Öko-Partei will mehr Sitze im Gemeinderat

Kommunalwahl 2020: Murnaus Grüne in Lauerstellung

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An der Spitze des Ortsverbandes der Grünen: die beiden Sprecher Veronika Jones und Thomas Stärz.
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Murnaus Grüne strotzen, getragen vom Höhenflug ihrer Partei, vor Selbstbewusstsein – und haben die nächste Kommunalwahl im März 2020 fest im Blick. Das Ziel ist klar: mehr Sitze im Gemeinderat. Und auch über einen Bürgermeister-Kandidaten wird ernsthaft nachgedacht.

Murnau – Murnaus Wahlkämpfer bringen sich zwar allmählich in Stellung und verschärfen den Tonfall. Über wichtige Personalien wird allerdings noch der Mantel des Schweigens gehüllt. Die spannendste Frage lautet: Wer fordert bei der Kommunalwahl in gut sieben Monaten den amtierenden Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) heraus? Bislang hat sich noch kein Anwärter aus der Deckung gewagt.

Auch Murnaus Grüne halten sich diesbezüglich bedeckt: „Es ist noch nichts entschieden“, sagt die Sprecherin des rund 40 Mitglieder starken Ortsverbandes, Ex-Gemeinderätin Veronika Jones, bei einem Redaktionsbesuch. Aber es werde intensiv darüber nachgedacht. Im Herbst herrsche Klarheit. „Wir haben mehrere Menschen, die das gut könnten“, ist sich die Ortspolitikerin sicher. Tritt möglicherweise die 38-jährige Übersetzerin selbst als Bewerberin um das Spitzenamt im Rathaus an, wie im Markt spekuliert wird? Jones lässt sich nicht in die Karten schauen, sagt weder Ja noch Nein: „Ich schließe gar nichts aus.“

Fest steht: Die Öko-Partei ist entschlossen, ihre Stärke im Gemeinderat auszubauen. Der Gestaltungswille ist groß: „Wir sind nicht nur da, um Konzepte zu schreiben, sondern um diese auch umzusetzen“, betont Sprecherkollege Thomas Stärz (31), Doktorand der Japanologie.

Derzeit sind die Grünen in dem Murnauer Entscheidungsgremium nur mit Einzelkämpfer Hans Kohl vertreten. In der nächsten Legislaturperiode sollen es, so die Hoffnung, deutlich mehr Sitze werden: mindestens zwei bis drei, lautet die Marschroute. Jones will sich – wie auch Stärz – auf jeden Fall um ein Mandat im Kommunalparlament bewerben. Die Frage der Kinderbetreuung, die sie Anfang des Jahres als Grund für ihren Rücktritt genannt hatte, sei mittlerweile geklärt. Das Umfragehoch auf Bundesebene beflügelt offenbar: Die grünen Themen, allen voran der Klima- und Naturschutz, seien mittlerweile in breiten Kreisen der Bevölkerung angekommen, erklärt sich Stärz den starken Zuspruch.

Beim Murnauer Ableger wird derzeit am Wahlprogramm gefeilt, das zu allen großen Themen der Ortsentwicklung Antworten liefern soll. Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und Generationengerechtigkeit werden als zentrale Herausforderungen genannt. Die Grünen wollen beispielsweise die Verkehrswende voranbringen, mehr Bürgerbeteiligung zulassen, die Wohnungsnot bekämpfen, neue Branchen ansiedeln und das Glasfasernetz ausbauen. In Workshops wurden Vorschläge, Wünsche und Forderungen der Mitglieder und von interessierten Bürgern gesammelt. „Es geht darum, dass der Ort lebenswert für alle bleibt“, beschreibt Jones den Leitgedanken. Dazu seien intelligente und mutige Lösungen nötig. Ihr Kollege Stärz stimmt ihr zu: „Murnau hat viel Potential für eine nachhaltige Entwicklung.“

Jones, Stärz & Co. scheuen dabei auch nicht die Konfrontation mit der politischen Konkurrenz, was sie kürzlich unter Beweis stellten. Sie warfen Rathauschef Beuting vor, in der Wohnungsbaupolitik „versagt“ zu haben – und stellten ihr Gegenkonzept in Form eines genossenschaftlichen Modells im großen Stil vor.

Eine harte Attacke, wenn man bedenkt, dass die Grünen und Beutings ÖDP/Bürgerforum mit Blick auf ihre Positionen eigentlich viele Gemeinsamkeiten pflegen. In Murnau sei ein Investitionsstau entstanden, erläutert Jones. Beuting hat ihrer Ansicht nach einiges angepackt und Defizite richtig aufgezeigt. Aber: „Aus grüner Sicht ist noch Luft nach oben.“ Sie habe mit dem ÖDP-Mann immer gut zusammengearbeitet. Dennoch dürfe man doch auch unterschiedlicher Meinung sein, findet Murnaus Grünen-Chefin. „Das ist belebend. Das ist Demokratie.“

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