Kommunalwahl 2020

Podiumsdiskussion in Emmering: Wer kann Bürgermeister?

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Auf dem Podium: Tagblatt-Moderator Peter Loder (M.) mit (v.l.) Fritz Cording (parteifrei, auf der Liste der Freien Wähler), Stefan Floerecke (CSU), Maximilian Gerber (FDP) und Ulrike Saatze (Grüne
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Enormer Andrang bei der Podiumsdiskussion in der Emmeringer Amperhalle: Rund 550 Besucher wollten sich ein Bild von den Bürgermeister-Kandidaten machen. Sogar extra Stühle mussten noch herbei geschafft werden.

Emmering – „Emmering ist eine Insel der Glückseligen und ein wahres Wohlfühlparadies.“ So beschrieb Tagblatt-Redakteur Peter Loder seine ehemalige Heimatgemeinde. Dennoch hatte er sich als Moderator bei der vom Tagblatt organisierten Diskussion auf einen Schlagabtausch eingestellt: Neben ihm stand eine Glocke, wie man sie vom Boxen kennt. Mit dieser wollte er die Redezeit der Kandidaten begrenzen. Sollte einer länger als im Vorfeld vereinbart sprechen, wollte er läuten. Doch das musste er nur einmal tun – als Test, ob sie auch laut genug ist.

Eigentlich sollten fünf Namensschilder auf dem Podium stehen. Doch es waren nur vier – und zwar die von Fritz Cording (parteifrei für die Freien Wähler), Stefan Floerecke (CSU), Maximilian Gerber (FDP) und Ulrike Saatze (Grüne). Tomas Kraut (SPD) konnte aus persönlichen Gründen nicht teilnehmen. Sein Parteifreund Eberhard Uhrich stellte ihn und seine Ziele kurz vor.

Quiz mit Biss

Damit die Bewerber gut gestärkt durch den Abend kamen, gab es bei drei Fragen zur Gemeinde jeweils eine Packung Studentenfutter zu gewinnen. Der Moderator wollte unter anderem wissen, wie viele Bushaltestellen Emmering hat (Lösung: 25). Anscheinend waren es zu leichte Fragen für die Kandidaten, denn jeder bekam mindestens einmal eine Tüte.

Busverkehr im Ort

Mangels einer S-Bahn-Haltestelle in Emmering – die aber von den meisten Kandidaten propagiert wurde – drehten sich die Fragen zum Öffentlichen Nahverkehr vor allem um Busse. Ulrike Saatze hätte gern, dass sich die beiden Linien 844 und 843 an einer Haltestelle treffen, sodass der Umstieg leichter wäre. Gerber forderte eine bessere Taktung – vor allem am Wochenende. Cording konzentrierte sich auf die Haltestellen selbst. Diese sollten barrierefrei, überdacht und mit Radabstellplätzen ausgestattet sein. Floerecke ist mit dem Bus-Angebot zufrieden. Er sieht noch Verbesserungspotenzial bei der Zuverlässigkeit und dem Rufbus.

Tagblatt-Redakteur Peter Loder (M.) nahm unter den Augen des scheidenden Bürgermeisters Michael Schanderl die Nachfolge-Kandidaten (v.l.) Ulrike Saatze (Grüne), Maximilian Gerber (FDP), Stefan Floerecke (CSU) und Fritz Cording (Freie Wähler) ins Kreuzverhör

Südwest-Umfahrung

Das Wahlkampfthema der Nachbarkommune schlechthin durfte auch nicht fehlen: die Südwest-Umfahrung Olching (oder Nordost-Umfahrung Emmering). Floerecke befürwortet den Bau, allein schon wegen des gemeindlichen Interesses, das Gewerbegebiet Untere Au besser anzubinden. Auch Cording befürwortet mit Blick auf den Bevölkerungszuzug in der Region die Trasse. Er will sich aber mehr auf den innergemeindlichen Verkehr konzentrieren. Mietbare Lastenräder, Car-Sharing und E-Bike-Ladestationen schlägt er als Alternative zum Auto vor. Saatze will keine weiteren Umfahrungen. „Das lockt nur mehr Verkehr an.“ Es brauche ein interkommunales Verkehrskonzept, so die Grünen-Kandidatin.

Gewerbe

Die Gewerbesteuereinnahmen seien in Emmering weit unter Bundesdurchschnitt. Was würden die Kandidaten, ändern, wollte ein Bürger wissen. Das richtige Gewerbe anzulocken sei schwierig aber machbar, sagte Gerber. Dafür benötige man Zeit. Und Saatze denkt, dass eine gute Anbindung an den ÖPNV das beste Lockmittel für Firmen sei. Da viele Grundstücke Privatleuten gehören, brauche es andere Stellschrauben um Gewerbe anzuziehen, sagte Cording. Beispielsweise schnelles Internet. Floerecke sieht das anders. Er fordert eine Grunderwerbsstrategie. So hätte die Gemeinde als Grundstückeigentümer die Entscheidungshoheit bei der Ansiedlung von Gewerbe.

Mensa in der Schule

Für den CSU-Spitzenkandidaten führt kein Weg an dem Bau einer eigenen Mensa für die Grund- und Mittelschulen vorbei. Dafür müsse man eine Industrieküche mit Pächter finden, „so dass wir die Hand drauf haben, was unsere Kinder essen“. Cording hingegen sieht bereits genug Potenzial in den bestehenden Gebäuden. „Man könnte leer stehende Räume in einen Mensa-Bereich umbauen“, schlägt er vor. Für eine bessere Mittagsbetreuung statt einen Zusatzbau, plädierte Saatze. Und Gerber will gleich das Gesamtpaket mit Mensa und Betreuung.

Natur und Klima

Für Floerecke ist nur eine großflächige Photovoltaik-Anlage sinnvoll und vorstellbar. Cording nahm jeden einzelnen Bürger in die Pflicht, klimafreundlicher zu handeln. Der FPD-Mann Gerber ist gegen Insellösungen. Dennoch könne man als kleine Gemeinde Vorbild sein. Saatze will mit dem Vorurteil aufräumen, die Grünen seien nur eine Verbotspartei. Man wolle nur mit moderner Technik die Stromerzeugung und den Verkehr klimafreundlicher machen.

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