dem ehemaligen CSU-Rathaus-Chef verwandt oder verschwägert.

Ein anderer Kandidat war eigentlich für Listenplatz 24 vorgesehen. Doch nachdem Tim Niklas seine Bewerbungs-Performance mit der legendären Greta-Rede vor der UN in eine bayerisch-englische Version verpackt hatte, wurde er von den Spaßparteigenossen auf Rang sechs vorgehäufelt.

Bei „Die Partei“ finden sich Kandidaten aller Altersklassen

Mit einem Durchschnittsalter von 34,8 Jahren und 13 Frauen auf der Liste will sich „Die Partei“ im Generations-Mittelfeld etablieren. Weshalb Weber stolz darauf ist, gleich vier aus der Ü50-Gattung hinter sich gebracht zu haben. Die hat er schon mal darauf vorbereitet, wie es ihnen ergehen wird, sollten sie tatsächlich den Sprung ins Stadtparlament schaffen und ein Antrag von den etablierten Honoratioren behandelt wird: „Sie lachen dich aus oder schütteln den Kopf.“ Wobei Weber tatsächlich schon mal einen Antrag durchbekommen hat: Als Achtjähriger mit seinen Geschwistern, als ein Spielplatz am Sonnenplatz genehmigt wurde.

Was die Wahlgaudi jetzt noch verhindern könnte, sind 215 Spaßverderber. So viele Unterschriften benötigt „Die Partei“, um überhaupt mit einer Stadtratsliste antreten zu können. Auf eine Bewerbung für den Kreistag verzichtet Weber. Dafür wären 470 beurkundete Unterstützer notwendig.

Das sind die Kandidaten

1. Florian Weber, 2. Lisa Grießhammer, 3. Patrick Weber, 4. Johannes Kellerer, 5. Sophie Frisch, 6. Tim Niklas, 7. Quirin Knospe, 8. Agnes Daumer, 9. Kira Knospe, 10. Benjamin Bauer, 11. Mazlum Akdag, 12. Jonas Schmidl, 13. Peter Hoffmann, 14. Anja Andre-Hofmann, 15. Lisa Schildhauer, 16. Kerstin Wölfle, 17. Sandra Knospe, 18. Vanessa Neukunft, 19. Elisabeth Müller, 20. Anja Schaller, 21. Emanuela Ciurli, 22. Dirk Nobis, 23. Thomas Knospe, 24. Marcus Schwarz, 25. Sebastian Pittrich, 26. Andreas Hofner, 27. Christian Negelein, 28. Mathias Purzel, 29. Julius Renke, 30. Bastian Wölfle, 31. Sebastian Ayernschmalz, 32. Marcel Belan, 33. Dominik Eisenhard, 34. Patrick Fissel, 35. Andreas Henftling, 36. Andre Schunk, 37. Livio Skvorg, 38. Robert Stadie, 39. Tim Fleischer, 40. Lisa Rau.

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