VonAndreas Baarschließen
Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Bad Bayersoien wird - Stand jetzt - bei der Kommunalwahl 2020 zwei Bewerber für das Bürgermeisteramt haben.
Bad Bayersoien – Amtsinhaberin Gisela Kieweg (listenfrei) und Rupert Haseidl („Gemeinsam für unser Dorf“/GUD) erklärten beide in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend, dass sie antreten wollen. Hintergrund war die Debatte um die künftige Rechtsstellung des Rathauschefs – es ging um Haseidls Antrag, den neuen Bürgermeister Soiens hauptamtlich zu installieren (wir berichteten).
Gerüchte, dass der 38-jährige Zollbeamte, seit 2011 ESV-Vorsitzender, Ambitionen für dieses Amt hat, schwirrten schon länger durch den Kurort. Nun sprach Haseidl erstmals Klartext. „Ich habe mich dazu bereit erklärt“, sagte er über eine Kandidatur auf der GUD-Liste. Die Gruppierung wolle einen Bewerber für die Kommunalwahl 2020 aufstellen. „Egal, ob ehrenamtlich oder hauptamtlich“, fügte Haseidl mit Blick auf seinen Antrag hinzu. Die Aufstellungsversammlung soll im Januar stattfinden. „Ich engagiere mich gern fürs Dorf und will mich einbringen“, begründet er auf Nachfrage seine Entscheidung. Auch gebe es noch viel in Bad Bayersoien zu erledigen.
Kommunalwahl 2020: Welche Aufgaben hat der Bürgermeister?
Bürgermeisterin: Kandidatur auch bei Ehrenamt
Dass Kieweg eine zweite Amtzeit anstrebt, war kein Geheimnis. Offiziell erklärt hatte sie sich bislang nicht. „Ich werde auch kandidieren, wenn es ehrenamtlich bleibt“, sagte sie nun. Die 53-jährige, gelernte Buchhändlerin trat 2014 die Nachfolge von Eberhard Steiner an. Ihr Antrieb für eine erneute Bewerbung: „Weil es wahnsinnig Spaß machen kann.“ Es gebe noch große Projekte, „die wir angestoßen haben und die ich zu Ende bringen will“, ergänzt sie mit Blick auf den kommunalen Wohnungsbau oder die künftige Nutzung des Bierling-Hauses als Dorfzentrum. Ob Kieweg wieder als Einzelkämpferin – ohne Liste – antreten wird, ist unklar. Zeit für eine Aufstellung bleibt bis Mitte Januar.
Alle Kandidaten im Überblick
In der Gemeinderatssitzung musste Rupert Haseidl eine Niederlage einstecken. Sein Antrag auf einen Hauptamtlichen Bürgermeister fiel im Gremium nach intensiver Diskussion mit 5:7-Stimmen durch. Es sei wichtig, dass die Gemeinde jemand habe, „der sich nur um Bürgermeister-Tätigkeiten kümmert“, begründete Haseidl seinen Vorstoß. „Man hat den Kopf frei.“ Die Mehrausgaben sollten es Bayersoien wert sein, allerdings räumte er ein: „Das ist ein Haufen Geld.“
Die finanziellen Auswirkungen für eine Veränderung seien nicht unerheblich, war Kiewegs Rechnung zu entnehmen. Bislang kostet der Bürgermeister mit seiner Aufwandsentschädigung von um die 3800 Euro monatlich plus diverser Leistungen knapp über 56 000 Euro im Jahr. Beim Hauptamtlichen hat die VG-Verwaltung in der notwendigen A13-Anstellung als Beamter auf Zeit (5417 Euro im Monat) plus Zuschläge und Beihilfen fast 104 000 Euro im Jahr kalkuliert. Mache laut Kieweg in sechs Jahren Amtszeit fast 288 000 Euro an Mehrkosten. Nicht zu vergessen die Pensionszahlungen. Das Geld könne man „für den Ort anders ausgeben“, so ihr Argument.
Mehrheit gegen einen Hauptamtlichen
Zahlen, die Wirkung im Gremium zeigten. Franz Doll sprach sich gegen einen Hauptamtlichen aus: „Unser Ort ist dafür einfach zu klein.“ Die Gemeinde solle sich das Geld lieber sparen, weil es auch mit einem freiwilligen Rathauschef gehe, so Karl-Heinz Schuster. Reiner Frühschütz-Grüning („Wir haben sechs Jahre Zeit“) sieht derzeit ebenfalls keinen Bedarf, etwas zu ändern. Auch für Hans Klöck ist angesichts von zwei Kandidaten, die es ehrenamtlich machen würden, zum jetzigen Zeitpunkt eine neue Rechtsstellung „nicht nötig“. Als klarer Befürworter einer Änderung outete sich dagegen Tobias Maier, der den Vollzeitjob nur positiv sieht – gerade bei der Projektbegleitung: „Wenn man mehr Zeit hat, kann man mehr Geld einsparen.“
Am Ende sprach sich die Mehrheit dafür aus, es zu belassen. Soiens Bürgermeister bleibt wie bisher ehrenamtlich. Die gleiche Entscheidung hatte der Gemeinderat Ende 2013 vor der letzten Wahl getroffen – damals aus finanziellen Gründen.
