VonAndreas Steppanschließen
Ein weiterer Kandidat steigt ins Rennen um den Tölzer Landratsposten ein: Er kommt von der Linken.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Mit dem 34-jährigen Tölzer Sebastian Englich bewirbt sich ein fünfter Kandidat um das Amt des Landrats. Wie er selbst auf Anfrage bestätigt, hat ihn bereits am 14. Dezember die Partei „Die Linke“ im „Kolberbräu“ in Bad Tölz nominiert. In derselben Versammlung stellte die Gruppierung auch eine Kreistagsliste mit 20 Bewerbern auf. Damit tritt die Linke auf Kreisebene erstmals zur Kommunalwahl an.
Wie Englich im Gespräch mit dem Tölzer Kurier erklärt, hat die Linke im Landkreis aktuell 25 Mitglieder. Die Kreistagsliste habe man aber auch für Nicht-Mitglieder geöffnet. So gehöre einer der Kandidaten der Satire-Gruppierung „Die Partei“ an.
Der Wahl-O-Mat brachte Englich zur Partei
Englich selbst trat der Linken erst vor einem Jahr bei, hatte die Partei aber bereits im Bundestagswahlkampf 2017 unterstützt. Zuvor hatte er sich für die Piratenpartei engagiert. Als er merkte, dass sich die Piraten in eine aus seiner Sicht ungünstige Richtung entwickelten, habe er sich „auf die Suche gemacht, wo ich mich politisch einordnen kann“. Dabei habe ihm letztlich der „Wahl-O-Mat“ der Bundeszentrale für politische Bildung geholfen.
Der Bäckermeister, der beim Geretsrieder Tiefkühlpizzenhersteller „Franco Fresco“ angestellt ist, stammt ursprünglich aus der Niederlausitz (Brandenburg), zog aber schon mit 17 Jahren nach Bayern und lebt seit 2008 in Bad Tölz. Hier ist er vielfältig ehrenamtlich engagiert: Er packt bei der „Tölzer Tafel“ mit an, wirkt für die Jugendförderung zum Beispiel bei Veranstaltungen wie dem Winterfest oder dem Fahrradflohmarkt im Bürgerhaus mit und bietet Ferienpass-Kurse an. Im Mehrgenerationenhaus brachte er sich beim wöchentlichen Mittagstisch ein – bis es ihm die beruflichen Dienstzeiten nicht mehr erlaubten.
Das Wahlprogramm muss noch ausgearbeitet werden
Ihr Wahlprogramm möchte die Linke unter Einbindung ihrer Mitglieder erst noch ausarbeiten. Auf der Themenliste ganz oben stehen laut Englich der Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs und der Einsatz für bezahlbaren Wohnraum. Ein persönliches Anliegen sei ihm, den Wasserstoff-Antrieb für Autos zu fördern, etwa mit Wasserstoff-Tankstellen vor Ort. „Beim Thema Elektromobilität sehe ich einige Schwierigkeiten. Wenn halb Tölz Elektroauto fährt und alle gleichzeitig ihr Auto aufladen, wäre das Stromnetz überlastet.“
Englich und seine Mitstreiter haben es durchgerechnet: Wenn die Linke im Landkreis wieder so viele Stimmen bekommt wie zuletzt bei der Landtags- und Europawahl, könnte es mit dem Einzug in den Kreistag klappen. „Dann würden wir ein bis zwei Kandidaten reinbekommen.“
Neben Sebastian Englich fordern bei der Landratswahl 2020 auch Anton Demmel (CSU), Filiz Cetin (SPD) und Klaus Koch (Grüne) den Amtsinhaber Josef Niedermaier (FW) heraus.
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