Die CSU hat am Mittwochabend in den Ratsstuben als erste Partei in Geretsried ihre Kandidatenliste für die Stadtratswahl am 15. März 2020 vorgestellt. Auf den ersten 13 Plätzen – so viele Sitze hält die CSU aktuell ohne Bürgermeister – bewerben sich überwiegend amtierende Stadträte. Ein wichtiges Zugpferd fehlt.
Geretsried – Jünger, frischer, weiblicher? Das kann man von der Liste nicht unbedingt behaupten. Sie wird angeführt von Bürgermeister Michael Müller, den der Ortsverband im Februar bereits einstimmig nominiert hat. „Hinter seiner Politik gilt es nun, dass wir uns scharen und diese in die Zukunft hineintragen“, las der Ortsvorsitzende Ewald Kailberth seine vorbereitete Lobrede auf die CSU vom Blatt ab.
Unter Müller, der hoffentlich wiedergewählt werde, sei vieles angepackt worden, so Kailberth, der gleichzeitig Fraktionsvorsitzender ist. Es gelte, die weiteren Großprojekte wie Sanierung der Mittelschule, Schaffung bezahlbaren Wohnraums auf dem Lorenz-Areal, B11-Verlegung und S7-Verlängerung mit demselben Elan weiterzuverfolgen. Bildung, Familienfreundlichkeit, Sport und Lebensqualität würden ganz oben auf der Agenda stehen.
Der CSU-Vorstand hat beschlossen, diesmal nur Parteimitglieder zu nominieren. Am Montag stellte er die Liste intern zusammen. An Kandidaten habe es nicht gemangelt, berichtete Kailberth. Es sei nicht einfach gewesen, die Reihenfolge festzulegen, doch die Entscheidung sei einstimmig gefallen. Am Mittwoch wurde die Liste von den 35 anwesenden, stimmberechtigten Mitgliedern in einer Ablehnung abgesegnet. Es gab keine Änderungswünsche oder weitere Kandidatenvorschläge.
Die offizielle Nominierung, die gerade mal ein paar Minuten dauerte und vom Dritten Bürgermeister Gerhard Meinl in Impresario-Manier geleitet wurde, erweckte den Anschein, es herrsche eitel Sonnenschein im Ortsverband. Doch hinter den Kulissen brodelte es wohl im Vorfeld. Das deuten Volker Reeh (siehe Interview) und Wolfgang Möckel gegenüber unserer Zeitung an. Ihre Namen sind nicht auf der Liste zu finden, ebenso wie der von Gerda Bretz (76). Reeh – stets ein Zugpferd – wurde nicht aufgestellt, Möckel zog seine Bewerbung nach eigenen Angaben am Mittwoch vor der Versammlung zurück. „Ich bin mit einigen strategischen Entscheidungen nicht zufrieden“, erklärt er im Gespräch.
Neu auf den ersten 14 Plätzen sind Martin Huber aus Gelting, Helga Knoppek aus Gartenberg und Alexander Totzauer von der Jungen Union. Der Rest gehört dem Stadtrat bereits an – darunter immerhin drei weitere Frauen. Insgesamt sind nur sechs der 30 Kandidaten weiblich, was laut Ewald Kailberth nicht am Willen des Ortsvorstands, sondern am Interesse der Frauen lag.
Zehn Kandidaten sind am Wahltag unter 50 Jahre alt. Christos Saridis (34) und Martin Huber (36) sind die Jüngsten im Spitzenfeld. Der Polizeibeamte Huber – verheiratet, zwei Kinder – ist erst seit einem Jahr in der Partei. „Ich will nicht nur in der Vergangenheit verhaftet bleiben, sondern auch die Zukunft leben. Eine Kombination aus beidem zu finden, wird die Herausforderung“, sagt das Mitglied der Brauchtumsgruppe Gelting.
Lange überlegt, ob er noch einmal antritt, hat Franz Wirtensohn. „Mein Herz schlägt halt für die Kommunalpolitik. Ich würde Gelting gerne weiterhin vertreten“, sagt der 65-Jährige. Ein großes Ziel möchte Entertainer Hans Ketelhut (69), sollte er gewählt werden, noch verwirklichen, wie er erklärt: einen Musik-Kindergarten unter der Trägerschaft der Musikschule.
Tanja Lühr